Berlin: Trotz Boom kaum Entlastung für Bürger

Berlin: Trotz Boom kaum Entlastung für Bürger

Zwei Euro mehr Kindergeld und die minimale Senkung des Rentenbeitrags bringen wenig. Auch 2018 bleibt die Abgabenbelastung hoch, wie der Bund der Steuerzahler für vier Musterhaushalte der Region zeigt.

Bald erhalten Arbeitnehmer ihre erste Gehaltsabrechnung für 2018. Doch vom Wirtschaftsboom spüren sie netto kaum etwas. Denn die Abgabenlast bleibt hoch, wie die Berechnung für vier Musterhaushalte aus der Region zeigt, die Volker Stern vom Bund der Steuerzahler für unsere Redaktion vorgenommen hat. Zwar sind die Bruttolöhne leicht gestiegen, Stern berücksichtigt ein Lohnplus von 2,2 Prozent. Auch die Rente liegt nach der Erhöhung im Juli um 1,9 Prozent höher. Doch die Abgaben sinken kaum: "Der Vergleich gegenüber 2017 zeigt, dass die gesamte prozentuale Belastung mit direkten Einkommensabzügen in drei Fällen unter dem Strich unverändert bleibt", sagt Stern. Nur beim Single aus Düsseldorf sinkt die direkte Belastung von 45,2 auf 45,1 Prozent des Bruttolohns. "Die Entlastung bei der Lohnsteuer ist so gering, dass sie zusammen mit der marginalen Senkung des Rentenversicherungsbeitrages gerade ausreicht, um die Belastungsverschärfung durch die kalte Progression auszugleichen — zu mehr reicht es nicht", so Stern. Die Gesamtbelastung mit direkten und indirekten Abgaben (einschließlich der Arbeitgeberbeiträge) sinkt bei drei der vier Musterhaushalte um 0,2 Prozentpunkte, bei der Alleinerziehenden aus Krefeld nur um 0,1 Punkt.

Single aus Düsseldorf Der Single profitiert - wie alle Steuerzahler - vom höheren Grundfreibetrag. Dieser steigt von 8820 Euro auf 9000 Euro im Jahr. Zudem berücksichtigt der Fiskus stärker die Altersvorsorge: Nun sind 86 Prozent der Rentenversicherungsbeiträge absetzbar. Die Gesamtbelastung mit direkten und indirekten Abgaben (samt Arbeitgeberbeiträgen) sinkt dennoch nur auf 62,3 Prozent. Negativ wirken die "heimlichen Steuererhöhungen" durch die kalte Progression und die Anhebung der Bemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung auf 4425 Euro.

Alleinerziehende aus Krefeld Die Mutter profitiert von der Erhöhung des Kindergeldes: Es steigt um zwei Euro auf 194 Euro im Monat. Kaum ins Gewicht fällt hier - wie bei allen Haushalten - die Senkung der Ökostromumlage auf 6,79 Cent je Kilowattstunde. In Krefeld wird zudem die Müllabfuhr etwas teurer. Unterm Strich sinkt die Gesamtbelastung nur auf 47,3 Prozent.

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Doppelverdiener-Familie aus Neuss Die Familie, in der der Vater 3518 Euro brutto verdient und die Mutter 1174 Euro, profitiert ebenfalls vom höheren Kindergeld und der bessere Abzugsfähigkeit der Vorsorgeaufwendungen. Zugleich sind die Gehälter zu gering, um von der Anhebung der Bemessungsgrenzen betroffen zu sein.

Rentner aus Duisburg Unverändert bleibt die Belastung mit direkten Abgaben auch beim Rentnerehepaar. Da alle unsere vier Musterhaushalte bei der DAK versichert sind, die - anders als einige andere Kassen - ihren Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel nicht gesenkt hat, gibt es für die Senioren keinerlei Entlastung. Von der Rentenbeitrags-Senkung haben sie ja nichts. Immerhin ist das Rentenplus so groß, dass die gesamte Abgabenbelastung leicht auf 30,6 Prozent sinkt.

Fazit des Steuerexperten: "Die Entlastung ist so gering, dass sie wohl kaum wahrgenommen wird." Die Last liege höher als in den meisten anderen Industrieländern. Der Steuerzahler-Bund fordert, zügig den Solidaritätszuschlag abzubauen und die Grenze für den Spitzensteuersatz auf 80.000 Euro anzuheben. Derzeit greift der Spitzensatz schon bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 54.950 Euro pro Person. "Eine spürbare Entlastung ist überfällig", so Stern.

(RP)