1. Wirtschaft

Berlin/Bonn: Staatliche Unternehmen tun sich schwer mit Frauen

Berlin/Bonn : Staatliche Unternehmen tun sich schwer mit Frauen

Die Frauenquote in Chefetagen staatlicher Konzerne bleibt niedrig. Gestern legte Post-Vorstand Titzrath ihr Amt nieder.

Frauen sind auch in den Chefetagen der staatlichen Unternehmen deutlich unterrepräsentiert. Der Anteil von Frauen in den Aufsichtsräten der Unternehmen von Bund, Ländern und Gemeinden liegt aktuell bei 25,1 Prozent, wie aus einer gestern von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgestellten Studie hervorgeht. Bei Unternehmen mit Bundesbeteiligung - etwa der Bahn, der Post, der Bundesdruckerei oder der Flugsicherung - sei nur jedes fünfte Aufsichtsratsmandat mit einer Frau besetzt. In Vorständen und Geschäftsführungen erreiche der Frauenanteil dort nur 13,9 Prozent. Schwesig kündigte an, den Druck auf Unternehmen mit staatlicher Beteiligung erhöhen zu wollen: "Man kann nicht der Wirtschaft Dinge abverlangen, die der öffentliche Bereich selbst nicht einhält. Schwesig hatte mit Justizminister Heiko Maas (SPD) den Gesetzentwurf zur Einführung einer Frauenquote unlängst vorgelegt. Demnach sollen 110 große Unternehmen ihre Aufsichtsräte ab 2016 so lange mit Frauen besetzen, bis die Quote von 30 Prozent erreicht ist.

Die Initiative "Fidar - Frauen in die Aufsichtsräte" hatte im Auftrag Schwesigs 225 öffentliche Unternehmen untersucht. Der Frauenanteil in den Spitzenjobs der Staatsfirmen liegt demnach kaum höher als in den privaten Dax-Unternehmen. Die Ministerin will nun den Druck auf Unternehmen wie die Bahn erhöhen. Dort ist jeweils nur eine Frau im Aufsichtsrat und im Vorstand zu finden.

Bei der Post legte gestern Vorstandsmitglied Angela Titzrath überraschend ihr Amt als Personalvorstand nieder. Sie scheide aus "persönlichen Gründen" aus, teilte die Post knapp mit. Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann dankte der Managerin für ihre Arbeit, Post-Chef Frank Appel äußerte sich nicht. Die ehemalige Daimler-Managerin Titzrath war erst im Mai 2012 in den Vorstand des Bonner Konzerns aufgerückt - eigentlich sollte sie bis April 2015 bleiben und erhält nun eine Abfindung.

Titzrath ist die dritte Frau innerhalb kurzer Zeit, die ihren Posten als Dax-Personalvorstand räumt. Erst im April war bekanntgeworden, dass Elke Strathmann (Continental) und Marion Schick (Deutsche Telekom) beide ihr Amt als Personalvorstand aufgeben. Nach dem Ausscheiden von Angela Titzrath ist der Post-Vorstand nun wieder rein männlich.

  • Heinz-Peter Wohlmann am Briefkasten am Neuenhausplatz,
    Briefkasten-Leerung in Erkrath : Ärger über die Post in Unterfeldhaus
  • Stadtkongress in Grevenbroich : Niclas Bier zum neuen Chef der Jungen Liberalen gewählt
  • Das Grundstück neben der neuen Feuer-
    Bauvorhaben in Grevenbroich : Hier baut die Post ihr neues Domizil

Wegen der bevorstehenden Frauen-Quote hatten die Dax-Konzerne in den vergangenen Jahren verstärkt Frauen in die Vorstände geholt. Doch wie Titzrath erging es auch anderen Spitzenfrauen in der Wirtschaft. Ein weiteres prominentes Beispiel ist Brigitte Ederer. Die 57-Jährige war Personalvorstand bei Siemens. Ende September 2013 folgte ihr Rauswurf. Ederer hatte sich geweigert, den Arbeitsvertrag des Betriebsratschefs über das 65. Lebensjahr hinaus zu verlängern. Auch ihre Siemens-Vorstandskollegin Barbara Kux musste gehen - angeblich weil Siemens keinen Vorstand für Einkauf mehr benötigte.

Bei Eon verließ Ende Juni 2013 Regine Stachelhaus den Vorstand. Beim Softwarekonzern SAP hielt es Angelika Dammann ein Jahr im Vorstand aus, bevor sie im August 2011 hinwarf.

(mar)