München: Ukraine dämpft deutsche Konjunktur

München : Ukraine dämpft deutsche Konjunktur

Die Stimmung in den Unternehmen sinkt. Erste Konjunkturforscher nehmen ihre Prognosen zurück.

Angesichts der Ukraine-Krise schrauben die Volkswirte vom ifo-Institut ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum kräftig nach unten. "Der Wirtschaftsaufschwung, der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres begann und sich bis in den Winter fortsetzte, scheint nun eine längere Pause einzulegen", so Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn gegenüber der "Wirtschaftswoche". Die Wachstumsprognosen von 2,0 Prozent für dieses Jahr und 2,2 Prozent für nächstes Jahr müssten wohl deutlich gesenkt werden.

Die deutsche Wirtschaft spürt die Ukraine-Krise bereits. Weil der Westen Russland wegen der Krise mit Sanktionen belegt, verkauft zum Beispiel Daimler dort weniger Autos. "Im ersten Halbjahr haben wir noch 20 Prozent Plus im Russland-Geschäft gemacht, jetzt geht das Momentum nach unten", sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche der "BamS". Die russische Wirtschaft sei schon vor der Krise in einer schwierigen Phase gewesen und jetzt weiter beeinträchtigt. "Das wirkt sich auf den russischen Pkw-Markt aus und damit auch auf Daimler."

Dennoch steht Zetsche hinter schärferen Sanktionen gegen Russland. "Es gilt ganz klar das Primat der Politik. Die Wirtschaft hat sich auf die Bedingungen einzustellen, die die Politik setzt - unabhängig von den direkten Konsequenzen", sagte der Manager. Damit liegt Zetsche mit dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft auf Linie, der wegen der komplexer gewordenen Beziehungen zu Russland in Deutschland 25 000 Jobs gefährdet sieht, die Sanktionen aber gleichwohl akzeptiert. Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge gingen die Exporte nach Russland im Mai um 17,5 Prozent zurück. Betroffen ist vor allem der deutsche Anlagen- und Maschinenbau. Die deutsche Schlüsselindustrie hatte zuletzt ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von drei auf nur noch ein Prozent gesenkt. Auf ihrem viertwichtigsten Exportmarkt Russland verzeichneten die Maschinenbauer allein bis zum Mai sogar einen Rückgang von 19,5 Prozent. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für das Gesamtjahr 2014 bislang mit einem Minus der Exporte nach Russland von mindestens 10 Prozent.

Ifo-Präsident Sinn sagte, wegen der Krise werde Deutschland allerdings keinesfalls in eine Krise rutschen: "Erstens wird die Binnenwirtschaft von einem ansehnlichen Konsumzuwachs getragen und zweitens ist der Dienstleistungssektor sehr stabil." Es gebe somit keine Ähnlichkeit zum Katastrophenjahr 2008, betonte Sinn.

Nicht nur aus Russland, sondern auch von der weltweiten Konjunkturlokomotive China droht Gefahr für die deutsche Konjunktur. Das Wachstum in der chinesischen Dienstleistungsbranche hat sich im Juli erneut abgeschwächt. Der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Wirtschaftszweig gab auf 54,2 von 55,0 Punkten im Vormonat nach, wie die nationale Statistikbehörde gestern mitteilte. Die Dienstleistungsbranche steht für fast die Hälfte der Wirtschaftskraft in der Volksrepublik.

(dpa/tor)