Sparkassen-Präsidentin fordert Sparkassen-Zentralbank

Gemeinsames Spitzeninstitut : Sparkassen-Präsidentin fordert rasche Fusion

Liane Buchholz will beim Sparkassentag in Hamburg für ein gemeinsames Spitzeninstitut werben.

Die Sparkassen im Münsterland und in Westfalen machen Druck bei der angedachten Bildung eines Spitzeninstituts für alle deutschen Sparkassen. „Unsere Organisation braucht ein derartiges Institut, der Kosten- und der Ertragsdruck sind enorm hoch“, sagte Liane Buchholz, Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen/Lippe (WLSGV), unserer Redaktion vor Beginn des Sparkassentags in Hamburg. „Wir brauchen ein Zielfoto, auf das wir schrittweise zusteuern können“, forderte Buchholz. Eine solche Zentralbank könnte nach ihren Vorstellungen beispielsweise den Zahlungsverkehr für die Sparkassen abwickeln und als deren Vermögensverwalter arbeiten. Mit einem neuen Spitzeninstitut könnte aus Sicht der Verbandschefin ein im europäischen Maßstab bedeutender Asset-Manager geschaffen werden. Das neue Unternehmen würde durch Konsolidierung Synergien im Asset-Management heben, so Buchholz.

Sie denkt in einem ersten Schritt an eine Zusammenlegung der Institute, an denen die Sparkassen respektive ihre Interessenverbände ohnehin schon mindestens die Mehrheit der Anteile halten – also die Landesbank Hessen-Thüringen, die direkt und indirekt zu etwa 88 Prozent im Sparkassen-Eigentum ist (rund acht Prozent liegen beim Land Hessen, etwa vier Prozent beim Freistaat Thüringen), die Landesbank Berlin Holding AG mit der Landesbank Berlin/Berliner Sparkasse und der Berlin Hyp und die Fondsgesellschaft Deka, deren Anteile sich auf die regionalen Sparkassenverbände in Deutschland und die Landesbank Berlin verteilen. Die Politik soll dabei möglichst aus dem Spiel bleiben: „Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann ein Spitzeninstitut, das zu 100 Prozent den Sparkassen gehört.“ Was man brauche, sei ein eigeständiges Geschäftsmodell für eine eigene Zentralbank; das könne bis Herbst fertig sein, wenn sich die beteiligten Eigentümer und Gewährträger der Institute einig seien. Buchholz will dafür beim Sparkassentag werben.

Die Fusion aller deutschen Landesbanken wird seit geraumer Zeit diskutiert, scheitert aber derzeit vor allem am Widerstand der Länder Bayern und Baden-Württemberg, die ihre Mehrheit an der BayernLB und der LBBW nicht aufgeben wollen. Zudem birgt die NordLB aus Sicht mehrerer Beteiligter große Risiken; derzeit prüft die EU-Kommission, ob milliardenschwere Finanzspritzen der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Sparkassen keine unerlaubte Beihilfe darstellen. In Bankenkreisen geht bereits das Gerücht um, der NordLB könnte das gleiche Schicksal drohen wie der WestLB, die 2012 zerschlagen wurde.

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