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Düsseldorf: Streik: Gestern Lufthansa, heute die Bahn

Düsseldorf : Streik: Gestern Lufthansa, heute die Bahn

Deutschland im Verkehrschaos: Die Lokführer wollen heute von sechs bis neun Uhr die Arbeit im Regional- und Fernverkehr niederlegen. Gestern traf der Pilotenstreik 25.000 Passagiere, die Lufthansa stellte 500 Feldbetten auf.

Pendler und Reisende hätten sich wohl kein ungünstigeres Wochenende für einen Flug oder eine Bahnfahrt aussuchen können. Gestern streikten die Lufthansa-Piloten, heute legen die Lokführer ihre Arbeit nieder. Ein Überblick.

Wo wollen die Lokführer streiken?

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) hat für heute von sechs bis neun Uhr zu einem Warnstreik aufgerufen. Da in der GDL 80 Prozent der Lokführer organisiert sind, ist mit einer großen Beteiligung zu rechnen. Zudem will die Gewerkschaft in allen Bereichen die Arbeit niederlegen. Betroffen sind Regional- und Fernzüge, S-Bahnen in Berlin und Hamburg sowie der Güterverkehr. Der Samstag ist zwar grundsätzlich der verkehrsärmste Tag bei der Bahn. Da jedoch die Ferien in Niedersachsen, Bremen, Bayern und Baden-Württemberg enden, ist mit mehr Andrang und entsprechenden Probleme zu rechnen.

Was tut die Bahn?

Die Bahn nannte den Streik "völlig irrational" und betonte, da die GDL bis gestern Abend keine genauen Informationen über die bestreikten Züge zur Verfügung stelle, könne man auch erst nach Streikbeginn über Ausfälle und mögliche Ersatzverkehre informieren. Das Unternehmen kündigte aber an, in den Zügen und auf Bahnhöfen mehrere hundert Mitarbeiter zur Verstärkung einzusetzen, vor allem beim Service-Personal, den Betriebszentralen und Transportleitungen und bei der Reisendeninformation.

Worum geht es den Lokführern?

Zum einen verlangt die GDL fünf Prozent mehr Gehalt bei einem Jahr Laufzeit. Zum anderen soll die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden auf 37 Stunden verkürzt werden. Die Deutsche Bahn hat bisher ein Lohnplus von 1,9 Prozent angeboten. Weiter kämpft die GDL darum, künftig auch für das übrige Personal wie Zugbegleiter verhandeln zu dürfen, was bisher die größere Gewerkschaft EVG übernommen hat. Die Bahn fordert als Bedingung für Verhandlungen über mehr Geld, dass beide Gewerkschaften zusammenarbeiten.

Welche Rechte haben die Kunden?

Die Deutsche Bahn bietet den betroffenen Fahrgästen an, dass sie ihre Fahrkarte und Reservierung kostenlos erstatten lassen können. Fahrgäste, die wegen des Streiks nicht wie geplant Zug fahren können, dürfen den nächsten - auch höherwertigen - Zug nutzen. Ab 60 Minuten Verspätung gibt es 25 Prozent des Fahrpreises zurück.

Welche Flüge fielen gestern aus?

Der Streikaufruf der Piloten-Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" (VC) betraf fast alle Kurz- und Mittelstreckenflüge der Lufthansa von und nach Frankfurt in der Zeit von 17 bis 23 Uhr. Damit fielen laut Lufthansa mehr als 200 Flüge aus, 25 000 Passagiere waren betroffen. Sie mussten umbuchen, mit der Bahn fahren oder die Nacht in Frankfurt verbringen. In Düsseldorf seien von 14 Flügen vier gestrichen worden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Per Pressemitteilung bedauerte die VC "mögliche Unannehmlichkeiten für die Kunden der Lufthansa".

Was tat die Lufthansa?

Für gestrandete Passagiere hatte die Lufthansa im Rhein-Main-Gebiet vorsorglich 2200 Hotelzimmer angemietet. Für Fluggäste, die aufgrund von fehlender Visa das Flughafen-Gelände nicht verlassen durften, standen rund 500 Feldbetten bereit. Annullierte Flüge konnten kostenlos auf andere Flüge oder auf die Bahn umgebucht werden.

Fliegt Lufthansa heute normal?

Der Airline zufolge schon. "Der Streik von Freitag habe keine Auswirkungen auf den Flugplan von Samstag, sagte eine Sprecherin. Lediglich sechs Flüge würden heute noch ausfallen, weil Maschinen nicht rechtzeitig zu ihrem Startpunkt zurückgekehrt seien.

Worum geht es den Piloten?

Die 5400 Piloten und Co-Piloten kämpfen für den Erhalt der üppigen Vorruhestands-Regelungen. Bisher können sie mit 55 Jahren für bis zu 60 Prozent der Bezüge in Rente gehen. Die Lufthansa will die Altersgrenze auf 61 Jahre erhöhen und die Piloten stärker an der Finanzierung beteiligen. Die Piloten-Gewerkschaft lehnt das ab. Sie kündigte an, dass es jederzeit zu weiteren Streiks kommen könnte.

(RP)