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3100 Jobs bei Abellio auf der Kippe - der VRR muss Vorsorge treffen.

Pokern um Staatshilfe : 3100 Jobs bei Abellio auf der Kippe

Der Betriebsrat des Bahnwettbewerbers fürchtet den Untergang. Er hält einen Verkauf an einen Konkurrenten für denkbar. Das wäre dann wohl die Deutsche Bahn.

Der Streit um die Rettung des Bahnwettbewerbers Abellio spitzt sich zu. Nachdem bereits Rainer Eckert, der Sachwalter  des insolventen Unternehmens, im Gespräch mit unserer Redaktion vor einem kompletten Abellio-Aus Ende September gewarnt hat, macht nun der Betriebsrat mobil. In einem am Donnerstag publizierten offenen Brief an die Landesregierungen von NRW, Niedersachsen,  Sachsen-Anhalt und Thüringen schreibt Konzernbetriebsrat Jürgen Lapp: „Sichern Sie den Fortbestand von Abellio in Deutschland. Retten Sie 3100 Arbeitsplätze.“ Der Wettbewerb auf der Schiene dürfe nicht sterben, so Lapp. Der Appell ist auch an die Aufgabenträger gerichtet, also etwa den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr oder den Verkehrsverbund Rhein-Sieg. „Wir wollen, dass die Abellio-Züge weiter rollen“, so der Betriebsrat.

Er fürchtet offensichtlich, dass die Belegschaft von Abellio schnell einem anderen Unternehmen wie der Deutschen Bahn zugeteilt wird, falls Abellio untergeht: „Wir wollen auch in Zukunft bei Abellio in Deutschland tätig sein. Ein eventueller Betriebsübergang auf ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen ist nicht das angestrebte Ziel der Menschen, die für Abellio tätig sind.“

Hintergrund des Brandbriefes ist, dass Abellio von den Verkehrsverbünden deutlich höhere Zuschüsse fordert, um ab Oktober die Züge weiter fahren zu lassen. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hatte dazu erklärt, er sei bereit, Zuschüsse für Zusatzausgaben zu genehmigen, für die Abellio und andere Betreiber von S-Bahnen und Regionalzügen nichts können. Aber das Land weigert sich, Verluste auszugleichen, nur weil das Management von Abellio zu niedrige Preise für den Betrieb von Zügen angeboten hatte, nur um die Aufträge zu erhalten. „Die haben mit Dumping-Preisen den Markt erobern wollen“, meint ein Branchenkenner.

Abellio ist Tochterfirma der niederländischen Staatsbahn, die früher zugesagt hatte, für Verluste aufzukommen. Falls Abellio den Betrieb aufgibt, müssten wohl der VRR und der VRS die niederländische Staatsbahn auf Schadenersatz verklagen.

VRR-Vorstandssprecher Ronald Lünser sagt zu dem Streit: „Die Aufgabenträger gehen als Vertragspartner in diese intensiven Gespräche und Verhandlungen, um Lösungen für eine Restrukturierung und Sanierung zu erreichen, mit dem Ziel, dass das Eisenbahnverkehrsunternehmen Abellio auch künftig als Verkehrspartner Leistungen im Schienen-Personalverkehr erbringt.“ Er ergänzt, dass die Gespräche sehr kompliziert seien, es sei schwer, eine Lösung zu finden. „Für den Fall, dass dies bis Ende September nicht gelingt, sind die Aufgabenträger und insbesondere auch der VRR darauf vorbereitet, dass der Bahnbetrieb weiter fortgeführt wird und somit auch die Sicherstellung des SPNV-Leistungsangebotes über den 30.9. hinaus gewährleistet sein wird.“

Gemeint ist, dass die 3100 Mitarbeiter von Abellio dann eben weiterarbeiten sollen, egal, ob das Unternehmen selber untergeht.