Hamburg: Steuerfund: Blamage der Privatbank Coutts

Hamburg : Steuerfund: Blamage der Privatbank Coutts

In der Branche herrscht Kopfschütteln darüber, dass die Bank brisante Unterlagen per Schiff transportieren ließ.

Rund 15 Milliarden Euro an Kundenvermögen verwaltet die Schweizer Privatbank Coutts dem Vernehmen nach im Ausland. Dazu gehörten vermutlich bis zum Verkauf der Niederlassung auch jene Konten auf den Cayman Islands, aus denen jüngst Unterlagen im Hamburger Hafen sichergestellt worden sind. Dass die für die betroffenen Bankkunden hochbrisante Ladung des Frachtschiffs "EM Corfu" gefunden wurde, ist offenbar dem Zufall zu verdanken. Denn die Zollfahnder sollen eigentlich auf der Suche nach Drogen gewesen sein, die aus der Karibik häufiger über große Häfen den Weg zu Dealern und Kunden finden sollen. Andererseits arbeiteten Zollbeamte immer stärker mit Steuerfahndern zusammen, sagen Insider, weil unter anderem deutsche Steuerflüchtlinge dazu übergingen, ihr Geld in der Schweiz bar abzuheben und nach Deutschland zurückzubringen.

Der jüngste Fund könnte den Druck zur Selbstanzeige noch einmal verstärken. Vermutlich werde es Wochen oder gar Monate dauern, bis die Daten ausgewertet seien, hieß es gestern aus dem Umfeld der Steuerbehörden. Die Fahnder prüfen die Konten-Unterlagen nämlich nicht nur mit Blick auf mögliche Steuerstraftaten der betroffenen Kunden selbst, sondern wohl auch direkt darauf, ob Hinweise vorliegen, die einen begründeten Verdacht auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch die Bank liefern.

Dann wäre Coutts auch selbst in der Bredouille. Ohnehin hat der Ruf der Schweizer Gruppe, die eine Bilanzsumme von mehr als 20 Milliaden Franken hat und von der britischen Royal Bank of Scotland kontrolliert wird, seit dem Ankauf einer Steuer-CD durch nordrhein-westfälische Fahnder vor zwei Jahren extrem gelitten. Damals sollen die Fahnder etwa eine Million Euro für eine CD bezahlt haben, auf denen Daten von etwa 1000 deutschen Coutts-Kunden gespeichert sein sollen.

Jetzt schütteln Experten den Kopf darüber, dass die Bank hochbrisante Unterlagen ausgerechnet per Schiff aus Jamaika nach Genf transportieren ließ - wobei offenbar nicht ganz klar ist, warum das passiert ist. Während es an einer Stelle hieß, die Unterlagen hätten eigentlich geschreddert werden sollen und seien nur versehentlich in dem Container gelandet, sagte ein Sprecher der Bank laut "Welt am Sonntag", die Unterlagen hätten in eine Datenzentrale in der Schweiz gebracht werden sollen, nachdem die Niederlassung auf den Cayman Islands verkauft worden sei.

(RP)
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