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Textilindustrie: Textilbündnis fordert bessere Arbeitsbedingungen

Globale Textilindustrie : Textilbündnis fordert bessere Arbeitsbedingungen

Die Bundesregierung will die Arbeitsbedingungen in asiatischen Fabriken verbessern. Doch nun fehlt dem Textilbündnis wohl der Mut.

Gut zwei Jahre ist es her, als in Bangladesch die Rana-Plaza-Textilfabriken einstürzten. Mehr als 1100 Menschen starben, 2500 wurden verletzt. Für die Bundesregierung war das Unglück Anlass, ein Textilbündnis für bessere Arbeitsbedingungen in der globalen Textilindustrie voranzutreiben. Doch nun wird immer deutlicher, dass der Zusammenschluss aus deutschen Herstellern, Handelsverbänden und Organisationen droht, weitgehend wirkungslos zu bleiben. Das geht aus der Antwort des Ressorts von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die unserer Zeitung vorliegt.

So sieht auch eine Neuauflage des Aktionsplans, der dem Bündnis zugrunde liegt, keinerlei folgenschwere Sanktionen bei Verstößen gegen die selbst auferlegten Standards vor. Das Bündnis plant lediglich, dass "bei einer ausbleibenden oder unzureichenden Zielverfolgung Sanktionen bis hin zum Ausschluss ausgesprochen werden können", heißt es in der Antwort von Müllers Ministerium.

Das Monitoring- und Berichtssystem befinde sich aber noch in der Konzipierungsphase. Zudem sollten Audits, die in der Branche zur Überprüfung von Arbeitsstandards in Fabriken verbreitet seien, weder selber durchgeführt, noch in Auftrag gegeben werden, schreibt das Entwicklungsministerium.

"Auch nach über einem halben Jahr enthält das Textilbündnis keine verbindlichen Anforderungen und Standards, die seine Mitgliedsunternehmen erfüllen müssen", kritisiert Renate Künast (Grüne), Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verbraucherschutz. Firmen könnten beispielsweise noch immer giftige Chemikalien für ihre Textilherstellung verwenden oder Baumwolle, die mit Hilfe von Kinderarbeit produziert worden sei, so Künast.

Folgt man Müller, will sein Bündnis, dem 60 Organisationen wie Oxfam, Stiftung Warentest und der Bundesverband Verbraucherzentralen sowie kleinere Firmen wie Hess Natur, Vaude oder Trigema angehören, eigene Standards setzen. So sollen innerhalb der Lieferketten existenzsichernde Löhne gezahlt und gewerkschaftliche Arbeitnehmerrechte geachtet werden. 730 000 Euro ließ sich Müller die Initiierung des Bündnisses durch die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit bisher kosten.

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Künast will aber nicht an die ehrgeizigen Ziele des Bündnisses glauben. "Minister Müller muss endlich Fakten schaffen und die Unternehmen in die Pflicht nehmen, sonst bleibt sein Textilbündnis weiterhin heiße Luft." Für Christian Scheper, der sich an der Uni Duisburg-Essen als Wissenschaftler mit Arbeitsstandards in der globalen Textilindustrie befasst, hat das Bündnis dennoch eine Chance verdient. "Erstmals richtet der Staat klare Erwartungen an die deutsche Textilbranche, sich gemeinschaftlich auf Standards zu einigen." Richtig sei aber auch, dass zunächst weder Arbeiter in den Fabriken noch deutsche Verbraucher profitieren würden. "Ein Bündnis-Ausschluss ist jedenfalls keine wirksame Sanktion", kritisiert Scheper.

(RP)