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Stahlkonzern Thyssenkrupp will wieder Milliardengewinne machen

Stellenabbau setzt sich fort, Aktie legt zu : Thyssenkrupp will wieder Milliardengewinne machen

Der Konzern hat inzwischen 7800 der angekündigten 12.000 Stellen abgebaut. Er prüft, die Stahlsparte in die Eigenständigkeit zu entlassen. Die Aktie legt zu. Vorstandschefin Merz spricht von einer Trendwende.

Der angeschlagene Industriekonzern Thyssenkrupp kehrt nach einem Milliardenverlust in die Spur zurück: Im laufenden Geschäftsjahr 2021/22 rechnet das Unternehmen mit einem Gewinn von mindestens einer Milliarde Euro. Dies wäre der höchste Überschuss seit 2008. Im abgelaufenen Jahr lag der Gewinn (Ebit) bei 796 Millionen Euro, unterm Strich stand nur noch ein kleines Minus von 25 Millionen Euro. Es soll aber erneut keine Dividende geben. Bei der Bilanzpressekonferenz gaben Konzernchefin Martina Merz und ihre Vorstandskollegen einen Überblick über die Lage des Unternehmens.

Stand beim Umbau „Nach gut zwei Jahren intensiver Transformation können wir heute sagen: Die Trendwende ist erkennbar, es geht in die richtige Richtung bei Thyssenkrupp. Trotzdem bleiben noch große Herausforderungen“, sagte Vorstandschefin Martina Merz. Zugleich betonte sie: „Die Pandemie hat uns aufgehalten, aber nicht zurückgeworfen.“ Das Wasserstoff-Geschäft könnte mit einem Minderheitsanteil an die Börse gebracht.

Zukunft der Stahlsparte Was aus der Keimzelle des Unternehmens wird, ist nicht nur wichtig für Tausende Mitarbeiter, sondern auch für die Zukunft des gesamten Konzerns. Immerhin fuhr die Sparte im abgelaufenen Jahr wieder einen Gewinn von 116 Millionen Euro ein. Im Vorjahr hatte sie noch mit einem Verlust von 820 Millionen Euro den ganzen Konzern belastet. Dämpfend wirkten die steigenden Rohstoffkosten sowie Einschränkungen in der Produktion wegen der Instandhaltung am Hochofen 1 in Duisburg.

Wie lange der Stahl noch zum Konzern gehört, ist offen: Denkbar ist eine teilweise oder komplette Trennung. Neben der Vorbereitung der üblichen Carve-out-Themen prüfe Thyssenkrupp im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, unter welchen Bedingungen der Stahlbereich in die Eigenständigkeit überführt werden könne, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg. Im Frühjahr werde man sich hierzu wieder äußern: „Es ist noch nichts entschieden.“ Der Umbau zu grünem Stahl sei eine Herkulesaufgabe, hier brauche man die Hilfe der Politik.

Stellenabbau Bis 2023/2024 will der Konzern, wie in der Vergangenheit bereits angekündigt, mehr als 12.000 Stellen abbauen. 7800 Stellen sind davon bereits entfallen. „Auch im größten Restrukturierungsprogramm in der Geschichte von Thyssenkrupp sind wir stets verantwortungsvoll und anständig mit unseren Mitarbeitenden umgegangen, das werden wir auch weiterhin tun“, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Viele Mitarbeiter seien in neue Beschäftigungsverhältnisse vermittelt worden. Allein die Stahlsparte Steel hat mehr als die Hälfte des bis 2026 vorgesehenen Abbaus von 3750 Stellen geschafft. Ein über diese Pläne hinausgehender Abbau sei nicht geplant, betonte der frühere IG-Metall-Chef. Zugleich sind bei Thyssenkrupp noch immer Mitarbeiter in Kurzarbeit. Es handele sich aber um weniger als 2000, so Oliver Burkhard. Auf dem Höhepunkt der Pandemie waren es 30.000, vor allem im Autobereich.

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Dividende Für 2020/2021 gehen die Aktionäre erneut leer aus. Der Konzern kann trotz der Lichtblicke weiter keine Dividende zahlen. Denn auch der Mittelabfluss setzte sich fort: Der negative Cash Flow sank zwar, aber er liegt noch immer bei 1,3 Milliarden Euro. „Wir wollen den Mittelabfluss stoppen“, sagte Finanzvorstand Keysberg. Denn sonst sind die Milliarden, die der Konzern aus dem Verkauf der Aufzugsparte gewonnen hat, schnell wieder weg. Den Anlegern gefielen die aktuellen Zahlen trotzdem: Die Aktie legte zeitweise um über vier Prozent auf 10,60 Euro zu. Vorstandschefin Martina Merz machte Anlegern auch für die Zukunft Hoffnung: „Wir wollen für das laufende Geschäftsjahr wieder eine Dividende auszahlen.“