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Thyssenkrupps Stahlchef Premal Desai muss gehen

Industrie-Ikone : Thyssenkrupps Stahlchef Desai muss gehen

Inmitten der Verhandlungen zur „Stahlstrategie 2030“ wird der Finanzer abberufen. Es folgt ein operativer Manager.

Schritt für Schritt drängt Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz die alte Manager-Riege ihres Vorvorgängers Heinrich Hiesinger aus dem Konzern. Am Montag wurde bekannt, dass Stahlchef Premal Desai seinen Hut nehmen muss. Der Konzern wollte sich zu der Personalie zunächst nicht offiziell äußern.

Der Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Desai, der erst im vergangenen Jahr als Stahl-Finanzchef auf den Chefposten aufgerückt war, befand sich inmitten der Gespräche zur „Stahlstrategie 2030“ mit den Arbeitnehmern. Dabei geht es auch um den vom Konzernmanagement angekündigten Abbau von 2000 Stellen. Branchenbeobachter rechnen damit, dass bei einer Aufgabe des kriselnden Segments Grobblech die Zahl auf 2500 bis 2800 Stellen in die Höhe schnellen könne. Die IG Metall pocht auf den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und will zudem ein Wörtchen bei der Umstellung der Produktion mitsprechen.

Unterschiedliche Auffassungen gibt es bei den Verhandlungen augenscheinlich über die Höhe der dringend benötigten Investitionen in die Stahlsparte. Die Gewerkschaft hatte Investitionen von 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zu den ohnehin zugesagten jährlichen Ersatzinvestitionen gefordert. Thyssenkrupp-Chefin Merz hatte bei der Hauptversammlung 800 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Also kein ganz banaler Prozess. Das Vorstandsteam um Desai hatte den Arbeitnehmervertretern seit Jahresbeginn das Zukunftskonzept im Detail erläutert. Die Arbeitnehmer werden nun ihre Forderungen erarbeiten. Einmal pro Woche treffen sich beide Seiten zu Gesprächen.

Desais Ablösung kommt also zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt, dass er gehen könnte, stand jedoch seit einer Personalie im Raum. Schließlich hatte Thyssenkrupp-Chefin Merz erst kürzlich Klaus Keysberg in den Konzernvorstand berufen und diesen für das Materialgeschäft – also auch den Stahl – verantwortlich gemacht. Desai muss dies als Bevormundung empfunden haben. „Es sieht so aus, als sei das Verhältnis zwischen Keysberg und Desai nie ein richtig gutes geworden“, heißt es aus dem Unternehmensumfeld.

Premal Desai wurde erst 2019 Stahlchef. Foto: Thyssenkrupp

Der Volks- und Betriebswirt Desai war bereits 2006 von der Boston Consulting Group zum Essener Konzern gewechselt, stieg aber insbesondere unter Heinrich Hiesinger auf, der von 2011 bis 2018 Thyssenkrupps Geschicke lenkte. Desai wurde Chef der hauseigenen Unternehmensberatung und war als Strategiechef unter anderem für das Vorstandsbüro zuständig. Er galt als einer der entscheidenden Manager beim am Ende geplatzten Joint-Venture mit Tata Steel Europe.

Auf den Finanzer folgt nun ein operativ tätiger Manager: Offenbar soll Stahl-Vertriebsvorstand Bernhard Osburg für Desai aufrücken.