Stockholm/Düsseldorf: Spotify geht an die Börse

Stockholm/Düsseldorf: Spotify geht an die Börse

Der schwedische Musik-Streaming-Dienst hat Millionen Nutzer, machte im vergangenen Jahr aber Milliarden-Verluste. Trotzdem will das Unternehmen nun an die Börse. Vor nicht mal einem Jahr klang das noch ganz anders.

Dass Spotify an die Börse geht, "ist völlig aus der Luft gegriffen", sagte Spotify-Mitgründer Martin Lorentzon noch im Juni 2017 zu entsprechenden Mediengerüchten. Nun, neun Monate später, die Kehrtwende. Der weltgrößte Musik-Streaming-Dienst aus Schweden hat den Gang an die New Yorker Börse beantragt. Wann die Spotify-Aktien auf den Markt kommen, ist jedoch noch unklar. Das "Wall Street Journal" rechnet mit Ende diesen Monats. Investoren hoffen nun auf eine ähnlich rasante Erfolgsgeschichte wie beim Börsengang vom Video-Streaming-Dienst Netflix.

Bis dahin bleiben aber einige große Fragezeichen. Spotify hat mit einer Direktnotierung einen ungewöhnlichen Weg an die Börse gewählt. Statt Banken damit zu beauftragen, schon vorab Käufer zu finden und so einen Marktpreis vorzubereiten, bietet Spotify die Aktien direkt an. Weil Bankgebühren wegfallen, ist das billiger. Der Ausgabepreis der Aktie bleibt aber unklar.

Geplant ist, dass Spotify nur bereits bestehende Firmenanteile verkauft. Die Ausgabe von brandneuen Aktien ist zunächst nicht vorgesehen. Im Börsenantrag schreibt Spotify, dass die Aktien vom 1. Januar bis 22. Februar außerhalb der Börse zwischen 90 und 132,50 Dollar pro Stück verkauft wurden. Damit würde Spotify einen Börsenwert zwischen 15,9 und 23,4 Milliarden Dollar erreichen.

Je nach Kaufverhalten könnte der Aktienkurs am ersten Verkaufstag aber auch viel höher oder niedriger ausfallen. Das hängt auch davon ab, wie viele Aktien die bisherigen Eigentümer zum Verkauf anbieten wollen. Gründer Daniel Ek hielt am 22. Februar 23,8 Prozent, Mitgründer Lorentzon 12,4 Prozent. Von den drei großen Musikfirmen hält Sony Music den größten Anteil mit 5,4 Prozent an Spotify.

Das Risiko für Anleger ist schwer abzuschätzen. Denn der Dienst ist zwar Marktführer, aber derzeit noch stark defizitär. Spotify kommt nach eigenen Angaben zwar auf insgesamt mehr als 140 Millionen Nutzer im Monat, von denen rund die Hälfte jedoch eine Gratisversion mit Werbung nutzen. Das könnte für Spotify zum Problem werden. Denn der Dienst kommt trotz zweistelliger Wachstumsraten seit Jahren nicht aus den roten Zahlen. Allein im vergangenen Jahr betrug der Gesamtverlust mehr als eine Milliarde Euro. Hinter dem Börsengang dürfte somit vor allem das Ziel stehen, das eigene Überleben zu sichern.

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Denn das Problem bei der Plattform-Ökonomie ist, dass die großen Gewinne erst dann sprudeln, wenn man ein Quasi-Monopol errichtet hat - so wie Facebook beispielsweise bei den Sozialen Netzwerken. Der 2006 gegründete Streaming-Dienst hat jedoch mit Apple Music, Google Play und ähnlichen Anbietern harte und finanzkräftige Konkurrenz.

Branchenpionier Spotify war mit 71 Millionen zahlenden Kunden Ende 2017 zwar der größte Streaming-Anbieter der Welt. Doch Apple Music kommt bereits auf 36 Millionen Abonnenten und erreichte damit in nur drei Jahren 50 Prozent des Kundenstamms, den Spotify mühsam in zehn Jahren aufbaute.

Der Streaming-Dienst könnte mit dem Börsengang somit versuchen, über einen hohen Aktienkurs an frisches Geld kommen, um das Wachstum weiter zu beschleunigen.

Denn die Anbieter konkurrieren auf einem der am schnellsten wachsenden Märkte. Allein in Deutschland wurden 2017 laut Bundesverband der Musikindustrie rund 550 Millionen Euro durch Musik-Streaming umgesetzt. Ein Plus von 42,8 Prozent zum Vorjahr.

Trotzdem rechnen Branchen-Experten damit, dass langfristig die Preise für ein Spotify-Abo steigen müssen, will man schwarze Zahlen schreiben - worauf künftige Aktionäre Wert legen dürften.

(RP)