Frauen in der Immobilienwirtschaft: Starke Frauen, starkes Netzwerk

Frauen in der Immobilienwirtschaft : Starke Frauen, starkes Netzwerk

Der Verein Frauen in der Immobilienwirtschaft will ein Zeichen setzen in der von Männern dominierten Immobilienbranche. Mit Erfolg: 13 Regionalgruppen mit mehr als 1000 Mitgliedern gibt es bereits. Nicht nur sie profitieren voneinander, sondern auch die ganze Branche.

Wenn Bettina Timmler und Claudia Steinfort über ihre Arbeit bei den Immofrauen sprechen, spürt man ihre Begeisterung in jedem Satz. „Wir sind in den letzten Jahren immer sichtbarer geworden und unser Einfluss wächst immer weiter“, sagt Bettina Timmler. „Engagierte Frauen sind bei uns immer willkommen. Am besten einfach mal ausprobieren“, empfiehlt Claudia  Steinfort. Gemeinsam leiten die beiden die Regionalgruppe Rheinland eines Vereins, der tatsächlich immer mehr Beachtung in der Öffentlichkeit findet.

Der Verein Frauen in der  Immobilienwirtschaft, so sein offizieller Titel, wurde im Jahr 2000 von Ingeborg Warschke in Frankfurt am Main gegründet. „Sie war damals oft in den USA und hat sich mehrere Frauennetzwerke angeschaut. Es hat ihr gereicht, immer die einzige Frau unter Männern zu sein“, erzählt Timmler, die die PR-Agentur comm.pass in Köln leitet. Gemeinsam mit sieben weiteren Frauen fackelte sie nicht lange und rief den Verein ins Leben, um ihren Mitgliedern ein Forum für den Erfahrungs- und Wissensaustausch zu bieten und voneinander zu profitieren, ergänzt Claudia Steinfort, Verkaufsleiterin für Bauträgerimmobilien bei der Sparkassentochter S Corpus Immobilienmakler in Köln und in Bonn. Aus der Vision wurde eine Erfolgsgeschichte: Mittlerweile zählt der Verein 1035 Frauen, deutschlandweit sind 13 Regionalgruppen entstanden.

Längst sind die Immofrauen feste Gäste auf den beiden Fachmessen ExpoReal und
Mipim mit eigenem Programm. „Da bilden sich immer große Trauben von Menschen. Wir sind heute viel bekannter als noch vor fünf Jahren. Das macht uns stolz“, sagt Bettina Timmler. Auch die Politprominenz hat die Wirkmacht der Immofrauen erkannt. So war Ina Scharrenbach, Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, Ehrengast auf dem Sommerfest im vergangenen Jahr. In diesem Jahr übernahm die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker gleich die Schirmherrschaft und hielt auch eine Rede. „Das ist für uns eine enorme Wertschätzung und Anerkennung unseres langjährigen Engagements“, freut sich die Regionalleiterin, „und eine Bestätigung für unser Ziel, die Frauen in der Immobilienwirtschaft noch sichtbarer zu machen.“ Auf ihrem eigenen alljährlichen Bundeskongress Visionale, der gerade in Nürnberg zu Ende ging, treffen sich die Mitglieder aller Regionalgruppen, um aufs vergangene Jahr zu schauen und die nächsten Ziele abzustecken. Die Nachwuchsförderung steht da immer ganz oben auf der Liste, obwohl der schon längst weiß, wo es lang geht: „Gerade die Generation 20 Plus hat ein Wahnsinns-Selbstbewusstsein. Die jungen Frauen lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen.“ Die drei besten Akademikerinnen werden jedes Jahr mit dem Ingeborg Warschke-Nachwuchsförderungspreis ausgezeichnet. Nachwuchsführungskräfte wiederum können an einem speziellen Mentoring-Programm teilnehmen, das sie fit für die Führungsetagen machen soll.

„Wichtig ist uns, dass wir gegenseitig voneinander lernen und profitieren“, erklärt Claudia Steinfort. So ebnet das Netzwerk nicht nur den persönlichen Karriereweg, etwa weil durch die Kontakte neue Jobchancen entstehen. Auch die Unternehmen, in denen die Frauen arbeiten, haben Vorteile, bringen die doch zahlreiche interessante Kontakte mit und verfügen außerdem über ein gutes Standing in der Branche.

Anschließen können sich Frauen aus allen Bereichen der Branche: Egal ob Projektentwicklung, Architektur, Bau- und Ingenieurwesen, Finanzwesen, Makler, Immobilien- oder Rechtsberatung – bei den Immofrauen ist jede Frau willkommen, sie muss allerdings mit Herz und Leidenschaft netzwerken wollen. „Uns ist Qualität viel wichtiger als Quantität“, sagt Bettina Timmler. „Es kommt uns vor allem auf gegenseitiges Vertrauen an.“ Wer dem Netzwerk der Immofrauen beitreten will, kommt am besten zu den Business Lunches, die einmal im Monat im Wechsel im Wirtschaftsclub Düsseldorf und in Köln stattfinden, informiert Claudia Steinfort.

Die Aktivitäten sind übrigens auch jenseits von Messeauftritten, Business-Treffen, Mentoring-Kursen und Vereinsfesten erlebnisreich: So bekommt die Gruppe regelmäßig exklusive Einblicke in große Immobilienprojekte, wurde schon in Helm und Gummistiefel über den Kö-Bogen geführt – übrigens von Projektleiter Jürgen Mentzel höchstpersönlich, besichtigte das Dreischeibenhaus oder das Andreasquartier, oder besucht Moscheen, Opern und Museen. Als nächstes steht die Ausstellung „100 Jahre Bauhaus“ in Köln auf dem Programm.

Und wo liegen die großen Stärken der Frauen? „Wir sind Organisationstalente, hören besser zu, haben mehr Empathie und sind oft motivierter als die Männer“, stimmen beide Damen lachend überein. „Mit Frauen an der Spitze“, scherzt Bettina Timmler, „wäre die Lehmann-Pleite nie passiert“. Vermutlich hat sie Recht.