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Sparprogramm: Der teure Umbau der Deutschen Bank

Probleme beim größten deutschen Bankhaus : Der teure Umbau der Deutschen Bank

Die Börse reagierte am Montag mit einem Minus von fast sechs Prozent auf die neuen Nachrichten. Die Bank arbeitet weiter Altlasten ab und sieht 2014 noch keine durchgreifende Besserung. Das Sparprogramm soll sich erst 2015 auszahlen.

Deutlich mehr als zwei Milliarden Euro hat die Deutsche Bank im vergangenen Jahr ausgegeben, um Rechtsstreitigkeiten in mehreren Fällen zu den Akten legen zu können. Doch damit ist offenbar erst die Hälfte der juristischen Probleme wirklich erledigt. Denn immer noch stehen etwa 2,3 Milliarden Euro an Rückstellungen in der Konzernrechnung — für Altlasten wie die Dauerfehde mit den Kirch-Erben, Ermittlungen wegen umstrittener Zins- und Devisengeschäfte und mögliche Strafen wegen des Verdachts auf Steuerbetrug gegen einzelne Mitarbeiter.

Ein Riesenberg und einer von mehreren Gründen dafür, warum die Deutsche Bank im letzten Quartal 2013 einen Milliardenverlust verkraften musste und warum sie mit einem Nettogewinn von gut einer Milliarde Euro so deutlich unter den Erwartungen der Analysten geblieben ist. Wenn auf ein solches Zahlenwerk dann noch eine extrem zurückhaltende Prognose für das gerade begonnene Jahr folgt, reagieren die Börsianer frustriert. Der Aktienkurs stürzte gestern um beinahe sechs Prozent ab, weil die Konzernchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor einem "schwierigen Jahr 2014" warnten und eine deutliche Verbesserung der Unternehmens-Kennziffern erst für das Folgejahr in Aussicht stellen.

Dass die Unternehmensführung am Sonntagabend die ersten Details zum Zahlenwerk 2013 schon elf Tage vor der Bilanzpressekonferenz veröffentlich hat, kam überraschend. Die Bank indes hatte gar keine andere Wahl, weil das, was sie zu verkünden hatte, kursbeeinflussendenden Neuigkeitswert hatte, und in solchen Fällen ist ein Unternehmen nach dem Aktiengesetz verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Zahlen zu informieren.

Die Deutsche Bank ist im Durchgangsstadium. Sie arbeitet immer noch Altlasten ab, sie hat einen Milliardenbetrag in das 2012 nach dem Amtsantritt von Jain und Fitschen gestartete Strategieprogramm "2015+" gesteckt, zu dem auch der Abbau von Bilanzrisiken gehört, und sie will sich in Sachen Eigenkapital noch fitter machen für die Zukunft. Das kostet Zeit und Geld. Die Bank will mit einem Aufwand von rund vier Milliarden Euro ab 2015 jährlich Kosten in Höhe von 4,5 Milliarden Euro sparen. Ob unter solchen Vorzeichen die 2012er-Dividende von 75 Cent je Anteilsschein auch für das vergangene Jahr aufrechterhalten wird, ist noch offen. Der Konzern hat im vergangenen Jahr zwar kräftig an der Kapitalbasis gearbeitet — damals lag die harte Kernkapitalquote nach den schärferen Basel-III-Kriterien bei acht Prozent — aber von den selbst verordneten zehn Prozent ist die Bank noch ein paar Zehntel entfernt.

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Ob es nun 75 Cent je Aktie werden oder weniger — die Bank verlangt ihren Anteilseignern im Rahmen der 2012 gestarteten Drei-Jahres-Planung Geduld ab. Zwölf Prozent Kapitalrendite nach Steuern hat sie ihnen versprochen. Aber dann darf nicht ausgerechnet das Investmentbanking und hier vor allem der Handel mit Anleihen schwächeln, der lange ein sicherer Ertragsbringer war. In dem Feld hat die Deutsche Bank ausgerechnet auf das Pferd gesetzt, das wegen der niedrigen Zinsen derzeit kaum Erträge abwirft. Gerade mal 95 Millionen Euro hat das Investmentbanking im vierten Quartal verdient, viel zu wenig für die Ansprüche der Deutschen Bank, die mit ansehen muss, wie die amerikanische Konkurrenz schon wieder das große Rad dreht und viel Geld scheffelt.

(RP)