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Amsterdam: Stiftung blockiert Verkauf von KPN an Carlos Slim

Amsterdam : Stiftung blockiert Verkauf von KPN an Carlos Slim

Der reichste Mann der Welt muss bei der geplanten Milliarden-Übernahme des Telekom-Konzerns KPN einen Rückschlag hinnehmen. Die Niederländer fahren ihr schwerstes Geschütz auf, um den Telekom-Mogul Carlos Slim und seine Milliarden-Offerte für den E-Plus-Mutterkonzern auszubremsen – eine Stiftung, die über das Wohl des größten Telefon- und Handyanbieters im Nachbarland wacht und nun den Kauf blockiert. Slim droht damit, den Deal abzublasen, sollte die Stiftung bei ihrer harten Haltung bleiben.

Der zu Slims Firmenimperium gehörende Telekomkonzern America Móvil teilte gestern mit, man sei darauf vorbereitet, das Angebot über 7,2 Milliarden Euro für KPN wieder vom Tisch zu nehmen. Grundsätzlich werde aber an dem Plan, den niederländischen Konzern komplett zu schlucken, festgehalten. Slim hat bereits vier Milliarden Euro in die Firma gesteckt und hält knapp 30 Prozent der Anteile.

Der Fall könnte nun die Gerichte und Wettbewerbsbehörden beschäftigen. Es wäre nicht überraschend, wenn Slim die EU-Kommission anruft, um die Rechtmäßigkeit der Stiftung und ihres Vorgehens zu prüfen, sagte Analyst Imari Love vom Investmenthaus Morningstar: "Die Stiftung versucht, KPN weiter in niederländischen Händen zu halten, und setzt dafür eine Giftpille ein, die im Endeffekt die gleiche Wirkung hat wie eine Goldene Aktie. Und die ist illegal." Der Besitzer einer sogenannten Goldenen Aktie kann alle anderen Aktionäre eines Unternehmens überstimmen. Die EU ist bereits gegen diese Praxis vorgegangen.

Anleger reagierten verunsichert: Die KPN-Aktien verloren 4,5 Prozent auf 2,18 Euro – das ist weit unter den 2,40 Euro je Titel, die Slim bislang als Preis in Aussicht stellt.

(rtr)