Berlin: Stromanbieter legen Kraftwerke still

Berlin: Stromanbieter legen Kraftwerke still

Bundesnetzagentur liegen Abschaltungsanzeigen für 49 Kraftwerksblöcke vor.

Die Energieversorger haben bei der Bundesnetzagentur die Stilllegung von bundesweit 49 Kraftwerksblöcken angezeigt. Das entspricht einer Leistung von 13 Gigawatt oder einem Sechstel des gesamten deutschen Strombedarfs. Für neun Kraftwerksblöcke in Süddeutschland untersagte die Behörde allerdings die beantragten Stilllegungen, weil die Netzagentur die Blöcke als "systemrelevant" einstuft. Die Regulierungsbehörde begründete ihr Veto damit, dass die Abschaltung der neun Blöcke in Heilbronn, Marbach und Ingolstadt die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg und Bayern gefährden könnte. Dort werden in den kommenden beiden Jahren mehrere Atomkraftwerke abgeschaltet.

Wegen des Zubaus von Ökostrom verlieren viele Kohle- und Gaskraftwerke ihre Rentabilität. Die Stromversorger wollen sie daher stilllegen - oder hoffen auf Kompensationen, die ihnen ein neues Gesetz 2015 bescheren soll. Geplant ist, die Versorger allein für die Bereithaltung ihrer Kraftwerke zu bezahlen.

Ein Blackout droht trotz der beantragten Stilllegungen jedoch selbst in kalten Wintern nicht, da ständig neue Kraftwerke gebaut werden. Zudem könne Deutschland bei Engpässen jederzeit Strom aus dem Ausland kaufen, so die Netzagentur. Deren Vize-Chef Peter Franke sagte: "Das hohe Niveau an Versorgungssicherheit in Deutschland wird auch in Zukunft gewährleistet sein." Auch Energie-Staatssekretär Rainer Baake betonte: "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist - insbesondere auch in den kommenden Wintern und in Zeiten hoher Nachfrage - gesichert." Die Bundesregierung habe mit dem Wintergesetz und der Reservekraftwerksverordnung rechtzeitig dafür gesorgt, "dass Versorgungssicherheit und Systemstabilität jederzeit gewährleistet" seien. "Derzeit bestehen Überkapazitäten, und es findet eine Marktbereinigung statt", so Baake.

Doch die Kraftwerksparte RWE Generation prüft derzeit die Schließung weiterer unrentabler Anlagen. "Wir können keine Kraftwerke dauerhaft weiter betreiben, die rote Zahlen schreiben", sagte Spartenchef Matthias Hartung. Der Konzern nimmt im Moment nicht mehr nur Gaskraftwerke, sondern auch die wesentlich rentableren Braunkohlekraftwerke ins Visier. Auch die Anlage in Grevenbroich-Frimmersdorf steht auf dem Prüfstand.

(mar)
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