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Berlin/Brüssel: Smartphones könnten knapp werden

Berlin/Brüssel : Smartphones könnten knapp werden

Eine neue EU-Richtlinie sorgt in der Elektronik-Industrie für Verstimmung.

Die Elektronik-Industrie warnt vor Engpässen bei W-Lan-fähigen Geräten wie Smartphones oder Routern durch eine neue EU-Richtlinie. Grund seien Verzögerungen bei der Umsetzung. Nach dem 12. Juni 2017 können demnach Geräte mit Funk nur noch mit einer Zertifizierung nach der neuen Richtlinie verkauft werden. Wichtige neue Standards seien dafür jedoch noch nicht ausgearbeitet. Dies werde wohl auch nicht rechtzeitig gelingen, erklärten Vertreter mehrerer Unternehmen.

Unklar sei, wie der Verkauf im kommenden Sommer weitergehen solle. Üblicherweise sorgen die Hersteller selbst dafür, dass Geräte den Standards entsprechen. In der aktuellen Situation müssten sie dafür zu anerkannten Prüflabors gehen. Da es davon in Europa aktuell nur 44 gebe, warnte der deutsche Industrieverband Zvei vor einem "Flaschenhals". Auch die Kosten der Hersteller würden dadurch steigen. Zudem soll etwa der neue Standard für 5-GHz-W-Lan erst im Januar 2018 von der zuständigen Organisation Etsi angepasst werden. Damit wäre unklar, nach welchen Vorgaben die Labors zertifizieren sollten.

Die Branche will eine Verlängerung der Übergangsfrist. ZVEI und der Digitalverband Bitkom schlugen einen Aufschub bis Juni 2019 vor, der europäische Branchenverband Digitaleurope will wenigstens ein Jahr mehr. Doch die EU-Kommission blockt ab. Die Behörde erklärte auf Anfrage, man arbeite gemeinsam mit den Standardisierungs-Gremien daran, den Großteil der neuen Standards vor Ablauf der Übergangsfrist auszuarbeiten.

Aus Sicht der Industrie erteilte die EU-Kommission zu spät das Mandat für die europäischen Standardisierungs-Organisationen - erst im August 2015, während die Richtlinie bereits 2014 verabschiedet worden war. Die Neufassung der Standards sei aufwendig, weil sie unter den Beteiligten abgestimmt werden müssten, betonte der ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie): "Es ist unmöglich, die Aufgabe für mehr als 200 Standards binnen 22 Monaten zu erfüllen."

(dpa)