Trivago-Gründer Rolf Schrömgens will die Hotelsuchmaschine aus Düsseldorf noch besser machen

Rolf Schrömgens: "Wir müssen bei der Hotelsuche besser werden"

Rolf Schrömgens (40) gründete mit dem Düsseldorfer Unternehmen <a href="http://www.rp-online.de/thema/trivago/" target="_blank">Trivago</a> eine der erfolgreichsten Hotelsuchmaschinen der Welt. Zufrieden ist er trotzdem noch nicht.

Rolf Schrömgens (40) gründete mit dem Düsseldorfer Unternehmen Trivago eine der erfolgreichsten Hotelsuchmaschinen der Welt. Zufrieden ist er trotzdem noch nicht.

Zunächst herrscht Verwirrung: Wo ist Rolf Schrömgens? Drei Bürogebäude hat die Hotelsuchmaschine Trivago aufgrund des rasanten Wachstums inzwischen in Düsseldorf belegt. 2017 will Trivago erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielen. Doch die Gebäudevielfalt birgt Fehlerpotenzial. Der eine in Gebäude A, die anderen in C — diese Zeiten sollen bald vorbei sein. 2018 soll der neue Campus für rund 2000 Mitarbeiter im Düsseldorfer Medienhafen fertig sein.

Gefühlt besteht Ihre neue Zentrale nur aus Balkonen, Sitzecken und einer großen Jogging-Strecke auf dem Dach. Warum bauen Sie nicht einfach ein normales Bürogebäude?

Schrömgens Das hat viel mit unserer Kultur zu tun. Wir glauben nicht, dass man Arbeitswelt und Privatwelt trennen sollte. Bei uns gibt es keine Anwesenheitspflicht. Wir zählen keine Arbeitsstunden, keine Urlaubstage. Arbeitszeit ist kein Indikator für Arbeitsleistung. Wenn man so denkt, muss man sich im nächsten Schritt fragen: Wie schaffe ich es trotzdem, dass die Mitarbeiter zusammenkommen?

Und, wie gelingt das?

Schrömgens Wir müssen die besten Arbeitsbedingungen schaffen. Warum sollte ich mich in ein kleines Büro mit veraltetem Rechner setzen? Dann gehe ich doch lieber mit dem Laptop in den Park. Also muss man das produktivste Arbeitsumfeld schaffen, mit gutem Essen, Kommunikationsmöglichkeiten, Sportangeboten. Das Büro sollte genauso lebenswert sein wie die eigenen vier Wände. Dann kommen die Leute auch gerne hierher.

Trotzdem gibt es gesetzliche Vorschriften, die gelten.

Schrömgens Die widersprechen unserer Idee auch nicht. Es macht schon Sinn, dass Leute 24 Tage Urlaub kriegen sollen. Wir erinnern sie auch daran, wenn sie ihn nicht nehmen, aber wir wollen solche Dinge nicht zum einzigen Maßstab machen. Eine Mitarbeiterin war gerade sieben Wochen in Südafrika. Die hat aber auch im vergangenen Jahr einen super Job gemacht. Auch das ist in Ordnung.

Leben Sie das als Führungskraft denn auch vor?

Schrömgens Ich nehme mir auf jeden Fall viel Freiheit, mache auch schon mal tagsüber private Termine. Die Kommunikation spielt sich mit den meisten Leuten ja sowieso virtuell ab. Die wissen dann gar nicht, ob ich gerade zuhause bin oder unterwegs. Ich könnte daher auch gar nicht sagen, wie lange ich arbeite. Das stresst mich aber auch nicht. Nur zum Urlauben komme ich zu selten. Deswegen überlege ich gerade, ob ich mal drei Wochen den Jakobsweg gehen soll.

Mit oder ohne Handy?

Schrömgens Ohne natürlich.

Gab es denn nie den Gedanken, NRW mal dauerhaft zu verlassen — auch als Unternehmen?

Schrömgens Das war bei uns irgendwie nie Thema. Wir haben uns hier immer wohlgefühlt, und ab einer gewissen Größe ist es für Unternehmen auch schwer, noch einmal komplett umzuziehen. So eine Frage stellt sich eher für kleine Firmen. Da kenne ich auch tatsächlich viele, die in der frühen Phase — trotz deutschem Gründer — die Entscheidung treffen, von hier wegzugehen.

Können Sie das nachvollziehen als jemand, der hier geblieben ist?

Schrömgens Ja, ich kann das verstehen. In einer gewissen Phase gibt es einfach immer noch viele Vorteile im Silicon Valley oder auch in Berlin, allein schon bei der Finanzierung. An diesem Punkt sollte man daher als Stadt oder Landesregierung am meisten unterstützen. Denn viele Unternehmen kommen sonst gar nicht in die Phase, in der sie sagen: Ok, jetzt wechseln wir den Standort auch nicht mehr. Das ist besorgniserregend.

Inwiefern?

Schrömgens Ich glaube, dass die meisten klassischen Großunternehmen in den nächsten 20 Jahren extrem unter Druck kommen werden. Nur wenige werden sich langfristig halten können. Und da muss man sich natürlich schon die Frage stellen: Was kommt denn dann?

Was kommt denn dann?

Schrömgens Junge Unternehmen werden sie ersetzen und die alten Geschäftsmodelle atomatisieren. Wenn man da als Stadt oder Land nicht gut aufgestellt ist, um genau diese Start-ups zu fördern, hat man ein Problem als Standort. Das ist leider das, was uns die USA gerade voraus haben: Die haben natürlich auch diese klassischen Unternehmen, aber gleichzeitig gibt es junge Tech-Unternehmen, die nachrücken.

Woran liegt das?

Schrömgens Der Fokus liegt hier sehr stark auf den Großkonzernen. Ich kann das zum Teil verstehen, sie bringen viele Arbeitsplätze, aber es ist wahnsinnig schwer, diese großen Apparate über die Zeit hinwegzuretten. Es braucht eine Kultur, die für Veränderungen offen ist — die haben viele Großkonzerne nicht. Schauen Sie sich zum Beispiel Facebook an...

... das ja auch schon sowas wie ein Großkonzern ist.

Schrömgens Facebook ist nicht so erfolgreich, weil die Idee so grandios war. Die gab es schon Jahre vorher woanders. Aber Facebook hat eine grandiose Kultur des Überarbeitens. Die meistgenutzte Funktion ist heute die Timeline — und die hatte Twitter zuerst. Facebook war einfach in der Lage, diese Technik extrem schnell zu integrieren. Die große Fähigkeit dieses Unternehmens ist es, sich immer neu anzupassen.

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Wie ist das denn mit Ihrem Geschäftsmodell? Womit verdienen Sie noch Geld, wenn alle in Privatunterkünften schlafen, die von Airbnb vermittelt wurden statt in Hotels?

Schrömgens Klar kann es sein, dass wir in ein paar Jahren ersetzt werden. Aber wir versuchen, dynamisch zu bleiben.

Das Verhalten der Menschen können Sie aber nicht beeinflussen.

Schrömgens Stimmt. Ich glaube aber nicht an eine Zukunft, in der jeder sein Haus an andere vermietet, wenn er nicht da ist. Dafür sind vielen die eigenen vier Wände zu heilig.

Trotzdem wird sich der Markt verändern.

Schrömgens Natürlich, er wird facettenreicher, aber dabei werden sich professionelle Anbieter durchsetzen. Ich vergleiche das gerne mit Ebay: Ende der 1990er dachte ich: Das verändert alles. Von jetzt an wird jeder an jeden verkaufen. Wenn man sich heute Ebay anschaut, stammt der Großteil der Angebote von Profi-Händlern und nicht von Privatleuten. Heute ist Ebay ein schlechtes Amazon.

Was schließen Sie daraus für die Zukunft von Trivago?

Schrömgens Wenn wir über unser zukünftiges Angebot sprechen, geht es um alle Orte, an denen man schlafen kann. In Zukunft wollen wir unsere Angebote aber noch viel stärker personalisieren. Aus der Kombination verschiedener Daten ergibt sich ein digitaler Fingerabdruck: Wer Ende September ein Hotel in München sucht, will vielleicht zum Oktoberfest. Je mehr Informationen man uns aktiv gibt, umso besser können wir auch das Angebot für ihn machen. Es wird viele Leute geben, die uns dafür beispielsweise Zugriff auf ihr Facebook-Profil geben werden. Wenn jemand das nicht möchte, akzeptieren wir das natürlich auch.

Jemand, der zum Oktoberfest will, muss ja auch dorthin kommen und will vor Ort etwas essen. Wieso haben Sie Ihre Suchfunktion noch nicht auf andere Bereiche ausgeweitet?

Schrömgens Weil wir noch nicht gut darin sind, Hotels zu finden.

Wie bitte?

Schrömgens Wir haben einfach noch so viele Möglichkeiten, bei der Hotelsuche besser zu werden. Es reicht uns nicht, nur relativ besser zu sein als die Konkurrenz.

Woran machen Sie es fest, nicht gut genug zu sein?

Schrömgens Ein Beispiel: Ich war zuletzt in San Francisco. Natürlich nutze ich Trivago auch selber, es ist ja auch die beste Suche...

Na klar.

Schrömgens ... das ist wirklich so. Ich suche meistens nach Hotels, die von anderen mit vier oder fünf Sterne bewertet wurden, dadurch fallen aber tolle Plätze vielleicht raus, weil sie vielleicht weniger Sterne haben, für meine Bedürfnisse aber völlig ausreichend wären. Ich suche ja eigentlich gar nicht nach den vier Sternen, sondern lediglich nach einem Hotel, das gewisse Sauberkeitskriterien erfüllt. Jeder Gast hat andere Bedürfnisse. Unsere Suche findet aber noch nicht das perfekte Angebot für jeden Einzelnen. Solange das so ist, haben wir unsere Aufgabe nicht erfüllt.

Inwiefern hilft oder behindert sie der Börsengang dabei?

Schrömgens Ehrlich gesagt, spüre ich nicht so viel Einfluss durch den Börsengang, vielleicht etwas mehr Freiheit und mehr Geschwindigkeit.

Obwohl Sie gegenüber Anlegern jetzt ständig den Börsenkurs rechtfertigen müssen?

Schrömgens Wir waren vorher ja durch unsere Mutter Expedia auch schon börsennotiert. Jetzt sind wir halt selbst verantwortlich. Natürlich muss man sich ein Stück weit anpassen, wenn man mit den Kapitalmärkten kommuniziert. Wir versuchen aber trotzdem, authentisch sein — und können jetzt unsere eigene Geschichte erzählen.

Also ist es Ihnen egal, ob der Börsenkurs hoch oder runtergeht und dass der Börsengang von vielen als schwächer eingestuft wurde als erwartet?

Schrömgens Ja, ich habe gelernt zu sagen: Ok, dann ist das halt so. Ich kann die Erwartungen ja nicht beeinflussen. Ich kann nur dafür sorgen, dass das Geschäft gut läuft.

Florian Rinke und Jan Schnettler führten das Gespräch.

(frin)