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Shanghai-Lockdown führt zu Frachtschiff-Stau - Folgen in Deutschland spürbar

Lieferprobleme aus China : Shanghai-Lockdown führt zu Frachtschiff-Stau - Folgen in Deutschland spürbar

Wegen des Corona-Lockdowns in Shanghai stauen sich nun auch die Frachtschiffe. Nach Ansicht von Wirtschaftsvertretern kann es Monate dauern, bis Lieferprobleme abflauen – auch in Deutschland.

Der Stau von Frachtschiffen wegen des anhaltenden Corona-Lockdowns in Shanghai stört die globalen Lieferketten und wird in Deutschland für höhere Preise sorgen. „Auch in Deutschland werden die Lieferengpässe jetzt zu spüren sein“, sagte Maximilian Butek, der Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Shanghai, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Das Exportvolumen des größten Hafens der Welt ist nach Schätzungen drastisch zurückgegangen.

Viele Unternehmen bekämen ihre Waren teilweise seit mehr als drei Wochen nicht mehr aus dem Land, sagte der Delegierte. Auch alternative Lieferwege über andere Häfen reichten nicht aus, um den Ausfall abzufedern. „Die Verknappung des Angebots an Lieferungen aus China wird die bereits jetzt schon hohe Inflation in Deutschland weiter negativ beeinflussen“, sagte Butek.

Der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, warnte davor, dass am Ende auch die Verbraucher die Folgen zu spüren bekommen würden. Gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er, Chinas Zero-Covid-Strategie lähme den Hafenbetrieb mit gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft. „Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) hat sich die Anzahl der Containerladungen aus China und Schanghai seit Anfang April um über 30 Prozent reduziert. Dadurch sind weltweit weniger Container verfügbar, die Frachtkapazitäten sinken und die Frachtraten steigen weiter an“, sagte Jandura. Bislang ließe sich schwer abschätzen, wie gravierend die Einbußen für den deutschen Groß- und Außenhandel sein werden.

„Die Schockwellen, die der Stillstand hier in China auslöst, sind noch gar nicht im vollen Umfang fassbar“, sagte auch der Delegierte Butek. Es dürften Monate vergehen, um die Störungen in den Lieferketten zu beheben. Der Hafen an sich sei nicht das größte Problem. Die Schwierigkeit liege wegen der strengen Corona-Maßnahmen vielmehr im Transport der Waren mit Lastwagen von und zum Hafen.

„Das betrifft im Prinzip alle Warengruppen. Aber vor allem bei Elektronikartikeln und Rohstoffen oder Vorprodukten ist die Sorge groß“, sagte der Delegierte. Der Lockdown betreffe mittlerweile alle Unternehmen – unabhängig von Branche oder Größe. Es gebe massive Beeinträchtigungen der Lieferketten, der Transport- und Logistik-Möglichkeiten oder beim Personal und in der Produktion.

Die 26 Millionen Einwohner zählende Hafenstadt ist seit einem Monat von weitgehenden, sehr strengen Ausgangssperren betroffen. Einwohner müssen inzwischen auf Tauschgeschäfte zurückgreifen und klagen über Lebensmittelknappheit. Die Metropole steht im Zentrum der größten Corona-Welle in China seit Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren. Mit Ausgangssperren, Massentests und Quarantäne verfolgt die chinesische Führung eine strikte Null-Covid-Strategie, die durch die Ankunft der Omikron-Variante BA.2 aber auf eine schwere Probe gestellt wird.

(peng/dpa/Reuters)