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Ukraine-Krieg zwingt zum Umdenken beim Energieverbrauch: Wie Deutschland künftig heizen will

Ukraine-Krieg verändert Verbraucherverhalten : Wie Deutschland künftig heizen will

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat einen Richtungswechsel bei den Verbrauchern ausgelöst. Wie die Deutschen jetzt unabhängig werden wollen von russischem Gas, mit welchen Trägern sie ihr Zuhause derzeit noch heizen und warum man das heutige Umdenken mit Vorschriften aus dem Jahr 1977 vergleichen kann.

Wenn Deutsche zaubern könnten, dann würde eine deutliche Mehrheit unter ihnen von heute auf morgen nicht mehr Gas, Kohle und Öl nutzen, sondern Energie aus Sonne, Wind und Wasserstoff. Das legt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa nahe, die die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Auftrag gegeben hat.

Demnach heizen zurzeit noch 52 Prozent der Befragten in Deutschland ihr Zuhause mit Gas. Die zweitgrößte Gruppe nutzt den Energieträger Öl – 18 Prozent der Bevölkerung, also knapp jeder Fünfte. Eine im Vergleich deutlich kleinere Anzahl greift auf Solarkraft zurück (1 Prozent). Kaum populärer sind die Luftwärmepumpe (3 Prozent) und die Erdwärmepumpe (2 Prozent), die Energie aus der Raumluft und dem Erdreich gewinnen.

Umgekehrt wollen mehr als 75 Prozent der Deutschen künftig stärker Solarenergie beziehen. Auch die Windenergie und der Wasserstoff, der erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft speichern soll, sind mit großer Mehrheit gefragt: 65 Prozent der Menschen wollen sie stärken nutzen, wenn sie von den Meinungsforschern gefragt werden, welche Energieform sie bevorzugen, „um Deutschland unabhängiger von Energieimporten zu machen“. Fossile Brennstoffe hingegen sehen die Mehrheit der Befragten nicht als zukunftsfähig an. Sechs Prozent wählten das Gas als unabhängige Energiequelle, fünf Prozent entschieden sich für die Kohle. Das sind mit knapp über vier beziehungsweise fast fünf Millionen Menschen hochgerechnet zwar immer noch viele Bewohner. Sie sind aber klar in der Minderheit.

Dass die Umfrageergebnisse nun so deutlich ausfallen, ist vor allem mit dem russischem Angriffskrieg in der Ukraine zu begründen. Der fordert nicht nur tagtäglich unzählige Tote und Verletzte, sondern hat auch eine Debatte über die Abhängigkeit von russischen Gasimporten ausgelöst.

Eine von der Politik längst abgeschriebene Energiequelle wurde zu Beginn der Invasion als mögliche Alternative wieder  ins Spiel gebracht: Die Atomkraft. Nur ein Viertel der Deutschen – also 25 Prozent – will sie stärker nutzen, zeigt die Forsa-Umfrage. Im Vergleich zu Ergebnissen der Sonnen-, Wind- und Wasserstofftechnologie ein geringerer Wert. In der Frage entscheiden sich die Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren mit 14 Prozent übrigens nur halb so oft für Atomkraft wie der Rest der Bevölkerung. Dort sind es durchschnittlich 27 Prozent. Menschen aus Ost-Deutschland stehen etwas häufiger der Energie aus Kernkraft positiv gegenüber, um Deutschland unabhängig von Importen zu machen (30 Prozent), als Menschen aus dem Westen des Landes (24 Prozent). Ostdeutsche trauen der Windkraft allerdings auch um einiges weniger zu (43 Prozent) als die Westdeutschen (69 Prozent).

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Eine solches Umdenken in der Energiewende hat es schon einmal gegeben. Auch das machen die Daten von Forsa deutlich. Ende 1977 trat in Deutschland die Wärmeschutzverordnung in Kraft. Sie bewirkte, dass Private effizienter heizen und ihre Häuser dämmen mussten, damit Wärme bei deutlich gestiegenen Kosten nicht unnötig verloren ging. Die Verordnung war Folge der Ölkrise Anfang der 1970-er Jahre. Erkennbar ist deshalb genau in dieser Zeit ein Umdenken: Hauseigentümer, die nach 1978 – also nach Eintreten der Verordnung – ihr Heim bauten, nutzen heute halb so viel Öl und mehr als doppelt so häufig Luft- und Erdwärmepumpen wie Personen, die vor 1978 bauten. Damals entschied die Politik und machte es zur Pflicht. Vergleichbare Vorschriften sind derzeit nicht geplant. Aber der Druck auf die Politik erhöht sich, auch private Haushalte zum Energiesparen anzuhalten und neue, unabhängigere, klimafreundlichere und zugleich bezahlbare Alternativen zu finden.