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25 jahre Amazon - Vom Internet-Buchhändler zum digitalen Multiplayer

Als Amazon online ging : Alexa: Was war vor 25 Jahren?

Nur einen Klick vom Glück entfernt - oder Unglück. An Amazon scheiden sich die Geister. Vor 25 Jahren ging das Internetkaufhaus online - zunächst als Buchladen. Mittlerweile ist der Konzern vielfältig im Alltag zu finden. Ein Blick auf die Geschichte.

Der heutige Chef, Jeff Bezos (56), ist zugleich der Erfinder des Internet-Giganten. Im Sommer 1994 gründete er in Washington Amazon.com, wobei der Name ursprünglich ein anderer werden sollte: "Relentless" stand bei Bezos hoch im Kurs, aber von "unbarmherzig" - so die Übersetzung - sollen ihm Freunde abgeraten haben. Auch "Cadabra" war ein Namenskandidat, doch laut Bezos' Biografie "Der Allesverkäufer" klang ihm dies zu sehr nach Kadaver.

Also startet Bezos mit dem an die Kämpferinnen aus der griechischen Mythenwelt erinnernden Namen seinen Siegeszug. Am 16. Juli 1995 ging das erste Buch über die digitale Ladentheke: ein Werk von Douglas R. Hofstadter über das Denken. Hierfür lud Bezos 300 Gäste ein, um seine Schöpfung zu zeigen. Danach öffnete das Unternehmen nach und nach das Angebot für Interessenten. Zunächst wurden Bücher in alle US-Bundesstaaten und einige Länder verschickt. Bis im Oktober 1995 dann die Plattform amazon.com das globale Book-Shopping ermöglichte.

Jahr für Jahr wuchs die Firma - Übernahmen von Marktkonkurrenz, mehr Produkte und ganz neue Geschäftsfelder. Nach eigenen Angaben bietet Amazon als Marktführer des Handels im Internet die weltweit größte Auswahl an Büchern, CDs und Videos. Über eine integrierte Verkaufsplattform können andere Unternehmen aber auch ihre Produkte über Amazon anbieten.

Diese Möglichkeit handelt der Plattform jedoch immer wieder Ärger ein, weil Drittanbieter teils fragwürdige oder gar verbotene Produkte vertreiben. So waren schon mal Weihnachtsmotive auf Mauspad und Flaschenöffnern mit Bildern des Konzentrationslagers Auschwitz feilgeboten worden. Der Zentralrat der Juden kritisierte im vergangenen Sommer erhältliche T-Shirts mit Slogans wie "Auch ohne Sonne braun" oder "Nordische Wut kennt keine Gnade", außerdem als "wissenschaftliche Quellentexte" ausgewiesene Propagandaschriften mit Titeln wie "Der Jude als Weltparasit" oder "Judas: Der Weltfeind".

In den Amazon-Richtlinien heißt es: "Verboten ist das Anbieten von Artikeln, die den Nationalsozialismus oder verfassungswidrige Organisationen verherrlichen, unterstützen, gutheißen oder verharmlosen." Amazon trage "eine große moralische und gesellschaftliche Verantwortung", sagte Zentralratspräsident Schuster. "Wer solche Waren auf dem Markt verbreitet, darf sich nicht darauf zurückziehen können, dass er lediglich 'Anbieter' ist und damit keine Verantwortung hat", sagte er.

Deutschland ist der wichtigste Auslandsmarkt für Amazon. Was für den Verbraucher praktisch erscheint, macht dem stationären Buchhandel zu schaffen. Die Marktposition von Amazon ist dominant und die Zahl der Buchhandlungen seit Jahren rückläufig - 2018 gab es bundesweit knapp 4.000. Auch andere Branchen stöhnen unter dem wachsenden E-Commerce-Druck, denn gerade in der Corona-Krise wurde noch lieber im Netz geshoppt.

Und Online-Handel ist längst nicht mehr das einzige Geschäftsfeld, das die Zentrale in Seattle steuert. "Amazone Music", "Amazon Pay", "Amazon Vine", "Amazon Dash" und "Fresh". Oder auch "Amazon Prime Video": Der Streamingdienst ist gemeinsam mit Netflix und anderen eine der Hauptursachen, dass die Zahl der Videotheken von 2008 bis 2018 von rund 3.000 auf rund 430 Betriebe geschrumpft ist. Grund dafür ist laut Statistischem Bundesamt "die Möglichkeit, eine individuelle und digitale Videothek auf Abruf zuhause zu besitzen".

Der Mega-Konzern mit 280 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2019 sieht sich oft mit Kritik konfrontiert. Ihm wird Steuervermeidung und Machtmissbrauch vorgeworfen, weil Drittanbieter unter Preisdruck gesetzt werden. Auch das Arbeitsrecht ist oft im Fokus: So erklärte ein deutsches Gericht, dass die hohe Zahl der Bestellungen in der Vorweihnachtszeit keine Rechtfertigung für Sonntagsarbeit sei.

Bei aller Kritik auch am Sprachassistenzdienst "Amazon Echo" als "US-Abhörschnittstelle" trifft das Unternehmen mit seinen Ideen immer wieder den Nerv der User - und lässt auch die teils als altertümlich verschriene Kirche innovativ werden. Das Bistum Essen nutzt Amazon für die Seelsorge. "Alexa, ich bin traurig": Mit dieser Aufforderung können Nutzer den Skill "Etwas Gutes" aufrufen und am heimischen Lautsprecher Impulse und Gedankenanstöße passend zu ihrer Stimmungslage anhören. "Ein Assistent, mit dem die Nutzer sprechen können, bietet uns die Chance, ein seelsorgliches Angebot ganz gezielt für jeden Einzelnen auszuspielen, ohne quasi mit der Gießkanne einen einzigen Impuls an alle zu senden", erklärte Bistums-Sprecher Ulrich Lota zum Start im vergangenen Jahr.

(felt/kna)