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Der Chef des Düsseldorfer Flughafens: "Ticketsteuer kostet 5000 Jobs"

Der Chef des Düsseldorfer Flughafens : "Ticketsteuer kostet 5000 Jobs"

Düsseldorf (RPO). Christoph Blume, Chef des Düsseldorfer Flughafens, wird zum Jahreswechsel Präsident des deutschen Flughafen-Verbandes. Er fürchtet, dass die Ticketsteuer viele Passagiere von der Reise abhält.

Düsseldorf (RPO). Christoph Blume, Chef des Düsseldorfer Flughafens, wird zum Jahreswechsel Präsident des deutschen Flughafen-Verbandes. Er fürchtet, dass die Ticketsteuer viele Passagiere von der Reise abhält.

Zum Jahreswechsel werden Sie neben ihrer Funktion als Düsseldorfer Flughafen-Chef auch neuer Präsident des Flughafenverbandes ADV. Wozu brauchen die deutschen Flughäfen einen Dachverband?

Blume Das Wohl der deutschen Flughäfen ist stark von politischen Entscheidungen abhängig. Um Wachstumstreiber zu sein, sind Flughäfen auf verlässliche politische Rahmenbedingungen angewiesen. Als Präsident des Flughafenverbandes ADV werde ich mich dafür einsetzen, dass die Flughäfen als Rückgrat der deutschen Wirtschaft wahrgenommen werden und weitere Belastungen für den Flughafenstandort Deutschland in Zukunft unterbleiben.

Welche Belastungen?

Blume Ein Beispiel ist die Luftverkehrsteuer, die ab Januar die Passagierflüge verteuert. Darunter leiden auch die Flughäfen. Die neue Steuer soll den öffentlichen Haushalten eine Milliarde Euro einbringen. Ich glaube das nicht. Das Beispiel Niederlande, wo dieselbe Steuer inzwischen wieder abgeschafft worden ist, zeigt: Die Menschen fliegen weniger oder weichen einfach auf das Ausland aus. Deshalb ist die deutsche Luftverkehr-steuer im Wesentlichen ein Konjunkturprogramm für ausländische Flughäfen.

Aber andere Länder planen doch auch eine solche Abgabe . . .

Blume Wenn eine Steuer nicht zu vermeiden gewesen wäre, dann hätten wir gehofft, dass die Politik diese wie beim Emissionshandel in einem europäischen Rahmen einführt. So wäre eine einseitige Benachteiligung der deutschen Luftfahrt vermieden worden. Die Abgabe wird Deutschland bis zu fünf Millionen Passagiere kosten. Eine Million Passagiere sichern 1000 Arbeitsplätze.

Dieses Kind ist ja nun in den Brunnen gefallen. Wo können Sie noch etwas bewegen?

Blume Die Aschewolke, die im Mai 2010 von Island aus über Tage hinweg den europäischen Luftverkehr lahmgelegt hat, hat gezeigt, dass ein europaweites Krisenmanagement unabdingbar ist. Das Krisenmanagement, an dem die Flughäfen nicht beteiligt wurden, hat teilweise chaotisch gearbeitet. Während einige Länder ihren Luftraum gerade wieder geöffnet hatten, wurde das Fliegen zeitgleich in anderen verboten. Stunden später war es genau anders herum — und so ging das über Tage. Das geht so nicht. Die meisten Flüge passieren mehrere Lufträume, deshalb braucht die Luftfahrt international abgestimmte Regeln.

Was hat das Luftfahrt-Jahr 2010 sonst noch geprägt?

Blume Die schnelle Erholung der Branche. Damit hat niemand gerechnet. Die deutschen Verkehrsflughäfen haben im vergangenen Jahr rund 190 Millionen Passagiere befördert. Trotz der Schnee-Chaos-Tage am Jahresanfang, der dramatischen Wirtschaftskrise und der besagten Aschewolke ist der deutsche Luftverkehr im vergangenen Jahr um fünf Prozent gewachsen — die Fracht sogar um 25 bis 30 Prozent. Das ist für mich die größte Leistung des Jahres.

Was ist Ihre Prognose für 2011?

Blume Mit den positiven Vorhersagen der Wirtschaftsforscher für 2011 starten auch die Flughäfen verhalten optimistisch in das neue Jahr. Im kommenden Jahr wird die deutsche Luftfahrt vier bis fünf Prozent Wachstum haben. Erstmals werden wir die magische Schwelle von 200 Millionen Passagieren an den deutschen Flughäfen durchbrechen.

Nach dem Unterhosen-Bomber kam der Schuh-Bomber, zuletzt wurden Bomben im Frachtverkehr gefunden. Ist die Luftfahrt ein unkalkulierbares Risiko?

Blume Nein. Die Entdeckungen zeigen, dass die Sicherheitssysteme funktionieren. Die Gefahr sehe ich eher anders herum: Jeder neue Vorfall führt zu weiteren Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen. So entsteht eine Sicherheitsspirale der technischen Aufrüstung, die irgendwann ihre technischen und operativen Grenzen erreicht. Hier ist das richtige Augenmaß entscheidend.

Was schlagen Sie vor?

Blume Israel zum Beispiel verfolgt einen risikobasierten Ansatz. Dabei werden die Passagiere in unterschiedliche Risiko-Gruppen unterteilt. Sichere Kunden, über die ausreichend Daten vorliegen, und die regelmäßig ähnliche Strecken fliegen, werden dort weniger aufwändig kontrolliert als Passagiere, über die keine oder nur wenige Daten bekannt sind. Auf diese Weise können die Kontrollsysteme zum Wohle aller Beteiligten effektiver eingesetzt werden. Über das israelische "Profiling" könnte man auch in Deutschland mal nachdenken.

Thomas Reisener führte das Gespräch mit dem Flughafen-Chef.

(RP)