Große US-Studie zeigt Wann selbstfahrende Autos sicherer sind – und wann nicht

Düsseldorf · Eine neue Studie aus den USA hat Tausende Unfälle untersucht, an denen zum Teil auch automatisierte Fahrzeuge beteiligt waren. Ihre Ergebnisse zeigen, dass autonom fahrende Autos ein niedrigeres Unfallrisiko aufweisen. In einigen Situationen sind aber Menschen als Fahrer im Vorteil.

Autonome Fahrzeuge sind einer Studie zufolge sicherer als menschliche Fahrer – nicht aber in allen Situationen.

Autonome Fahrzeuge sind einer Studie zufolge sicherer als menschliche Fahrer – nicht aber in allen Situationen.

Foto: dpa/Christian Charisius

Im vergangenen Jahr sind bei Verkehrsunfällen in Deutschland mehr als 2800 Menschen gestorben. Das sind zwar deutlich weniger als in früheren Jahrzehnten. Aber: Im Schnitt verlieren pro Tag immer noch mehr als sieben Menschen bei einem Unfall im Straßenverkehr ihr Leben. Große Hoffnungen setzen manche in das autonome Fahren. Ihre These: Wenn menschliche Fehler, Ermüdung und Ablenkung keine Rolle mehr spielen, verringert das die Zahl von Unfällen und kann im Zweifel Leben retten. Aber stimmt das auch?

Eine neue Studie der US-Forscher Mohamed Abdel-Aty und Shengxuan Ding von der University of Central Florida hat genau diese Frage untersucht. Für ihre Arbeit, die im Fach-Journal „Nature Communications“ erschienen ist, haben die Wissenschaftler mehr als 37.000 Unfälle in Kalifornien ausgewertet, wo autonome Fahrzeuge schon länger erlaubt sind. An mehr als 2000 Unfällen waren hoch- oder teilautomatisierte Autos beteiligt. Die Ergebnisse zeigen, dass autonome oder teilautomatisierte Fahrzeuge insgesamt tatsächlich eine geringere Unfallwahrscheinlichkeit aufweisen.

Im Vorteil scheinen automatisierte Fahrsysteme unter anderem bei Auffahrunfällen zu sein. Hier entfielen 79 Prozent der Unfälle auf von Menschen gesteuerte Fahrzeuge. Und wenn autonome Fahrzeuge die Verursacher waren, fuhren sie in fast drei Viertel der Fälle (72 Prozent) nicht im automatisierten Modus – es war also ein Mensch verantwortlich. „Wir können daraus schließen, dass menschliche Fahrer im Vergleich zum autonomen Modus möglicherweise nicht so schnell reagieren oder das Objekt nicht rechtzeitig bemerken, um entsprechend zu reagieren“, merken Abdel-Aty und Ding an.

Wertvoll ist ein automatisiertes Fahrsystem offenbar auch bei Regen. So liege die Unfallwahrscheinlichkeit in diesem Szenario für ein hochautomatisiertes Fahrzeug nur bei rund einem Drittel derjenigen eines vom Menschen gesteuerten Gefährts, schreiben die Forscher. Sie erklären das unter anderem damit, dass Radarsensoren autonomen Fahrzeugen einen Weitblick von bis zu 150 Metern ermöglichen, während der Mensch bei schlechten Bedingungen wie dichtem Nebel mit einem Zehntel der Sichtweite auskommen muss.

Ein merklich höheres Unfallrisiko besteht bei autonomen Fahrzeugen allerdings in der Dämmerung und beim Abbiegen. In der Dämmerung, wenn sich die Lichtverhältnisse schnell verändern können, ist die Unfallwahrscheinlichkeit mehr als fünfmal so hoch, beim Abbiegen immer noch doppelt so hoch wie bei einem Fahrzeug, das von einem Menschen gesteuert wird. Trotzdem ziehen die Wissenschaftler ein positives Fazit bezüglich autonom fahrender Autos: Sie seien „in den meisten Szenarien sicherer“ als von Menschen gesteuerte Fahrzeuge.

Bei selbstfahrenden Autos unterscheidet man insgesamt fünf verschiedene Automatisierungsstufen. Beim ersten Level, dem assistierten Fahren, hilft unter anderem der Tempomat, die Geschwindigkeit konstant zu halten. Stufe zwei, das teilautomatisierte Fahren, kombiniert verschiedene Systeme, etwa die automatische Abstandsregel, das Spurhalten sowie das automatische Einparken. Diese beiden Stufen sind in modernen Fahrzeugen bereits Realität, die Verantwortung für Unfälle trägt bei ihnen der Fahrer. In Level drei, dem hochautomatisierte Fahren, kann das Auto für einen begrenzten Zeitraum ohne menschliche Unterstützung fahren. Entsprechende Staupiloten auf dem Niveau von Level drei gibt es mittlerweile in ersten Fahrzeugen von BMW und Mercedes.

Die Stufen vier, das vollautomatisierte Fahren, und fünf, das autonome Fahren, finden sich regulär noch nicht auf den Straßen. In Deutschland gilt seit einem Beschluss von Bundestag und Bundesrat im Jahr 2021 zwar, dass autonome Fahrzeuge ohne Fahrer am Steuer am Straßenverkehr teilnehmen können. Allerdings dürfen sie nur in vorab definierten Bereichen unterwegs sein.

(mit Material von dpa)