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Starker Anstieg der Wertpapier-Geschäfte von Bafin-Mitarbeitern

Finanzskandal Wirecard : Starker Anstieg der Wertpapier-Geschäfte von Bafin-Mitarbeitern

Mitarbeiter der Frankfurter Finanzaufsichtsbehörde Bafin haben im ersten Halbjahr 2020 mehr eigene Wertpapiergeschäfte angezeigt als im gesamten Vorjahr. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Demnach meldeten 531 Bafin-Mitarbeiter für das erste Halbjahr 2020 insgesamt 8267 Wertpapiergeschäfte an. 2019 waren es dagegen nur 469 Mitarbeiter, die in 7883 Fällen mit Wertpapieren selbst handelten. Die Geschäfte der Mitarbeiter werden in der Behörde immer erst nachträglich überprüft, wie aus der Antwort hervorgeht. Kein einziges sei bisher verwehrt worden.

Bereits zuvor war bekannt geworden, dass im ersten Halbjahr 2020 auffällig viele Bafin-Mitarbeiter mit Papieren der Skandalfirma Wirecard jonglierten. In den ersten sechs Monaten 2020 wurden von 56 Bafin-Beschäftigten 196 Wirecard-Transaktionen angezeigt. 2019 waren es dagegen 137 Geschäfte von 41 Bafin-Beschäftigten. Der Zahlungsdienstleister Wirecard musste im Juni Insolvenz anmelden, nachdem er Luftbuchungen in der Bilanz von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt hatte. Der Finanzaufsicht Bafin werden Versäumnisse bei der Kontrolle von Wirecard vorgeworfen. Die Handelsgeschäfte von Bafin-Mitarbeitern mit Wirecard-Papieren werfen ein ungutes Licht auf die Behörde. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte angekündigt, die Möglichkeiten für eigene Geschäfte von Bafin-Mitarbeitern einzuschränken.

„Der massive Anstieg im ersten halben Jahr 2020 kann nur bedeuten, dass die Bafin-Mitarbeiter kurzfristig selbst mit Wirecard-Aktien gezockt haben oder es in 2019 nicht gemeldet haben. Beides wäre eine Skandal“, sagte der FDP-Politiker Frank Schäffler. „88 Prozent der Leerverkäufe sind im Mai und Juni getätigt worden, das zeigt das ganze Ausmaß der Problematik. Vor allem da kein Geschäft verwehrt wurde. Noch deutlicher kann die Bafin den laxen Umgang mit den Finanzgeschäften der eigenen Mitarbeiter nicht machen“, sagte Schäffler.