Frauenerwerbsquote: Studie: Weniger als die Hälfte der Frauen in NRW in Beschäftigung

Frauenerwerbsquote: Studie: Weniger als die Hälfte der Frauen in NRW in Beschäftigung

Weniger als die Hälfte der Frauen im erwerbsfähigen Alter geht in Nordrhein-Westfalen einem sozialversicherungspflichtigen Job nach. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Wenngleich immer mehr Frauen berufstätig sind, offenbart die Bertelsmann-Studie, die am Mittwoch vorgestellt wurde, große regionale Unterschiede. Demnach gehört Nordrhein-Westfalen mit einer Frauenbeschäftigungsquote von 47,5 Prozent gemeinsam mit dem Saarland (47,2 Prozent) bundesweit sogar zu den Schlusslichtern. Die Nase vorn hat Sachsen mit 58,5 Prozent.

Auch innerhalb Nordrhein-Westfalens zeigt sich ein uneinheitliches Bild: So liegen Ruhrgebietsstädte wie Gelsenkirchen (39,7 Prozent) und Herne (40,7 Prozent) am unteren Ende der Tabelle. Mit Werten unter 45 Prozent sieht es in den meisten Kommunen an der Ruhr nicht viel besser aus, ebenso in den Kreisen Heinsberg, Krefeld und Kleve sowie der Städteregion Aachen.

Im Gegensatz dazu gehen im Kreis Herford 55 Prozent der Frauen einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach — ein Spitzenwert für NRW.

Auch in den Kreisen Minden-Lübbecke, Gütersloh, Mettmann, Lippe und im Rheinisch-Bergischen Kreis liegen die Werte leicht über dem Bundesdurchschnitt von 51,8 Prozent. Düsseldorf liegt allerdings mit 50,6 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Ostfrauen im Ländervergleich vorn

Im bundesweiten Vergleich haben die Frauen im Osten bei der Jobquote weiter die Nase vorn. Denn auch 25 Jahre nach dem Mauerfall gibt es auf dem Arbeitsmarkt große Unterschiede in Ost und West. Im Osten Deutschlands sind 57,9 Prozent der Frauen beschäftigt, im Westen durchschnittlich 50,9 Prozent. Dafür machen Forscher die Sozialisierung in der DDR verantwortlich. Zwar macht laut der Studie der Westen deutliche Fortschritte, aber die Kluft zwischen alten und neuen Bundesländern wird trotzdem nicht kleiner — im Gegenteil.

So sieht die Erwerbsquote von Frauen im bundesweiten Vergleich aus. Foto: Wegweiser Kommune
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Für die Studie verglichen die Forscher Zahlen der Jahre 2006 und 2012. Zwar hat demnach mehr als jede zweite Frau im Westen einen sozialversicherungspflichtigen Job. Die Quote stieg von 45,8 auf 50,9 Prozent. Dennoch wächst die Differenz zwischen Ost und West weiter an. Denn im Osten kletterte der Wert zugleich von 50,9 auf 57,9 Prozent.

Bundesweit liegt die Beschäftigungsquote der Frauen mit 51,8 Prozent immer noch deutlich hinter den Männern (59,2 Prozent). Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung bestätigt die Sicht der Berliner Forscherin Riedmüller. Die Professorin der Freien Universität Berlin ist Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktfragen. "Die Ost-Rollenbilder waren sehr lange egalitär geprägt — also beide Geschlechter in der Regel berufstätig. Im Westen ist dieses gleichberechtigte Doppelverdiener-Modell weniger stark verbreitet. Hier ist meist der Mann der Hauptverdiener", sagt Witte.

Rollenverteilung stärker bei Familien mit Kindern

Besonders bei Familien mit Kindern ist diese Rollenverteilung im Westen stärker ausgeprägt als im Osten. "In Westdeutschland steigen die Frauen aus, wenn sie ein Kind bekommen. Das kommt für Frauen in den neuen Bundesländern nicht infrage." Diese kulturelle Differenz werde sich noch lange halten, betont Riedmüller.

Riedmüller spricht hier von einem Leitbild zu Frau, Mutter und Geschlechterrolle, das es so nur im Westen der Bundesrepublik gebe. "Schauen Sie nach Frankreich. Dort kommt auch keine Frau auf die Idee, nicht arbeiten zu gehen. Und so war es auch in der DDR. Dort gab es die höchste Scheidungsrate der Welt, viele Paare lebten ohne Trauschein, eine gute Ausbildung, ein eigener Job und finanzielle Sicherheit war den Frauen in der DDR und den neuen Ländern immer schon sehr wichtig", sagt Riedmüller.

Während zum Beispiel in der Politik Frauen längst mächtig aufgeholt hätten, gelte das für die Arbeitswelt noch nicht. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss für Frauen deshalb auch im Westen weiter vorangetrieben werden. Und auch die Männer müssen stärker integriert werden", sagt die Professorin.

(dpa)