Düsseldorf: Skandale und Prozesse - Chefs der Deutschen Bank

Düsseldorf : Skandale und Prozesse - Chefs der Deutschen Bank

Dass die Deutsche Bank in der Vergangenheit an der Konzernspitze einen allzu großen Personalverschleiß gehabt hätte, kann man nicht behaupten. Gerade mal drei Führungsoffiziere waren es zwischen 1989 und 2012. Hilmar Kopper folgte Ende der 80er Jahre auf den von RAF-Terroristen ermordeten Alfred Herrhausen, danach bestiegen erst Rolf Breuer (1997) und dann Josef Ackermann (2002) den Thron, ehe der Schweizer 2012 durch Anshu Jain und Jürgen Fitschen abgelöst wurde.

Doch auch solcherlei Konstanz hat die Bank in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten nicht vor einem beständig schlechten Image bewahrt. Die Geschichte ihrer Chefs ist eine von Skandalen und Prozessen - angefangen von der Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider in der Kopper-Ära der 90er Jahre über Breuers folgenschweres Interview zur Kreditwürdigkeit des Kunden Leo Kirch im Jahr 2002 und Ackermanns Doppel-Auftritt als Angeklagter im Mannesmann-Prozess (2004 und 2006) bis hin zu Zins-,Devisen- und Steuerskandalen, deren Aufarbeitung die komplette bisherige Amtszeit von Jain und Fitschen prägte. Vorläufiger unrühmlicher Höhepunkt: das Strafverfahren unter anderem gegen Fitschen, Ackermann und Breuer wegen angeblichen Prozessbetrugs im Kirch-Zivilverfahren. Und jetzt steht auch noch der Vorwurf im Raum, Deutsche-Bank-Kunden hätten in Russland über die Bank sechs Milliarden Dollar gewaschen.

So etwas bleibt in den Köpfen der Menschen hängen. Am Ende steht nicht, dass die Bank zu Koppers Zeiten in Sachen Börsenwert noch zu den größten der Welt gehörte, dass Ackermann sie in Sachen Rendite nach vorn peitschte, dass die Investmentbanker in London unter Jain nicht nur Risiko brachten, sondern in guten Jahren auch Milliarden für die Bank verdienten. Vor allem Letzteres zählt nicht mehr in einer Zeit, da immer mehr Skandale ans Licht kommen, die fast ausnahmslos in die Abteilung Jain gehören. Wen interessieren da noch die Meriten der Vergangenheit? Gerade mal zwei Drittel der Aktionäre haben das Duo Jain/Fitschen bei der Hauptversammlung vor knapp drei Wochen entlastet, und eine größere Aktionärsklatsche für die operative Führung dürfte es bei der Deutschen Bank wohl kaum einmal gegeben haben.

(gw)
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