Düsseldorf: Stromtrassenbau verzögert sich

Düsseldorf: Stromtrassenbau verzögert sich

Der dringend notwendige Bau neuer Stromtrassen in Deutschland kommt nach Angaben der Bundesnetzagentur kaum voran. "Der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes muss dringend beschleunigt werden", forderte der Präsident der Behörde, Jochen Homann.

Die Netzagentur prüft regelmäßig, wie die bereits vor Jahren als vordringlich eingestuften Projekte vorankommen. "Danach gibt es bei der Mehrzahl der 24 Projekte, deren Notwendigkeit bereits vor der Energiewende festgestellt wurde, weiter teils deutliche Verzögerungen." Vor allem wegen des Ausbaus des Ökostroms müssen in Deutschland zahlreiche neue Leitungen gebaut werden.

Allein die Planungen dauern jedoch viele Jahre – auch weil sich in vielen Fällen Anwohner gegen die Trassen wehren. Schon vor der Energiewende hatte der Gesetzgeber im Jahr 2009 Projekten mit einer Länge von 1834 Kilometern besondere Priorität eingeräumt. Von diesen seien erst 214 Kilometer realisiert, erklärte die Behörde nun. Von den 24 Projekten seien nur zwei in Betrieb gegangen. Bei 15 Vorhaben komme es voraussichtlich zu einem Zeitverzug von einem bis zu fünf Jahren.

Die Bundesregierung will den Bau der Trassen mit einem neuen Gesetz und einem Bundesbedarfsplan beschleunigen. Durch die Energiewende werden zusätzlich viele neue Leitungen benötigt, etwa um den Ökostrom von den Windrädern im Norden zu den Verbrauchszentren in Westen und Süden der Republik zu transportieren. Die Netzbetreiber haben die Kosten in den kommenden zehn Jahren auf über 30 Milliarden Euro beziffert. Diese werden über den Strompreis auf die Verbraucher umgelegt.

Um Protesten von Bürgern entgegenzuwirken, wird die Bevölkerung seit dem vergangenen Jahr in die Planung von Stromtrassen miteinbezogen. Sie können Einfluss auf den Netzentwicklungsplan nehmen, der jährlich fortgeschrieben wird. Auf dessen Grundlage entscheidet die Regierung über den Bau von neuen Trassen.

(RP)
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