1. Wirtschaft

Tankrabatt: Super und Diesel in Deutschland günstiger als in Nachbarstaaten

Tankrabatt : Spritpreise niedriger als bei vielen Nachbarn

Nur in drei Ländern ist das Tanken noch günstiger als hierzulande. Den Rabatt will Finanzminister Lindner allerdings nicht verlängern.

„Auf mich wirken diese Zahlen so, als ob die niedrigeren Steuern schon den Markt teilweise beeinflussen“, sagt dazu der Wirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer. Trotzdem hält er den Benzinpreisrabatt für falsch: „Den Gutverdienern sind diese wenigen Euro an Ersparnis sowieso egal, die nehmen das nur als kleinen Extra-Vorteil mit. Und die Geringverdiener hätte man besser direkt unterstützt als den Umweg über die Zapfsäule zu gehen.“

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sieht auch einen Erfolg des Tankrabatts, will ihn aber nicht verlängern: „Wir können nicht auf Dauer gestiegene Preise für das importierte Öl, die Entwicklung des Dollar und die Knappheiten bei Raffinerien mit Staatsgeld ausgleichen“, sagte Lindner. Gleichwohl zog er eine positive Bilanz: „Das Preisniveau an der Zapfsäule ist in den letzten Wochen deutlich gesunken. Die Entwicklung ist besser als im Ausland. Für Pendlerinnen und Autofahrer ist die Entlastung spürbar“, sagte der FDP-Chef dazu.

Das günstige Nachbarstrio Polen, Tschechien und Luxemburg schlägt Deutschland auch beim Diesel. Hier kostete ein Liter in Polen 1,69 Euro, in Tschechien 1,93 Euro und in Luxemburg nur zwei Autostunden vom Rheinland entfernt zwei Euro. Hierzulande waren dagegen 2,06 Euro fällig am 20. Juni.

In Luxemburg ist schon seit Langem zu beobachten, wie sich Autofahrer aus Deutschland auf der Durchreise unter anderem nach Frankreich den Tank im Ort Wasserbillig füllen. An einer Landstraße stehen dort Zapfsäulen aller Marken nebeneinander nur wenige Kilometer entfernt von der Autobahn. Gleichzeitig drücken die günstigen Spritpreise in Polen und Tschechien auch die Notierungen in Teilen von Ostdeutschland herunter. Dies zeigte sich auch bei einer Analyse des Bundeskartellamtes zum Spritmarkt vor einiger Zeit.

In den anderen unmittelbaren Nachbarländern liegen die Spritnotierungen dagegen in der Regel höher als in Deutschland, so das Statistische Bundesamt. In Österreich kostete am 20. Juni ein Liter Super mit 2,09 Euro zwölf Cent mehr als hierzulande im Schnitt. In Belgien waren 2,10 Euro fällig, in Frankreich 2,13 Euro, in den Niederlanden 2,36 Euro. In Dänemark waren es 2,44 Euro pro Liter.

Nicht ganz so drastisch sind die Unterschiede beim Diesel. Das mag auch daran liegen, dass hier die Energiesteuer „nur“ um 14 Cent gesenkt wurde, wohingegen die Energiesteuer auf Super sogar um 29,55 Cent herunterging.

  • Blick auf die Zapfsäulen einer Tankstelle.
    Neue Statistik : Tanken in vielen Nachbarländern teurer als in Deutschland
  • Ein Mann betankt an einer Tankstelle
    Entlastung für Pendler und Autofahrer : Lindner gegen Fortsetzung von Tankrabatt und 9-Euro-Ticket
  • Gas ist extrem teuer geworden. Welche
    Enorme Preissteigerungungen : Lohnt sich ein Gas-Grill noch?

In Österreich lag der Liter Diesel am 20. Juni mit 2,07 Euro im Schnitt nur ein Cent höher als in Deutschland. In Frankreich waren 2,13 Euro fällig, in Belgien waren es 2,17 Euro, in den Niederlanden 2,19 Euro. Und im traditionellen Hochpreisland Dänemark mussten die Autofahrer pro Liter Diesel 2,31 Euro berappen. Es lohnt sich also, vor dem Sommerurlaub eventuell noch einmal in der Heimat zu tanken: Der Aufschlag auf 50 Liter Diesel beträgt in Dänemark immerhin 12,50 Euro.

Umgekehrt ist bei Urlaub in einigen Ländern, die nicht Nachbarn Deutschlands sind, auch einiges zu sparen, wenn man sich dort den Tank füllt: In Kroatien kostete am 20. Juni ein Liter Super 1,83 Euro, in Bulgarien 1,69 Euro, in Ungarn waren es sogar nur 1,23 Euro. Allerdings liegt der niedrige Preis nur an der Einführung eines Höchstpreises an den Tanksäulen durch den Staat. Nach dem Willen der Regierung sollen nur Inländer von dem günstigen Preis profitieren, um Tanktouristen speziell aus Österreich abzuschrecken.

Bei Diesel ein vergleichbares Bild: Der Liter kostete am 20. Juni in Ungarn 1,47 Euro, in Slowenien 1,67 Euro, in Bulgarien 1,74 Euro und in Kroatien 1,84 Euro.

Der ADAC geht davon aus, dass speziell Super in den vergangenen Wochen günstiger wurde. Die Autofahrer sollten mehr denn je vor dem Tanken auf die Preise achten. Die Preisdifferenzen zwischen verschiedenen Anbietern können bis zu sieben Cent betragen. Wer abends tankt, kann laut ADAC bis zu 16 Cent je Liter gegenüber den Morgenstunden sparen.