1. Wirtschaft

Ärzte-Honorar im Check: So groß sind die Unterschiede beim Gehalt

Ärzte-Honorar im Check : So groß sind die Unterschiede beim Gehalt

Der Streit um die Honorare deutscher Mediziner eskaliert. Nachdem die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) vor dem Landessozialgericht Berlin Klage gegen den Schlichterspruch eingereicht hat, drohen nun für Ende September Streiks.

3,5 Milliarden Euro mehr Honorar für die 150 000 niedergelassenen Ärzte fordern die Ärzteverbände, 270 Millionen Euro wurden vergangene Woche im Schlichterspruch angeboten.

Politiker forderten beide Parteien auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Ich rate dringend dazu, wieder miteinander zu sprechen", sagte der Vize-Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Johannes Singhammer (CSU), unserer Zeitung. Während Singhammer Verständnis für die Haltung der Ärzte hat, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, er halte den Abbruch der Verhandlungen für überzogen.

Andere fordern dagegen, erst mal die großen Unterschiede zwischen den Ärzten auszugleichen. Der Chef des Vereins demokratischer Ärzte, Wulf Dietrich, erklärte: "Die Honorare sind vor allem eine Frage der innerärztlichen Verteilung. Es ist nicht einzusehen, warum ein Radiologe dreimal so viel verdient wie ein Hausarzt."

Tatsächlich sind die Unterschiede zwischen den Facharztgruppen groß. So erhielt etwa ein Radiologe im Jahr 2010 laut KBV 366.500 Euro Honorar (Umsatz vor Steuern). Ein Gynäkologe bekam von den Krankenkassen nur 186.500 Euro. Spitzenverdiener sind mit 421.700 Euro die fachärztlich tätigen Internisten. Hausärzte gehören hingegen mit 177.600 Euro Jahreshonorar nicht zu den bestbezahlten Medizinern.

Das Jahreshonorar ist die Summe, die die Ärzte von den Krankenkassen erhalten. Nach Angaben der KBV muss der Arzt davon die Kosten für seine Praxis tragen, zudem seine Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung sowie seine Altersvorsorge. Als Nettoeinkommen bleiben dem Mediziner laut KBV im Schnitt 23 Prozent vom Jahreshonorar. Hinzu kommen Einnahmen aus der Behandlung von Privatpatienten und aus Zusatzleistungen, die der Kassenpatient aus eigener Tasche zahlt.

Ursprünglich hatte der Verband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) gefordert, die Vergütungen zu senken. Als Begründung dafür gab der Verband eine Studie an, nach der die Einnahmen der Ärzte seit 2008 gestiegen seien, die Ausgaben aber gleich blieben. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) machte die Kassen nun mitverantwortlich für die Eskalation. "Mit überzogenen Kürzungsforderungen haben sie den Unmut der Mediziner erzeugt", sagte er der "Bild".

Nun werden die Ärzteverbände bis zum 12. September eine Urabstimmung zum Streik durchführen. Die Hausärzte, die teilweise individuelle Verträge mit den Krankenkassen geschlossen haben, wollen daran nicht teilnehmen. Der Chef des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, betonte aber, dass sich sein Verband "selbstverständlich bei den bundesweiten Protestaktionen solidarisieren und sich hierbei auch mit den Facharztverbänden absprechen" werde. Das Honorardebakel zeigte, dass das alte System versagt habe.

Hier geht es zur Infostrecke: Das verdienen Ärzte in Deutschland

(RP/nbe/csi)