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Bundesregierung: 400.000 Arbeitslose weniger im Herbst

Bundesregierung : 400.000 Arbeitslose weniger im Herbst

Berlin (RP). Im Herbst soll die Zahl der Erwerbslosen auf unter drei Millionen fallen – wie vor der Wirtschafts- und Finanzkrise. Weil die Aufträge anziehen und mehr investiert wird, rechnen Wirtschaftsforscher mit zwei Prozent Wachstum.

Berlin (RP). Im Herbst soll die Zahl der Erwerbslosen auf unter drei Millionen fallen — wie vor der Wirtschafts- und Finanzkrise. Weil die Aufträge anziehen und mehr investiert wird, rechnen Wirtschaftsforscher mit zwei Prozent Wachstum.

Die Wirtschaft in Deutschland erholt sich überraschend schnell. Die Bundesregierung rechnet nach Informationen unserer Zeitung aus Regierungskreisen mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit auf unter drei Millionen im Herbst. Damit wäre die Zahl der Jobsuchenden erstmals auf dem Niveau vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Prognose beruht auf unerwartet positiven Rückmeldungen der Bundesagentur für Arbeit. Bisher rechnet die Regierung mit einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 3,4 Millionen im laufenden Jahr und einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent. Diese Prognosen könnten am 21. Oktober deutlich korrigiert werden. "Ein kurzzeitiges Sinken der Arbeitslosigkeit unter die Drei-Millionen-Marke ist realistisch", bestätigte Wolfgang Franz, Chef der Wirtschaftsweisen, unserer Zeitung. Es gebe eine "konjunkturelle Erholung", so der Ökonom. Ein Wirtschaftswachstum von bis zu zwei Prozent sei möglich. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft noch um fünf Prozent eingebrochen.

Steigende Nachfrage nach deutschen Produkten

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) korrigierte die Erwartungen nach oben und rechnet nun mit einem Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent. Das Münchner Ifo-Institut geht von 2,1 Prozent aus. Erstmals hat es laut Ifo-Institut im Juni im produzierenden Gewerbe, vor allem in der Chemie-, Metall- und Automobilindustrie wieder eine positive Geschäftserwartung gegeben. Ursache ist der Boom der Weltwirtschaft und die steigende Nachfrage nach deutschen Produkten. Der Konsum in Deutschland bleibt immerhin stabil.

Besonders zwei Branchen profitieren: Der Anlagen- und Maschinenbau sowie Teile der Automobilindustrie. "Aber nur die Unternehmen, die im vergangenen Jahr nicht von der Abwrackprämie profitiert haben", sagt RWI-Experte Roland Döhrn. Da die Prämie vor allem den Kauf von Kleinwagen angeregt habe, sei dieser Markt von den Käufern "jetzt abgegrast". Anders sieht es bei den Herstellern von Oberklassemodellen aus. "BMW und Mercedes werden in diesem Jahr davon profitieren, dass die Unternehmen die in der Krise zurückgestellte Erneuerung ihrer Firmenflotten jetzt nachholen", so Döhrn.

Dieser Effekt reiche allein aber nicht für das Jobwunder im Automobilbau, so Döhrn. "In NRW könnten in den nächsten vier Jahren bis zu Zehntausend neue Jobs rund um das Elektroauto entstehen", sagt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Der Verband der Anlagen- und Maschinenbauer (VDMA) dämpfte indes Hoffnungen auf neue Stellen. Die Firmen hätten die Konjunkturflaute bislang mit Kurzarbeit und dem Abbau von Überstunden ausgeglichen, um Kündigungen zu vermeiden. Jetzt normalisiere sich die Lage, hieß es beim Verband. Konjunkturexperte Döhrn macht auch die schrumpfende Zahl von Berufsanfängern für den unerwarteten Rückgang der Arbeitslosigkeit verantwortlich.

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