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So viele Börsengänge wie seit 20 Jahren nicht

Gutes Umfeld für die Neuen : So viele Börsengänge wie seit 20 Jahren nicht

Deutsche Unternehmen haben in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres fast zehn Milliarden Euro erlöst. Jeder vierte Neuling ist laut Beratungsgesellschaft EY ein Unternehmen aus dem Technologiebereich.

Seit Jahresbeginn hat der Deutsche Aktien-Index (Dax) bei zwischenzeitlichen Rückschlägen mehr als zwölf Prozent gewonnen. Solange die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik nicht verändert und keine geopolitischen Krisen die Märkte nachhaltig erschüttern, scheint der Trend auch nach oben zu zeigen. Entsprechend ist viel Geld an den Finanzmärkten vorhanden. Das hat sich auf die Neuemissionen am Aktienmarkt in den ersten neun Monaten 2021 ausgewirkt, wie die Beratungsgesellschaft EY errechnet hat. In Deutschland habe es bisher 22 Börsengänge von Unternehmen (IPO) und drei sogenannte Spac-Emissionen gegeben.

Hinter der Abkürzung „Spac“ verbergen sich Special Purpose Acquisition Companys, Mantelgesellschaften, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das anschließend in ein vorher noch nicht festgelegtes Unternehmen oder mehrere Gesellschaften zu investieren. Ein Trend, der aus den USA nach Europa geschwappt ist und hier immer häufiger zu beobachten ist. Im vergangenen Jahr waren es nur sechs Spacs, zwischen Januar und September 2021 verzeichneten Europas Märkte bereits 31 neue solche Gesellschaften.

„Im bisherigen Jahresverlauf verzeichneten wir in Deutschland das höchste Emissionsvolumen seit 20 Jahren, und weitere Börsenkandidaten sind in der Pipeline“, sagt Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO („Initial Public Offering“, „erstes öffentliches Angebot“) bei EY. Die niedrigen Zinsen sind ein Grund, dazu komme aber auch: „Die Unternehmen haben gelernt, mit der Pandemie umzugehen“, erklärt Steinbach. Ergebnis: Die deutschen Neulinge im In- und Ausland (fünf Kandidaten versuchten ihr Börsenglück außerhalb Deutschlands) erlösten mit ihren Emissionen zusammengerechnet etwa 11,6 Milliarden Dollar. Das entspricht knapp zehn Milliarden Euro.

Der größte und bekannteste Börsengang in Deutschland war im März der des Funkmastenbetreibers Vantage Towers, dessen Emission dem Unternehmen im März Einnahmen von 2,2 Milliarden Euro brachte. Das Unternehmen gehört der Vodafone Group und betreibt rund 82.000 Funkmasten in zehn Ländern Europas. Dahinter kamen der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto 1 und der Softwareanbieter Suse auf die nächsten Plätze. Im internationalen Vergleich ist der Vantage-Towers-Börsengang die Nummer elf, europaweit die Nummer zwei hinter der polnischen Inpost, einem Postdienstleister aus Krakau. Apropos international: Die weltweit größten Emissionen stellen den deutschen Markt deutlich in den Schatten. Der bisher größte Börsengang 2021 fand in Schanghai statt, wo der Telekommunikationsanbieter China Telecom 7,3 Milliarden Dollar. erlöste. Nummer zwei ist die Kurzvideoplattform Kuai­shou Technology mit 6,2 Milliarden Dollar, dahinter folgt der südkoreanische Onlinehändler Coupang mit 4,6 Milliarden Dollar.

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Schaut man auf die Gesamtbilanz 2021, ist eines auffällig: „Ein Viertel aller Börsenneulinge kommt aus dem Bereich Technologie“, sagt Steinbach. Das sind oft junge Unternehmen, die stark wachsen und die trotz (noch) fehlender Profitabilität Anleger anlocken. Wobei das natürlich auch Risiken birgt. „Sie profitieren davon, dass die Pandemie den Digitalisierungstrend verstärkt hat“, so Steinbach. 

Der EY-Experte erwartet noch mehrere Börsengänge in diesem Jahr. Und was passiert im nächsten Jahr? An der Zinsfront sind vorerst keine Änderungen zu erwarten, wenngleich es am Dienstag zwischenzeitliche Unsicherheiten gab, EZB-Präsidentin Christine Lagarde könnte eine Zinswende in Europa andeuten. Aber das ist noch nicht passiert. „Wenn es auch keine neuen geopolitischen Risiken gibt, wird sich der Trend fortsetzen“, sagt Steinbach. Im Auge behalten müsse man die Koalitionsbildung in Deutschland, dazu die Präsidentschaftswahlen in Frankreich 2022 und die Entwicklung der Pandemie: „Wir müssen sehen, wie es bei Covid-19 weitergeht, ob sich womöglich neue Mutationen bilden, die die Wirtschaft belasten könnten.“