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Ökostrom-Umlage steigt auf 6,2 Cent: Strom wird 2014 für Verbraucher teurer

Ökostrom-Umlage steigt auf 6,2 Cent : Strom wird 2014 für Verbraucher teurer

Die Ökostrom-Umlage steigt um knapp einen Cent auf gut 6,2 Cent pro Kilowattstunde. Ein Haushalt mit zwei Kinder n muss rund 75 Euro mehr zahlen. Auf die deutsche Stahlwirtschaft kommen 300 Millionen Euro Mehrkosten zu.

Verbraucher und Unternehmen müssen ab Januar mit Strompreiserhöhungen rechnen: Die im Strompreis enthaltene Umlage zur Förderung des Ökostroms ("EEG-Umlage") steigt um knapp einen Cent auf den Höchstwert von 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Das teilten gestern die verantwortlichen vier großen Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, Amprion, Tennet und 50Hertz mit. Die Erhöhung fällt geringer aus als noch vergangene Woche erwartet. Wegen weniger Sonnenstunden im September seien die Auszahlungen an Solarstromanbieter geringer ausgefallen, hieß es zur Begründung.

Ein Haushalt mit vier Personen und einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden muss also im kommenden Jahr zwischen 70 und 80 Euro mehr zahlen. Auf die eigentliche Ökostrom-Förderung entfallen davon etwa 39 Euro. Hinzu kommen aber noch die steigende Mehrwertsteuer sowie höhere Netzentgelte, so dass nach Berechnungen des Preisvergleichsportals Verivox mit 76 Euro mehr zu rechnen ist.

Zu den besonders betroffenen Wirtschaftszweigen gehört die ohnehin angeschlagene deutsche Stahlindustrie. "Der Anstieg der Umlage auf 6,24 Cent belastet jeden Arbeitsplatz der Branche mit 500 Euro", sagte Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. 70 Prozent des Stahl-Stroms ist zwar von der EEG-Umlage befreit. Aber auch die Belastung der verbleibenden 30 Prozent führt zu einer Mehrbelastung der Branche um 300 Millionen Euro pro Jahr. Der größte Anteil davon entfällt auf ThyssenKrupp.

Welcher Druck dadurch auf die Arbeitsplätze entsteht, zeigt der Vergleich mit den Unternehmensgewinnen: ThyssenKrupp hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres im gesamten europäischen Stahlgeschäft gerade einmal 33 Millionen Euro verdient (EBIT). So begründet die finnische Outokumpu, die die Edelstahl-Aktivitäten von ThyssenKrupp übernommen hat, die angekündigte Schließung ihres Edelstahlwerkes in Bochum unter anderem auch mit den hohen Strompreisen in Deutschland. Die deutschen Outokumpu-Standorte sind überhaupt nicht von der EEG-Umlage befreit, weil sie nicht als eigenständige Unternehmen gelten.

Die Ökostrom-Förderung ist im Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) festgelegt. Demnach erhalten Anbieter von Strom aus Wind, Sonne, Wasserkraft und Biomasse einen für 20 Jahre garantierten monatlichen Vergütungssatz. Die Vergütungssätze in den Jahren seit 2000 waren lange zu großzügig bemessen, erst spät hatte die schwarz-gelbe Koalition Kürzungen und die degressive Senkung der Sätze durchsetzen können. Die Kosten für den Ökostrom, die Verbraucher und Unternehmen zu tragen haben, summieren sich vor allem deshalb bereits auf mehr als 20 Milliarden Euro pro Jahr.

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Nicht alle Stromanbieter wollen im Januar ihre Preise erhöhen. Der baden-württembergische Anbieter EnBW erklärte, seine Preise für Haushaltsstrom blieben "bis weit ins Jahr 2014 stabil". Auch der größte deutsche Versorger Eon mit Sitz in Düsseldorf und der Konkurrent RWE in Essen versprachen ihren Kunden vorerst stabile Preise. Über die EEG-Umlage wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für einen Ökostrom-Anbieter und dem durchschnittlichen Preis an der Leipziger Strombörse ausgeglichen. Wegen des erfolgreichen Ausbaus der erneuerbaren Energien, die bereits ein gutes Viertel des deutschen Strombedarfs decken, ist der Börsenstrompreis drastisch gefallen. Mit dem Preisverfall wachsen diese Differenzkosten. Fast die Hälfte des Anstiegs der EEG-Umlage um knapp einen Cent entfällt daher auf diesen paradoxen Sondereffekt. Fachpolitiker wollen vor allem diesen Zusammenhang durchbrechen.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn forderte die Stromversorger auf, günstigere Einkaufspreise infolge des gesunkenen Börsenpreises an die Kunden weiterzugeben. "Die steigende Umlage muss am Ende des Jahres nicht zu höheren Strompreisen führen", sagte Höhn. Einen weiteren Grund für den Anstieg der Ökostrom-Umlage sehen Beobachter in den Industrierabatten. Dadurch wüchsen für Privathaushalte die Förderlasten. Mittlerweile zahlen mehr als 2000 angeblich energieintensive Unternehmen nicht voll für die Ökostrom-Umlage. Union, SPD und Grüne wollen die Zahl senken. NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) forderte, bei der Debatte neben den Preisen auch die Versorgungssicherheit im Blick zu behalten: "Beide Faktoren sind nicht nur für Privathaushalte essentiell, sondern auch für die industrielle Standortsicherung", so Duin.

(mar)