2018 deutlich mehr Flugverspätungen in Deutschland

Exklusive Studie: Rekord bei Flugverspätungen in Deutschland

Knapp 1500 Flüge sind in diesem Jahr in Deutschland mit mehr als dreistündiger Verspätung ans Ziel gekommen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum. Experten warnen vor einer weiteren Zunahme.

Die Zahl sehr starker Verspätung von Flügen hat in diesem Jahr gegenüber 2017 erheblich zugenommen. Dies ergibt eine exklusiv für unserer Redaktion erstellte Studie des Flugrechte-Portals EUclaim, das Schadensersatzansprüche von Fluggästen durchsetzt. Demnach hatten bis zum 28. Mai 1466 Flüge in Deutschland eine Verspätung von mehr als drei Stunden.

In die Berechnung gingen nur die Verspätungen der fünf Fluglinien mit den meisten solcher Vorfälle ein. Zum Vergleich: 2017 kamen bei den fünf Airlines mit den meisten Verspätungen nur 738 sehr starke Verzögerungen zusammen, also nur etwa halb so viele.

Die betroffenen Airlines wie Eurowings (442 starke Verspätungen), Lufthansa (393) oder Ryanair (280), Condor (212) und Tuifly (139) wollten die Zahlen nicht im Detail kommentieren, Ryanair bezweifelte jedoch die Korrektheit der Studie. Alle Unternehmen sehen aber Streiks der Fluglotsen in Frankreich, Italien oder Griechenland als wichtige Ursache für verspätetete Flüge.

Außerdem habe eine Vielzahl von Gewittern dazu geführt, dass Flüge umgeleitet werden mussten. Hinzu kommt, dass Eurowings und Condor ihre Flotten nach der Pleite des Konkurrenten Air Berlin stark ausgebaut haben. "Bei der Inbetriebnahme dieser Flugzeuge kommt es zu Verzögerungen", räumte ein Condor-Sprecher ein.

Auch die allgemeine Zunahme des Flugverkehrs spielt eine Rolle: Die fünf in der Studie genannten Airlines wickelten bis zum 28. Mai 359.000 Flüge ab und damit ein Viertel mehr als die Vergleichsgruppe im Jahr davor.

321 Nachtlandungen am Flughafen Düsseldorf

Experten warnten bereits vor einer weiteren Zunahme von Verspätungen. So nimmt gerade im Hochsommer die Zahl der Verspätungen massiv zu, weil dann viel Verkehr herrscht. Außerdem haben die italienischen und französischen Fluglotsen für die nächsten Tage weitere Streiks angekündigt. "Wenn das mit den Streiks weitergeht, müssen sich die Passagiere auf einen heißen Sommer mit vielen Verspätungen einstellen", sagte Roland Keppler, Chef von Tuifly.

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Die Airlines kritisieren, dass der europäische Luftraum von mehr als 20 eigenständig arbeitenden nationalen Flugsicherheitsbehörden kontrolliert wird. Keppler: "Wir brauchen ein einheitliches Flugsicherheitssystem in Europa, um Engpässe zu reduzieren. Das würde die Pünktlichkeit erhöhen." Die Lufthansa unterstützt dies: "Nur wenn die Infrastruktur modernisiert wird, kommt es zu mehr Pünktlichkeit."

Auch der Flughafen Düsseldorf ist von den Verspätungen erheblich betroffen. Die Zahl von Nachtlandungen zwischen 23 Uhr und null Uhr und zwischen fünf Uhr und sechs Uhr sprang im ersten Quartal auf 321, gegenüber nur 126 im Vorjahr.

Immer wieder Streit um Entschädigungen

"Streiks und Unwetter mögen dazu beitragen, dass es Verspätungen gibt", sagte Christoph Lange, Vorsitzender der Bürger gegen Fluglärm, "aber man muss auch sehen, dass die Airlines die Flugpläne immer enger stricken. Dann führt jede Kleinigkeit zu weiteren Verzögerungen."

Immer wieder gibt es Streit um Entschädigungen für Passagiere, die Opfer von Verspätungen ihrer Flüge werden. Zwar ist nach EU-Recht bei Verspätungen ab drei Stunden eine Kompensation in Höhe von mindestens 250 Euro vorgesehen. Doch die Airlines verweisen darauf, dass diese Regel nicht gilt, wenn äußere Umstände wie Streik oder Unwetter die Verspätung ausgelöst haben.

Stefanie Winiarz von EUclaim kritisierte diese Praxis: "Häufig führen Airlines zu Unrecht außergewöhnliche Umstände als Ursache für Flugchaos an, um keine Entschädigung zahlen zu müssen."

(rky)