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Bonn/Köln: Telekom will deutlich mehr Glasfaser legen

Bonn/Köln : Telekom will deutlich mehr Glasfaser legen

3000 Gewerbegebiete sollen ans schnelle Netz, nur der Zeitplan ist unklar. Der Konzern will weniger Regulierung.

Die Deutsche Telekom ist bereit, deutlich mehr Haushalte mit der Zukunftstechnologie Glasfaser direkt bis ans Haus zu versorgen. Dies erklärte Vorstandschef Tim Höttges gestern auf der Hauptversammlung in der Kölner Lanxess-Arena. Allerdings müsste die Regulierung in Europa und Deutschland als Vorbedingung gelockert werden. "Es kann nicht sein, dass wir Milliardenbeträge investieren, aber die superschnellen Leitungen dann direkt sehr günstig weitervermieten müssen", erläuterte ein Telekom-Manager die Konzernhaltung gegenüber unserer Redaktion. Höttges selbst erklärte, der Staat solle Investitionen möglich machen, statt über Subventionen nachzudenken.

Als ersten Schritt der neuen Glasfaseroffensive kündigte Höttges an, die rund 3000 wichtigsten Gewerbegebiete in Deutschland mit den neuen Anschlüssen zu versorgen. In NRW hatte der scheidende Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) solche Investitionen schon länger gefordert.

Jetzt sagt Höttges, die ersten 100 Gewerbegebiete würde man planen, die nächsten 200 habe man "im Blick". Auf einen konkreten Zieltermin für das Andocken der 3000 Gewerbegebiete verzichtete der aus Solingen kommende Vorstandschef aber interessanterweise. Im Entwurf der Rede zur Aktionärsversammlung war dagegen vorgeschlagen worden, sich auf 2020 als Zieljahr festzulegen.

Als Strategie wird für die Zukunft geprüft, den US-Ableger T-Mobile USA möglicherweise mit einem oder mehreren Wettbewerbern zusammenzulegen. "Wenn sich solche Möglichkeiten ergeben, können wir das jetzt mit den Kollegen in den USA in Ruhe bewerten.", sagte Höttges. Angesichts des sehr großen Erfolges von T-Mobile USA als eigenständigem Unternehmen liege die Latte für alle neuen Kombinationen aber sehr hoch.

Hinzu kommt ein politisches Problem: Falls T-Mobile USA beispielsweise den kleineren Wettbewerber Sprint übernehmen würde, könnte die US-Regierung von Donald Trump ein solches Geschäft auch blockieren, um sich an Deutschland wegen anderer Auseinandersetzungen zu rächen. Immerhin ist der Bund Hauptaktionär der Telekom.

Technisch setzt die Telekom auf den künftigen Mobilfunkstandard 5G, der das Steuern von Maschinen oder Autos praktisch ohne Verzögerungszeit ermöglichen soll. Ein neben Höttges stehender Roboter sollte in der Lanxess-Arena seine Bewegungen imitieren. Doch weil die jetzigen Netze Impulse immer zeitversetzt übertragen, hinkte der Roboter beim Nachahmen des Chefs etwas hinterher. Ab 2020 kommt dann aber der echte Synchronauftritt.

(RP)