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Thyssenkrupp: Stahl muss mehr sparen - Aufsichtsratssitzung abgesagt

Brief der Konzernchefin an die Mitarbeiter : Thyssenkrupp: Stahl muss mehr sparen

Die Aufsichtsratssitzung am 12. März ist abgesagt. Nach der Ablehnung des Liberty-Angebots sei die Richtung klar, so der Konzern. Er will den Stahl nun „verselbstständigen“. Vorstandschefin Martina Merz stimmt die Belegschaft auf harte Zeiten ein - auch in der Verwaltung.

Thyssenkrupp hat eine Grundsatzentscheidung für den Stahl getroffen: Die angeschlagene Tochter soll aus eigener Kraft saniert und selbstständig aufgestellt werden. Darauf haben sich Vorstand und Aufsichtsrat nun verständigt. Die eigentlich geplante Aufsichtsratssitzung wird abgesagt. „Die zunächst für den 12. März geplante außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats der Thyssenkrupp AG wird nach der Beendigung der Gespräche mit Liberty Steel nun nicht mehr erforderlich sein. Denn die angekündigte Richtungsentscheidung zum Stahl ist mit der Beendigung dieser Gespräche getroffen“, erklärte ein Sprecher des Konzerns. Damit könne sich der Konzern nun auf die Weiterentwicklung des Stahls aus eigener Kraft konzentrieren. „Ziel ist es, das Stahlgeschäft zu verselbstständigen.“

Der britische Konzern Liberty hatte ein Angebot für den Stahl vorgelegt, das Thyssenkrupp dankend abgelehnt hatte, weder der negative Preis noch das Konzept überzeugten. Nun soll der Stahl innerhalb des Konzerns hübsch gemacht werden. Damit will sich Thyssenkrupp für die Zukunft alles offen halten: Der Stahl könnte abgespalten werden, in eine neue Fusion gehen oder unter dem Konzern-Dach bleiben. In jedem Fall wird die Sanierung Hunderte Stellen über die bereits angekündigten 3000 Stellen hinaus kosten.

Konzern-Chefin Martina Merz stimmte die Mitarbeiter nun in einem internen Schreiben auf harten Zeiten ein. „Der Stahl muss noch hart an der eigenen Leistungsfähigkeit arbeiten. Der aktuelle Rückenwind vom Markt ist zwar spürbar, macht das Geschäft aber noch nicht für sich stabil genug über den gesamten Stahlzyklus hinweg“, heißt es in dem Schreiben an die Belegschaft, das unserer Redaktion vorliegt. „Es braucht daher Anpassungen und mehr Beiträge von allen Beteiligten, dazu sind wir ja auch bereits in Gesprächen.“ Merz verwies auch auf die Corona-Lage: „Gerade schließen Kunden wieder Werke wegen erhöhter Infektionszahlen. Da gilt es, deutlich resilienter zu werden, dafür müssen Kosten flexibilisiert und gesenkt werden.“

Der Stahl hatte Thyssenkrupp einst Milliardengewinne beschert. Doch das Brasilien-Desaster und Konkurrenz aus Fernost setzen die Sparte unter Druck. 27.000 Stahlkocher, davon 22.000 in NRW, blicken unsicher in die Zukunft. Die IG Metall hat dem Abbau der 3000 Jobs im Rahmen der Stahlstrategie 20-30 zugestimmt. Doch sie ist erzürnt über die weiteren Pläne. Die Ankündigung schaffe „noch mehr Unsicherheiten“, mahnte Stahl-Betriebsratschef Tekin Nasikkol unlängst.

Grundsätzlich will der Konzern noch stärker auf die Kosten schauen, vor allem in der Verwaltung dürfte der Rotstift angesetzt werden: „Wir sprechen sehr intensiv mit den Segmenten und haben eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Kostenverbesserung vereinbart“, erklärte Merz weiter. „Die müssen jetzt erstens schneller umgesetzt werden und zweitens müssen auch noch weitere Maßnahmen dazu kommen – das gilt im Übrigen auch in der Zentrale.“

Der Verkauf des Aufzugsgeschäfts hat zwar Entlastung gebracht, aber Thyssenkrupp verbrennt weiterhin Geld. „Solange wir einen negativen Cashflow haben, wird dieses Geld einfach weniger“, erklärte Merz weiter. „Es gilt Vertrauen zurückzugewinnen, auch am Kapitalmarkt und bei unseren Kreditgebern und Warenversicherern. Daher müssen wir so schnell wie möglich beweisen, dass wir Geld verdienen können - und zwar dauerhaft und nachhaltig.“ Die Gespräche mit der IG Metall gehen nun weiter.