Tarifstreit bei der Bahn wird zur Hängepartie

Tarifstreitigkeiten : Hängepartie bei der Bahn

Die Tarifverhandlungen mit der EVG und der GDL gestalten sich extrem schleppend. Für Kunden wird das zunehmend zur Belastung.

Natürlich liegt es an den Umständen, dass diese Tarifverhandlungen extrem kompliziert sind. Das Management der Deutschen Bahn versucht mit zwei erbitterten Konkurrenten einen nahezu inhaltsgleichen Tarifvertrag hinzubekommen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) belauern sich nun gegenseitig, wer zuerst zuckt. Denn wer von ihnen am Ende das bessere Ergebnis für seine Mitglieder herausholt, der stärkt den eigenen Einfluss. Schließlich wird es sich der eine oder andere Bahner dann überlegen und womöglich ins Lager des Siegers wechseln.

Und so erlebt Deutschland derzeit eine der zähsten Tarifauseinandersetzungen der vergangenen Jahre. Inzwischen geht es auch um die Deutungshoheit in diesem Verwirrspiel. Die GDL versuchte es mit einem Minutenprotokoll der vergangenen Tage, das sie den Medien zur Verfügung stellte. Darin legt sie dar, dass eigentlich die GDL einigungsbereit gewesen sei, jedoch der entsandte Vertreter der Deutschen Bahn sich zunächst geweigert habe, eine ausverhandelte Tarifeinigung zu unterzeichnen und dann am Donnerstagabend den Verhandlungsort in Eisenach verlassen habe und so das Scheitern provoziert habe. Solche Darstellungen sind immer problematisch, schließlich finden die Verhandlungen hinter verschlossenen Türen statt. Überprüfen lässt sich die GDL-Version der vergangenen Tage nur schwer.

Eindeutig sind allerdings die Zeichen, die am Freitagabend per E-Mail in die Welt gesendet wurden: GDL-Chef Claus Weselsky  ließ offiziell – zum zweiten Mal in dieser Woche – die Verhandlungen für gescheitert erklären. „Die Deutsche Bahn hat das von der GDL bis zum 14. Dezember 2018, 11 Uhr, gestellte Ultimatum ungenutzt verstreichen lassen. Damit sind die Tarifverhandlungen gescheitert.“

So steuern Lokführer und Bahn nun endgültig auf die vorgesehene Schlichtung zu. Diese haben Bahn und Gewerkschaft in der letzten Tarifrunde für den Fall des Scheiterns verbindlich verabredet. Was zunächst danach klingt, als könnten die Bahnkunden nun zumindest vorübergehend aufatmen, entpuppt sich jedoch als trügerisch. Denn die GDL lässt sich offenbar von einer Schlichtungsverpflichtung nicht aufhalten. Claus Weselsky kündigte an, es könnte passieren, dass Lokführer ihre vielen Überstunden mit Freizeit abgelten. „Dass das mit einem Streik vergleichbar sein könnte, ist nicht unsere Schuld.“ Das zuletzt vorgelegte Angebot der Bahn von einer Entgelterhöhung um 3,2 Prozent bezeichnete Weselsky als nicht mehr ausreichend und verlangte ein gänzlich neues Angebot – und dsa, obwohl die GDL ja nach eigenen Angaben bereit gewesen wäre, den letzten erarbeiteten Vertragstext zu unterschreiben.

Sehr wohl streiken dürfte im Gegensatz zur Lokführer-Gewerkschaft die EVG. Sie hatte das am Montag mit einem vierstündigen Ausstand getan, der bundesweit große Teile des Zugverkehrs lahmlegte. Angesichts des Scheiterns der GDL-Gespräche sinkt nun auch wieder erheblich die Chance, dass sich EVG und Bahn einigen. (mit dpa)

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