Demonstrationszug in Essen 4000 RWE-Mitarbeiter warnen vor Jobabbau

Essen · Sie kämpfen um ihre Jobs und gegen einen vorzeitigen Kohleausstieg: RWE-Beschäftigte blockierten am Montag Tagebaue und Kraftwerke und hielten Mahnwachen ab. Sie fordern klare Ansagen von Politik und Konzern.

RWE-Beschäftigte am Montag vor dem Kraftwerk Neurath: Sie blockieren die Zufahrten zu den Tagebauen und Kraftwerken im rheinischen Revier.

RWE-Beschäftigte am Montag vor dem Kraftwerk Neurath: Sie blockieren die Zufahrten zu den Tagebauen und Kraftwerken im rheinischen Revier.

Foto: dpa/Oliver Berg

Tausende RWE-Beschäftigte sind am Montag im Kampf um ihre Arbeitsplätze auf die Straße gegangen. Sie blockierten nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE seit den frühen Morgenstunden die Zufahrten zu den Tagebauen Hambach, Garzweiler und Inden sowie zu den Kraftwerken in Neurath und Weisweiler und hielten Mahnwachen ab. Auch bei der Braunkohle-Veredlung in Frechen gab es Proteste. Ein Demonstrationszug führte nach Kerpen. Laut IG BCE waren über 4000 Mitarbeiter im rheinischen Revier auf der Straße. „Die Kollegen haben Angst um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft der Region“, sagte Gewerkschaftssekretär Manuel Rendla. „Wir verlangen von der Politik und dem Konzern klare Ansagen, wie es mit den Arbeitsplätzen in der Braunkohle weitergeht.“ Betriebsräte, IG BCE und Verdi hatten zu den Protesten aufgerufen.

Anlass ist zum einen die Kohlekommission, die bis Jahresende einen Fahrplan für den Kohleausstieg festlegen soll, zum anderen der Rodungsstopp für den Hambacher Forst, den das Oberverwaltungsgericht Münster vor zehn Tagen verfügt hatte, und der laut RWE-Chef Rolf Martin Schmitz zu Förderungs-Drosselung und Stellenabbau führen wird. „Der Rückgang der Braunkohle-Förderung wird nicht ohne Auswirkung auf die Beschäftigung bleiben. Wie viele Arbeitsplätze wir am Ende tatsächlich streichen müssen, ist noch offen“, hatte Schmitz im Interview mit unserer Redaktion gesagt. Am Tagebau Hambach hängen 4600 Arbeitsplätze, davon 1300 allein im Tagebau und 1500 in der Veredlung der Braunkohle. Kündigungen schloss Schmitz nicht aus, betonte aber: „Bislang ist es RWE noch immer gelungen, sozialverträgliche Lösungen zu finden.“ Sobald man einen Überblick habe, werde der Konzern mit Gewerkschaften und Betriebsräten sprechen. Die IG BCE betonte, man sei in Kontakt mit RWE, noch gebe es aber keine konkreten Angaben zum Abbau. „Betriebsbedingte Kündigungen darf es auf keinen Fall geben“, forderte Rendla.

Ein RWE-Sprecher betonte, Demonstrationen und Mahnwachen seien bekannt gewesen. Weder Förderung noch  Stromerzeugung seien dadurch beeinträchtigt worden. Die Stromproduktion sei durch eine Notbesetzung gesichert worden.

Es soll nicht die letzte Aktion sein: Am 24. Oktober wollen die Gewerkschaften die Mitglieder der Kohlekommission empfangen, wenn sich diese im rheinischen Revier trifft. Die Kohlekommission war bereits zur Revierfahrt in der Lausitz. „Wir wollen der Politik klar machen, dass hinter ihren Zahlen Menschen, Familien und Schicksale im rheinischen Revier stehen“, betonte Rendla. Einen überstürzten Kohleausstieg dürfe es nicht geben.

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