München: Siemens-Chef: Kaesers Wahl war einstimmig

München : Siemens-Chef: Kaesers Wahl war einstimmig

Das Unternehmen soll wieder zur Ruhe kommen. Der künftige Konzernlenker will ein "Hochleistungsteam" formen.

Dass Joe Kaeser als Nachfolger von Peter Löscher zum Siemens-Vorstandsvorsitzenden gekürt werden würde, war erwartbar. Dass sich der Aufsichtsrat des größten deutschen Elektrokonzerns einstimmig für den bisherigen Finanzchef entschied, war nach den Querelen der vergangenen Tage dagegen nicht zwangsläufig. Am Ende hat sich im Kontrollgremium wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine Kampfabstimmung das Bild des Konzerns in der Öffentlichkeit noch stärker beschädigt hätte.

Der braucht dringend Ruhe, und die will Joe Kaeser ihm verschaffen. "Mein erklärtes Ziel ist es, Siemens wieder in ruhiges Fahrwasser zurückzuführen und ein Hochleistungsteam zu formen. Denn als Team sind wir nur schwer zu schlagen", erklärte der neue Konzernlenker nach der Aufsichtsratssitzung. Sein Vorgänger Löscher wird Siemens nach Angaben des Unternehmens noch bis Ende September zur Verfügung stehen. Außerdem bleibt er Vorsitzender des Stiftungsrates der Siemens-Stiftung. Der Österreicher bemühte sich gestern, den Burgfrieden nach außen zu tragen: "Die Interessen Einzelner, auch meine eigenen, haben hinter dem Wohl des Unternehmens zurückzustehen." Eine Spitze gegen Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der offenbar Löchers Entmachtung vorangetrieben hat, konnte sich der scheidende Manager aber nicht verkneifen. Die Entscheidung, dem Aufsichtsrat die Auflösung seines bis 2017 laufenden Vertrags anzubieten, sei ihm schwergefallen, erklärte Löscher. Er danke besonders der Familie Siemens und "denjenigen Mitarbeitern und Mitgliedern des Aufsichtsrats, die mich auch zuletzt ausdrücklich unterstützt und sich in mehreren Gesprächen mit mir meinen Verbleib an der Spitze des Unternehmens gewünscht haben".

Cromme selbst flocht Löscher die in solchen Fällen üblichen Kränze. Löscher habe Siemens zurückgeführt "zu beachtlichen Erfolgen", das Unternehmen habe unter seiner Führung "zwei der erfolgreichsten Jahre in der Unternehmensgeschichte erreicht". Ein Grund, Löscher zu halten, war das nicht.

Die IG Metall erklärte, sie respektiere Löschers Entscheidung. Siemens müsse jetzt wieder ins Gleichgewicht kommen "und wird das nur schaffen, wenn man sich von kurzfristig getriebenem Renditedruck verabschiedet". Was bei einem großen börsennotierten Unternehmen nicht wirklich einfach ist.

(gw)
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