Sparpläne beflügeln Deutsche-Bank-Aktie

Finanzwesen : Sparpläne beflügeln Deutsche-Bank-Aktie

Die Anleger goutieren, dass Vorstandschef Christian Sewing massiv auf Einsparungen setzt. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ könnten 20.000 Stellen weltweit wegfallen. Noch hält sich das Management bedeckt.

Berichte über einen massiven Stellenabbau bei der Deutschen Bank haben der Aktie zum Wochenstart ordentlich Rückenwind gegeben. Der Kurs stieg zeitweise um  3,5 Prozent. Ende vergangener Woche hatte das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider berichtet, die Deutsche Bank  wolle etwa 20.000 Stellen im Konzern streichen – das wäre mehr als jede fünfte. Schon 2018 hatte die Deutsche Bank den Rotstift angesetzt und die Zahl der Mitarbeiter um rund 7000 reduziert. Doch Beobachter meinen, dass es damit noch lange nicht getan sein dürfte. „Wir sehen ja, dass die Kostenquote der Bank viel zu hoch ist, das ist ein Dauerthema“, sagt der Rechtsanwalt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Klaus Nieding. „Insofern überrascht die Zahl nicht, sie stand im Grunde genommen immer mal wieder im Raum.“ Zuletzt während Gesprächen über eine mögliche Fusion mit der Commerzbank.

Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten fallen die Gewinne bei der Deutschen Bank – nach herben Verlusten in den vergangenen Jahren – noch immer spärlich aus. Deswegen muss die Bank ihre Kosten senken und plant einen radikalen Umbau. Unter anderem im Investmentbanking wollen die Deutsch-Bänker massiv sparen, auch das hatte Sewing bereits angekündigt. Die einstige Gewinnmaschine der Bank hat zum Jahresbeginn einmal mehr einen Verlust geschrieben.

Die Deutsche Bank wollte die neuen Spekulationen nicht kommentieren. Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wollte nicht Stellung nehmen. Details gab es allerdings zur Eingliederung der Postbank. Diese wird rund 1300 weitere Stellen kosten. Auf diese Größenordnung im Bereich Operations einigte sich das Management mit Betriebsräten und Gewerkschaften, wie beide Seiten bekannt gaben. Zu dem Bereich gehören Kontoservice, Kreditabwicklung und ähnliche Verwaltungstätigkeiten.

Die meisten Experten rechnen damit, dass sich Konzernchef Christian Sewing in naher Zukunft konkreter zur Strategie äußert – oder äußern muss. „Kosteneinsparungen und Personalabbau sind das eine, man muss gleichzeitig aber auch eine überzeugende Strategie vorweisen können, wo die Bank in Zukunft ihr Geld verdienen wird“, mahnt Klaus Nieding. „Wenn wir uns den Aktienkursverlauf ansehen, dann ist der Kapitalmarkt noch nicht so richtig überzeugt von der bisherigen Strategie – Gesundschrumpfen alleine reicht nicht aus.“

Bisher ist nur die grobe Richtung bekannt, in die der seit gut einem Jahr amtierende Christian Sewing die Bank lenken will. So will das Institut etwa den Aktienhandel in den USA stark verkleinern, auch Zinshandelsgeschäfte außerhalb Europa sollen schrumpfen – alles Rotstift-Maßnahmen im Investmentbanking. Zudem gibt es offenbar Überlegungen, in einer Bad Bank Geschäfte auszulagern, die mit Risiken behaftet sind. Schließlich könnte es bald wieder Veränderungen im Vorstand der Bank geben. So wackeln Beobachtern zu Folge mindestens die Stühle des Investmentbank-Vorstandes Garth Ritchie und der der Compliance-Vorständin Sylvie Matherat. Rücktrittsgerüchte gab es jüngst auch rund um den Finanzvorstand, James von Moltke.

Ausbauen will die Bank etwa das Geschäft mit vermögenden Kunden oder das „Transaction Banking“, also den Bereich Zahlungsverkehr oder Wertpapierdienstleistungen für ihre Kunden. Diesen Geschäftsberiech nannte Sewing auf der Hauptversammlung sogar das Herzstück der Bank. Dennoch bleibt neben derartigen Bemerkungen nach wie vor offen, wie die Deutsche Bank künftig in der internationalen Konkurrenz mithalten kann. mit dpa

Mehr von RP ONLINE