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Bonn/Frankfurt/M.: Solarworld bekommt eine letzte Chance

Bonn/Frankfurt/M. : Solarworld bekommt eine letzte Chance

Die Gläubiger des angeschlagenen Bonner Konzerns beißen in den sauren Apfel: Sie folgen Solarworld-Gründer Frank Asbeck bei seinem Rettungskonzept und verzichten auf viel Geld. Doch gerettet ist der Konzern damit noch nicht.

Die erste Hürde ist genommen, doch der Weg zur Rettung ist für den schwer angeschlagenen Solarkonzern Solarworld immer noch ein weiter. Aber immerhin kann Konzernchef Frank Asbeck erst einmal durchatmen. Die Gläubiger einer 150 Millionen Euro schweren Anleihe haben gestern im Bonner "Wasserwerk" zugestimmt, auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen gegen Solarworld zu verzichten. Den Rest wollen sie in Aktien wandeln. Die Insolvenz ist damit ein klein wenig unwahrscheinlicher geworden. Offiziell stimmten 99,96 Prozent der Stimmrechte-Inhaber zu. 75 Prozent hätten gereicht.

Heute folgt schon die nächste Zitterpartie. Die Gläubiger einer 400 Millionen Euro umfassenden Anleihe sollen ebenfalls einem massiven Verzicht zustimmen und zugleich Aktionär werden. Morgen müssten dann noch die Altaktionäre beschließen, auf 95 Prozent ihres einstigen Eigentums zu verzichten. Eine Hauptversammlung soll einen "Kapitalschnitt" für die bisherigen Aktionäre beschließen und dann neue Aktien schaffen für die bisherigen Anleihe-Gläubiger. Erst dann wäre der Weg frei für eine Solarworld-Rettung.

Stimmen die Altaktionäre zu, vollziehen sie nach, was an der Börse schon lange Wirklichkeit ist. In den vergangenen fünf Jahren ist der Kurs der Solarworld-Aktie von mehr als 36 Euro auf gestern rund 70 Cent eingebrochen (was wiederum 30 Prozent mehr waren als vorigen Freitag). Und die Anleihen des Unternehmens notierten zuletzt bei etwa 30 Prozent des ursprünglichen Wertes, 70 Prozent sind geschwunden.

Der Gründer und Großaktionär des Unternehmens, Frank Asbeck (vor fast 35 Jahren mit Petra Kelly, Gerd Bastians, Michael Vesper und anderen auch Mitgründer der ersten "Grünen"-Landesgruppe), hat jedenfalls bis jetzt Recht behalten: "Ich bin sicher, dass wir die Zustimmung der Anleihegläubiger zu unserem Restrukturierungskonzept erreichen werden", hatte er gesagt. "Nach dem von uns vorgeschlagenen Plan bekommen die Anleihegläubiger erheblich mehr heraus als im Falle eines Scheiterns" des Unternehmens, hatte Asbeck geworben.

Für den Spitzenmann wird es eine zweite Gründungsrunde. Er schießt nochmals zehn Millionen aus seinem Privatvermögen ins Unternehmen ein. Es sei gut, wenn der Gründer noch Geld habe; das helfe den Gläubigern und vor allem dem Unternehmen sagte er. Unberührt bleibt das Rheinschloss Marienfels in Remagen, dass Asbeck kürzlich dem Moderator Thomas Gottschalk abgekauft hat: "Das Schloss muss ich nicht verkaufen."

Wird nun also alles gut für Solarworld, seine Eigentümer und seine Belegschaft? Das Bonner Unternehmen ist mit rund 900 Millionen Euro verschuldet. Von einer Insolvenz wären rund 2600 Beschäftigte in der Zentrale in Bonn und an den Produktionsstandorten in Freiberg/Sachsen und Hillsboro im amerikanischen Bundesstaat Oregon betroffen. Das Unternehmen hat allein im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 480 Millionen Euro angehäuft. Und ein Ende der langjährigen Branchenkrise ist nicht in Sicht.

Finanzanalysten wie Jürgen Meyer von SEB Asset Management haben schon länger für den Markt kaum eine Perspektive erkennen können. "Es gab und gibt Solarzellenhersteller in Deutschland wie Sand am Meer", sagte Meyer. In Deutschland gibt es mittlerweile Solaranlagen mit zusammengerechnet rund 35 000 Megawatt. Da aber die Sonne in Deutschland zu wenig scheint, deckten die vorhandenen Anlagen im vergangenen Jahr gerade mal gut fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Nicht nur diese Überkapazitäten drückten auf den Preis, sondern auch dass "aus Sicht der Kunden diese Solarzellen und ihre Hersteller austauschbar" seien. Im Zweifel werde das billigste Produkt genommen, auch wenn es aus China komme. Die kürzlich erzielte Übereinkunft mit China über Zölle auf Solarzellen hatte die Branche nicht als wirkliche Erleichterung empfunden.

(RP)