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Hannover: Thomas Cook bekommt neuen Not-Kredit

Hannover : Thomas Cook bekommt neuen Not-Kredit

Im Kampf ums Überleben verkauft der angeschlagene Reiseveranstalter Thomas Cook sein Tafelsilber. Der britische Konzern, der in Deutschland mit Marken wie Neckermann, Bucher und Öger Tours vertreten ist, kündigte am Wochenende den Verkauf weiterer Hotels sowie bis zu 19 eigener Flugzeuge an, die für das laufende Geschäft zurückgemietet werden sollen. Einen Komplettverkauf der deutschen Fluglinie Condor erwägt Europas zweitgrößter Reiseanbieter allerdings nicht.

Außerdem muss der TUI-Rivale seinen Banken fünf Prozent aller Aktien zu einem Stückpreis von zehn Pence anbieten – weniger als die Hälfte des Kurses, zu dem Thomas Cook derzeit an der Börse gehandelt wird. Vor etwa einem Jahr war Thomas Cook an der Börse noch zehnmal soviel wert. Im Gegenzug räumen die Banken Thomas Cook mehr Zeit für die Rückzahlung von Schulden ein: Thomas Cook muss die 1,4 Milliarden britische Pfund (1,7 Milliarden Euro) jetzt erst im Mai 2015 zurückzahlen.

Thomas Cook musste sich schon im November einen Notkredit über 200 Millionen Pfund (246 Millionen Euro) mit einer Unternehmensbeteiligung der Banken erkaufen. Der Konzern leidet nach eigenen Angaben massiv unter den politischen Umwälzungen im Nahen Osten, wohin er traditionell die meisten seiner Reisen verkauft hat. Außerdem macht ihm der Preiskampf auf dem britischen Heimatmarkt zu schaffen. Wegen enormer Abschreibungen verbuchte Thomas Cook im letzten Geschäftsjahr einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Pfund.

Viele Thomas-Cook-Kunden fürchten angesichts der Schieflage um ihre Buchungen. Ihr Risiko ist aber begrenzt. Das europäische Reiserecht schützt Pauschalreisekunden umfassend vor etwaigen Zahlungsausfällen.

(RP)