Siemens spaltet Kraftwerkssparte ab

Technologiekonzern : Siemens spaltet Kraftwerkssparte ab

Mindestens 10.400 Stellen fallen beim Technologiekonzern weg, weil ihre Qualifikation nicht mehr benötigt werde. Zugleich wollen die Münchener 20.500 neue Stellen schaffen.

Siemens steht vor einem radikalen Umbau. Wie die Münchener am Dienstag Dienstagabend mitteilten, solle die Kraftwerkssparte (Gas and Power) ausgegliedert und mit der Mehrheitsbeteiligung am im Bereich der erneuerbaren Energien (Gamesa Renewable Energy) ausgestattet werden. Bis September 2020 soll das neue Unternehmen an die Börse gebracht werden. Es

Es soll 88.000 Mitarbeiter beschäftigen und mit einem Umsatz von 27 Milliarden Euro eine Marge von vier Prozent erwirtschaften. Siemens werde die Mehrheit am neuen Unternehmen abgeben, „aber als starker Ankeraktionär engagiert“ bleiben, erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser. Der Anteil solle zunächst knapp unterhalb der 50-Prozent-Marke liegen, „auf Sicht“ aber weiter sinken, jedoch nicht unter die Sperrminorität von 25 Prozent. Die Aktionäre sollen den Plänen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im Juni 2020 zustimmen.

Die Kraftwerkssparte gilt bei Siemens als Sorgenkind. Die Abkehr von konventioneller Energieerzeugung hatte zu einer starken Zurückhaltung bei neuen Kraftwerksprojekten geführt. Hinzu kamen der Ölpreisverfall im Zuge der Fracking-Offensive der Amerikaner sowie der Trend zu kleineren, dezentralen Gaskraftwerken. All dies hatte das Siemens-Geschäft einbrechen lassen. Zwar konnte der Konzern zuletzt einen lukrativen Großauftrag im Irak an Land ziehen.  Dennoch ziehen.

Dennoch versucht Kaeser den Konzern unabhängiger von der Energie zu machen. Siemens wird sich künftig stärker auf ertragreichere Branchen ausrichten. Da wäre zum einen das Geschäft mit der digitalen Fabrik (Digital Industries) und den vernetzten Städten (Smart Cities), die Mobilitätssparte und die Beteiligung am bereits an der Börse platzierten Gesundheitsgeschäft (Healthineers).

Rückendeckung hat sich Kaeser für seine Pläne namens „Power House“ bereits im Aufsichtsrat geholt. Dort votierten  votierten Eigner und Arbeitnehmervertreter einstimmig dafür. Allerdings unterstrich Konzernbetriebsratschefin Birgit Steinborn: „Wenn der Vorstand das Wachstumskonzept ernst meint, dann erwarten wir, dass die Kompetenzen der Mitarbeiter im Unternehm,en Unternehmen gehalten und hinsichtlich Digitalisierung entwickelt beziehungsweise erweitert werden.“

Tatsächlich hat das Management angekündigt, insgesamt 10.400 Stellen abzubauen, weil künftig andere Qualifikationen benötigt würden. Die Maßnahmen erfolgten sozial verträglich. Wie viele darüber hinaus bei der neuen Gesellschaft wegfallen könnten, ließ Kaeser zunächst offen. Zugleich sollen an anderer Stelle 20.500 neue Stellen entstehen.

Auch NRW wird von den Plänen betroffen sein. Gas and Power hat Standorte in Duisburg und Mülheim an der Ruhr. Der IG-Metall-Bezirksvorsitzende von NRW, Knut Giesler, sagte unserer Redaktion: „Bisher hat Siemens bei Gas and Power mehr auf Entwicklungen reagiert, als in die Zukunft blickend agiert.“ Die Pläne böten jetzt bessere Möglichkeiten für ein eigenständigeres Agieren durch gezielt Investitionen in Innovationen. „Diese Chancen müssen genutzt werden. Dann können die Standorte und Beschäftigten in NRW davon profitieren“, sagte Giesler. „Dafür braucht es aber auch endlich einen verlässlichen und realistischen politischen Rahmen für die Energiewende. Für uns war es wichtig, dass wesentliche Abkommen zur Standort- und Beschäftigungssicherung übernommen werden. Das ist gelungen.“

Kaeser benötigt nach der geplatzten Fusion seiner Zugsparte mit der des Konkurrenten Alstom dringend eine Erfolgsgeschichte. „Wir sind vom Erfolg überzeugt“, sagte er. „Fokus schafft Wachstum. Und nicht Breite, Größe und Gleichschritt.“

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