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Essen: Steag - Reinfall für die Stadtwerke

Essen : Steag - Reinfall für die Stadtwerke

Der 2011 übernommene Stromversorger macht NRW-Stadtwerken wie Duisburg keine Freude. Der Steag-Gewinn ist dramatisch eingebrochen, die Aussicht trübe. Um die geforderte Dividende zahlen zu können, muss die Steag ihre Rücklagen angreifen. Hunderte Stellen werden gestrichen.

Die Befürchtungen bestätigen sich: Der Stromerzeuger Steag, bei dem NRW-Stadtwerke wie Duisburg, Oberhausen und Dinslaken eingestiegen sind, wird zum Problemfall. Der Gewinn des Essener Unternehmens brach von 204 Millionen im Jahr 2010 auf nur noch fünf Millionen Euro im Jahr 2011 ein. Steag-Chef Joachim Rumstadt begründet dies mit Abschreibungen auf den Kraftwerksneubau Walsum und Biomassekraftwerke. In Walsum hatte Steag schön billig bauen wollen. Inzwischen hat sich der dort verwendete Stahl als so minderwertig herausgestellt, dass er komplett ausgetauscht werden muss. Das kostet Zeit und Geld.

Obwohl die Steag kaum noch Geld verdient, beharren die Stadtwerke, die klammen Kommunen gehören, auf einer satten Dividende. Und so muss die Steag für 2011 rund 109 Millionen an sie ausschütten. Die Steag muss dafür die Rücklagen angreifen, räumte Rumstadt ein. Das Unternehmen greift also seine Substanz an.

Wo das Geld für die Investitionen in den Ökostrom herkommen soll, dessen Anteil Rumstadt auf 25 Prozent erhöhen will, bleibt schleierhaft. Ebenso, warum Rumstadt 2011 ein "gutes Jahr" für die Steag nennt. Die Lage ist immerhin so ernst, dass die Steag im Oktober den Abbau von 200 Arbeitsplätzen bis Ende 2013 angekündigt hat. Zudem könnten 400 Stellen gestrichen werden, wenn weitere Kraftwerks-Blöcke auslaufen.

Der Erwerb der Steag erweist sich als Fehlgriff der Kommunen. Der Konzern Evonik, der einst 100 Prozent an der Steag besessen hatte, hat dagegen ein gutes Geschäft gemacht. Zum März 2011 hatte Evonik 51 Prozent seiner Anteile für stolze 651 Millionen Euro an das Konsortium aus den Stadtwerken Duisburg, Dortmund, Essen, Oberhausen, Bochum und Dinslaken verkauft. Mehr noch: Laut Vertrag muss das Konsortium der Evonik bis 2016 auch die restlichen 49 Prozent für rund 600 Millionen Euro abnehmen. Dieses Paket können die Stadtwerke an einen Investor weiterreichen — wenn sie einen finden. Denn die Steag ist weniger attraktiv, als manche Landes- und Kommunalpolitiker dachten, die den Einstieg als große Chance für die Kommunen sahen, bei der Energiewende mitzumischen.

Zwar ist die Steag mit einer Kapazität von 9400 Megawatt der fünftgrößte Stromerzeuger in Deutschland. Doch der Hauptkunde war lange RWE, der inzwischen viele Verträge gekündigt hat. Zudem produziert die Steag viel Strom in älteren Kohlekraftwerken — und das wird ab 2013 richtig teuer: Dann müssen die Versorger teure Zertifikate kaufen, um das bei der Kohle-Verfeuerung entstehende Kohlendioxid emittieren zu können. "Das Ergebnis wird dadurch 2013 deutlich belastet", räumte Rumstadt ein. Schon für 2012 erwartet er einen deutlichen Gewinnrückgang. Womöglich wird er wieder in die Rücklagen greifen müssen, um die Dividendenwünsche zu befriedigen. Die Eigner erwarteten eine Dividende in ähnlicher Größenordnung, so Rumstadt.

Kleine Hoffnung: Die Steag könnte künftig der Deutschen Bahn mehr Strom verkaufen, wenn Konkurrent Eon sein Kraftwerk in Datteln nicht ans Netz bekommt, das eigentlich die Bahn beliefern sollte.

(RP)