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Düsseldorf: Suppen Zamek stellt Insolvenzantrag

Düsseldorf : Suppen Zamek stellt Insolvenzantrag

Der traditionsreiche Düsseldorfer Hersteller von Tütensuppen hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt. Knapp 600 Mitarbeiter in Sachsen und NRW sind betroffen. Unklar ist, wie viel Geld die Anleger verlieren werden.

Seit mehr als 80 Jahren steht der Name Zamek für Fertigsuppen und -gerichte aus Düsseldorf. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hat die Firma jetzt einen Antrag auf Insolvenz beim Düsseldorfer Amtsgericht gestellt. Darüber müssen die Richter nun kurzfristig entscheiden. Die Firma plant eine sogenannte "Insolvenz in Eigenregie". Diese Regelung ist seit 2012 in Deutschland zulässig und soll den Erhalt eines Unternehmens trotz Insolvenz möglich machen. "Während des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist das Unternehmen vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und bleibt voll handlungsfähig", teilte Zamek mit.

Überraschend ist der Insolvenzantrag nicht. Seit Jahren schreibt der Nahrungsmittelhersteller rote Zahlen. Für das Geschäftsjahr 2012/2013 war ein Verlust von mehr als zehn Millionen Euro ausgewiesen worden. Der Umsatz war um mehr als acht Prozent auf 74 Millionen Euro eingebrochen. Für Aufsehen sorgte im Sommer 2012 ein mit ungewohnter Härte geführter Arbeitskampf um einen Haustarifvertrag. Die Arbeitnehmerseite versuchte die Bevölkerung zu mobilisieren und demonstrierte vor dem Düsseldorfer Rathaus. Es kam zu Beleidigungen vor dem Werkstor und anschließenden Unterlassungsklagen. Als die Einigung gelang, hatten die Auseinandersetzungen tiefe Wunden gerissen. Der Betriebsratsvorsitzende verließ Zamek. Im Oktober 2013 verließ überraschend auch Geschäftsführer Michael Krüger die Firma. Mehrheitseigentümer Bernhard Zamek kehrte in das Unternehmen zurück und steuerte es als Bevollmächtigter selbst. Anfang dieses Monats wurde seine Frau Petra Zamek aus der Geschäftsführung abgelöst. Jetzt soll Sanierungsexperte Reiner Wenz als Geschäftsführer das Ruder herumreißen. Unterstützung erhält er von den in der vergangenen Woche neu berufenen Geschäftsführern Wolf-Rüdiger von der Fecht und Nikolaos Antoniadis. Diese sind Anwälte der auf Sanierungen in Insolvenz spezialisierten Kanzlei von der Fecht.

Vor eineinhalb Jahren hat Zamek eine Anleihe von 35 Millionen Euro aufgelegt, später auf 45 Millionen Euro aufgestockt und damit alle Bankverbindlichkeiten abgelöst. Seit Monaten war der Kurs der Zamek-Anleihe gefallen — zwischenzeitlich auf weniger als ein Drittel des Startwertes. Ob die Anleger ihr Geld wiedersehen und wenn, wie viel, ist unklar. "Für Gläubiger besteht aber zurzeit kein Handlungsbedarf. Sie werden von ihrer Bank rechtzeitig informiert", sagt Düsseldorfs Börsenchef Dirk Elberskirch.

Zamek war 1932 von Ben Zamek in Düsseldorf gegründet worden. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg boomte die Firma mit Suppenwürfeln und später Fertiggerichten. In den vergangenen Jahren hatte Zamek — anders als die viel größeren Konkurrenten Knorr und Maggi — darauf gesetzt, No-Name-Produkte für Supermarktketten herzustellen. Die eigene Marke "Zamek" wurde zwischenzeitlich sogar aus den Regalen genommen. Stattdessen wurden Eigenmarken und die Handelsmarke "Dr. Lange" hergestellt. Um die Kosten zu senken, wurden kürzlich Teile der Produktion ins Werk Dresden und an einen neuen Standort in Polen verlegt. Dabei kam es wohl zu Verzögerungen. Außerdem gab es eine drastische Reduzierung des Sortiments und Stellenabbau. "Dabei hat Zamek kein Personalkosten-, sondern ein Erlösproblem", kritisierte gestern Dieter Schormann, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG.

(RP)