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Windkraftfinanzierer in Not: 40.000 Anleger wollen bei Prokon bleiben - vorerst

Windkraftfinanzierer in Not : 40.000 Anleger wollen bei Prokon bleiben - vorerst

Aufatmen in Itzehoe: Rund die Hälfte der Anleger des insolvenzbedrohten Windkraftfinanzierers Prokon hat dem Unternehmen bislang mehr Zeit für eine Restrukturierung eingeräumt.

Nach Ablauf der Frist am Montagabend hätten sich 40.236 der mehr als 75.000 Inhaber von Genussrechten dafür ausgesprochen, nicht vor dem 31. Oktober zu kündigen, wie das Unternehmen am Dienstagmittag auf seiner Website mitteilte. Das entspreche rund 53 Prozent der Anlagekapitals.

Nach den Zahlen, die Prokon auf seiner Internetseite veröffentlichte, bleibt dem Unternehmen Genussrechtskapital in Höhe von mehr als 778 Millionen Euro erhalten. Das Unternehmen braucht nach eigenen Angaben aber für mindestens 95 Prozent des Anlagekapitals in Höhe von 1,4 Milliarden Euro eine Garantie, um eine Insolvenz abzuwenden.

6753 Anleger kündigten laut Prokon ihre Anlage und wollen so 104,1 Millionen Euro Genussrechtekapital zurückerhalten. Somit liegt die Kündigungsquote bei 7,4 Prozent. Zahlreiche Anleger haben sich offenbar bisher nicht bei Prokon gemeldet, um ihre Pläne mitzuteilen.

Zukunft ungewiss

Die Zukunft des Unternehmens ist damit weiter ungewiss. Auf der Website hieß es am Dienstag, Anleger könnten immer noch kurzfristig ihre Entscheidung mitteilen, auch wenn die Frist abgelaufen sei. Der Windparkfinanzierer wirbt bei seinen Anlegern immer noch dafür, ihm eine Garantie zu geben, die Anlage nicht bis zum 31. Oktober 2014 zu kündigen.

Prokon hatte vor zehn Tagen seine Anleger überraschend vor einer drohenden Insolvenz Ende Januar gewarnt, sollten sie ihr Kapital abziehen. Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit insgesamt 1300 Mitarbeitern ist ein wichtiger Finanzier von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. Es hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben derzeit keinerlei Rück- oder Zinszahlungen leisten.

Ob es nun tatsächlich zur Insolvenz kommt, weil mehr als fünf Prozent des Genussrechtekapitals gekündigt wurde, ist nach Angaben Prokons allerdings unklar. Am Freitag hatte das Unternehmen erklärt, dass nach Aussage eines nicht genannten Insolvenzrechtlers gekündigte Genussrechte in einem Insolvenzverfahren möglicherweise nicht als fällige Forderungen zu bewerten wären. Ein Insolvenzantrag müsse deshalb vom Gericht abgelehnt werden, weil dann keine Insolvenz vorliege. Die Verbraucherzentrale Brandenburg schätzte diese Position aber als juristisch nicht haltbar ein.

Für Nachfragen war Prokon nicht zu erreichen. Das Unternehmen spricht seit Frühjahr 2013 nicht mehr mit Journalisten.

(AFP)