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Staatshilfe für Galeria Karstadt Kaufhof

Warenhauskonzern : Staatshilfe für Galeria Karstadt Kaufhof

Ein 460-Millionen-Euro-Darlehen soll den angeschlagenen Warenhauskonzern durch die Corona-Pandemie bringen. Aus Sicht der Politik ist das Essener Unternehmen wichtig für die Innenstädte.

Seit vielen Jahren sind die Betreiber von Warenhäusern in Deutschland vor allem mit Krisenmanagement beschäftigt. Karstadt schrammte schon zu Zeiten, als die Kette noch zum Reich der Arcandor-Gruppe gehörte, nur knapp an der Insolvenz vorbei. Galeria Kaufhof, viele Jahre ein Teil des Metro-Imperiums, schien lange Zeit besser zu funktionieren, doch das ist auch schon eine Weile her. Die Übernahme durch die kanadische Hudson’s Bay war 2015 der Einstieg in den Abstieg.

Nun sind beide, Karstadt und Kaufhof, unter einem Dach vereint, aber durchgreifende Besserung ist nicht in Sicht. Im vergangenen Jahr musste Galeria Karstadt Kaufhof ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchlaufen. Danach sollte ein Neuananfang erfolgen, doch der zweite Lockdown im Winter machte alle Hoffnungen zunichte, weil die Kaufhäuser wieder schließen mussten. Der Umsatz ging stark zurück; übrig blieben auch beim Warenhauskonzern die Erlöse aus dem Onlinegeschäft mit Abholung durch den Kunden oder Belieferung nach Hause.

Nun wird der Staat dem Konzern helfen. Die Bundesregierung will nach Informationen unserer Redaktion Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Darlehen in Höhe von bis zu 460 Millionen Euro unterstützen. Das hat demnach der Ausschuss des Wirtschaftsstabilisierungsfonds beschlossen. In dem Gremium sitzen Vertreter mehrerer Ministerien. Wirtschafts- und Bundesfinanzministerium hatten sich zuvor auf die Stabilisierungsmaßnahme verständigt. Mithilfe staatlicher Unterstützung werde es einfacher für das Unternehmen sein, zusätzliche private Kredite zu erhalten, hieß es aus Regierungskreisen.

2020 sollte die Commerzbank dem Handelskonzern zusätzlich Kredit geben. Doch die soll nicht bereit gewesen sein, die von ihr geforderten zehn Prozent des Ausfallrisikos zu tragen. Der Deal platzte, Galeria Karstadt Kaufhof flüchtete ins Schutzschirmverfahren. Ende September wurde das Insolvenzverfahren abgeschlossen, mehr als 40 Filialen sollten geschlossen rund 4000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Und es wurden mehr als zwei Milliarden Euro Schulden erlassen. 

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Jetzt also Hilfen aus dem Stabilisierungsfonds, deren Gewährung die Bundesregierung an klare Bedingungen geknüpft hat: keine Boni für Manager, keine anderen „variablen oder vergleichbaren Vergütungsbestandteile“, keine Sonderzahlungen in Form von Aktienpaketen, keine Dividenden oder sonstigen Gewinnausschüttungen. Dass der Warenhauskonzern mit Hilfen aus diesem Fonds, aus dem schon die milliardenschweren Rettungspakete für die Lufthansa und den Reisekonzern Tui geschnürt wurden, gestützt wird – dafür hatte sich sogar Josef Sanktjohanser, der Präsident des Branchenverbands HDE, starkgemacht. Als „wichtigsten Anker und Besuchermagnet und systemrelevant für die Zukunft der deutschen Innenstädte“ hat der ehemalige Rewe-Manager das Essener Unternehmen bezeichnet und dabei gleich noch einmal auf etwa 80.000 Arbeitsplätze in Deutschland verwiesen, die irgendwie mit Galeria Karstadt Kaufhof verbunden sind, im Unternehmen, bei Lieferanten, IT-Dienstleistern und anderen.

Dass die Warenhäuser einst ein Magnet für Kunden in den Stadtzentren waren, sei unwidersprochen, gilt aber längst nicht mehr für jeden Standort. Dass der Konzern mitunter bei Staatshilfen schon durchs Raster gefallen ist und auch jetzt wegen seines Umsatzes von mehr als 500 Millionen Euro keine Überbrückungshilfe III beantragen konnte, kommt erschwerend hinzu. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Galeria Karstadt Kaufhof und seine beiden Vorläuferunternehmen schon lange vor dem Ausbruch der Pandemie schwer Schlagseite hatten.

Insofern, so heißt es, sei auch manches kleinere Unternehmen im Verband verschnupft darüber, wie sehr sich sein oberster Repräsentant Sanktjohanser für den krisengeschüttelten Riesen aus dem Ruhrgebiet ins Zeug lege. Auch wenn allen klar ist, dass große Unternehmen weitaus stärkere volkswirtschaftliche Verwerfungen auslösen können als kleine Händler.