UMTS-Versteigerung im Jahr 2000 brachte 100 Milliarden Mark

UMTS-Versteigerung im Jahr 2000 : Die 100-Milliarden-Mark-Auktion

Im Sommer 2000 wurden erstmals Mobilfunklizenzen in Deutschland versteigert. Die Konzerne witterten mit UMTS ein Riesengeschäft, doch die Erwartung wurde enttäuscht.  Für den Finanzminister dagegen lohnte sich die Auktion.

Zur Jahrtausendwende ist in Deutschland vielerlei Bemerkenswertes passiert. Es ist die Zeit des von Weltuntergangspropheten vorausgesagten „Jahr-2000-Crashs“, den es nie gab; die Zeit der spielerisch wohl schlechtesten Nationalmannschaft der deutschen Fußball-Geschichte;  des Einzugs von „Big Brother“ in die deutschen Fernsehzimmer; der CDU-Schwarzgeldaffäre, die der Welt vor Augen führte, dass das Ehrenwort eines Ex-Kanzlers (Helmut Kohl), Parteispender nicht zu nennen, nichts Ehrenvolles in sich tragen muss. Und dieses Jahr 2000 wird  auf Dauer das einzige Jahr bleiben, in dem der Finanzminister binnen zweieinhalb Wochen mehr als zehn Prozent der Jahressteuereinnahmen sicher hatte.

Das für den damaligen SPD-Amtsinhaber Hans Eichel lukrative Geschäft ist mit vier Buchstaben erklärt: UMTS. Hinter dem Kürzel verbirgt sich die erste Versteigerung von Mobilfunklizenzen in Deutschland zwischen Ende Juli und Mitte August 2000.  Darauf zurückzublicken, lohnt sich zum Start der 5G-Versteigerung am Dienstag.  Die UMTS-Auktion hat damals fast 100 Milliarden Mark, umgerechnet 50,6 Milliarden Euro, gebracht. Der Eintritt in die dritte Mobilfunkgeneration wurde seinerzeit gefeiert, als seien in Deutschland Goldadern gefunden worden. Die Idee, viele Handys ins Internet bringen zu können, passte wunderbar in die Ära der Dotcom-Hysterie, in der vielen allein das Wort New Economy an der Börse ewig währende Kursgewinne zu garantieren schien. Und da unter den 48 Millionen Deutschen, die zur Jahrtausendwende ein Handy besaßen, viele noch ohne Internet-Anschluss waren, erschien den  Mobilfunkanbietern der Markt gigantisch – wie die Sehnsucht der Nutzer, sollte man doch per UMTS mit der für damalige Verhältnisse unvorstellbaren Geschwindigkeit von 384 KBit/Sekunde durchs Netz surfen können. Heute sind viele Deutsche dank LTE im Internet  300 Mal so schnell unterwegs.

Als die Versteigerung in Mainz stattfand, war die Spekulationsblase am Neuen Markt indes  längst geplatzt. Was die Bieter nicht davon abhielt, jeder für sich umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro zu investieren. Vor allem die Großen trieben die Preise hoch:  T-Mobil und Mannesmann Mobilfunk (heute Vodafone) taten zunächst alles, um sich die lästigen Kleinen vom Leib zu halten. Am Ende waren es trotzdem sechs, die bei der Versteigerung zum Zuge kamen – neben den beiden Marktführern E-Plus Hutchison, Viag Interkom (spätere O2), das Konsortium „3 G“ aus der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera sowie Mobilcom, das sich mit der France Telecom verbrüdert hatte. Doch nur vier blieben dauerhaft übrig, weil das spanisch-finnische Duo seine Lizenzen nicht nutzte und Mobilcom wegen der hohen Kosten fast in die Pleite geschliddert wäre. Ihre Blöcke mussten neu versteigert werden.

Die Auktion im Sommer 2000 ist ein treffendes Beispiel für die Anwendung der Spieltheorie in der Praxis. Denn um möglichst effizient zu bieten, muss man versuchen, die Strategie der anderen Teilnehmer zu durchschauen. Und entscheiden, ob man möglichst wenig Geld  in die Hand nimmt, um die Kosten niedrig zu halten, oder lieber viel bietet, um die Investitionskraft der Wettbewerber zu schwächen. Denn: Je mehr man für die Frequenzblöcke bietet, desto weniger bleibt für Investitionen in die Netze, für Marketing, für Kundengewinnungsprogramme. Absprachen zwischen den Unternehmen waren verboten. Trotzdem wurde heftig spekuliert, dass sich T-Mobil und Mannesmann Mobilfunk per Geheimsprache verständigt hätten. Mannesmann soll in der Schlussphase Gebote mit einer Sechs am Ende abgegeben und so der Telekom signalisiert haben, dass man sich mit sechs Lizenzerwerbern anfreunden könnte; die Telekom soll Beträge mit der Endziffer fünf genannt haben. Bedeutung: Wir wollen wenigstens einen Mitbieter aus dem Markt haben.

Gelohnt  hat sich die Mega-Versteigerung vor allem für den Finanzminister. Eichel war angesichts des Auktionserlöses so baff, dass er sich zu einer individuellen Übersetzung des Begriffes UMTS hinreißen ließ: „Unerwartete Mehreinnahmen zur Tilgung von Staatsschulden.“ Für die Konzerne war es ein gigantisches Investment, das sich lange Zeit kaum ausgezahlt hat – fünf Jahre nach der Auktion nutzen kaum drei Prozent aller deutschen Handy-Besitzer UMTS. Viele Handys beherrschten die Technik nicht, die angebotenen Tarife waren oft zu teuer. Wie sagte ein Zeitzeuge treffend: „UMTS war ein reiner Knieschuss der Provider. Der Staat hat den Reibach gemacht, und wir haben eine komplette Mobilfunkgeneration in den Sand gesetzt.“

Mehr von RP ONLINE