1. Wirtschaft

Secusmart: "Jede Regierung der Welt soll unser Telefon haben"

Interview mit Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle : "Jede Regierung der Welt soll unser Telefon haben"

Der "Merkel-Handy"-Hersteller Secusmart bleibt trotz des Verkaufs an Blackberry in Düsseldorf. Vom alten Arag-Gebäude aus will Firmen-Gründer Hans-Christoph Quelle nun weltweit expandieren.

Blackberry hat die Gesellschafteranteile an Ihrem Unternehmen aufgekauft. Wie kam es dazu?

Quelle Blackberry ist auf uns zugekommen. Seit 2009 arbeiten wir zusammen, und seit 2012 ist es eine ganz enge Kooperation. Ziel war das Telefon für die deutsche Regierung, das SecuSuite zu bauen. Wir ergänzen Blackberry da, wo Blackberry gar nichts hat. Blackberry möchte der sichere Mobile-Phone-Spezialist sein. Die Sprache war aber das Einzige, was noch nicht verschlüsselt wurde.

Liegt der Verkaufspreis wie kolportiert bei über 100 Millionen Euro?

Quelle Dazu kann ich nichts sagen. Aber: Wir sind nicht WhatsApp, und Blackberry ist nicht Facebook.

Aus Deutschland gab es kein Interesse an Secusmart?

Quelle Wir sind von vielen strategischen Investoren und Finanzinvestoren angefragt worden. Aber keiner davon war aus Deutschland.

Bleiben Sie in Düsseldorf?

Quelle Ja. Wir bleiben eine deutsche Firma, der Standort bleibt in Düsseldorf, alle Produkte, Projekte und Serviceverträge bleiben gleich.

Sie machen nach eigenen Angaben rund 7 Millionen Euro Umsatz. Mehr geht in Deutschland nicht?

Quelle Wir haben fast 3000 Smartphones an den Bund verkauft. Aber das ist zu wenig, um diese Firma am Leben zu halten. In diesem Jahr haben wir bisher unter 1000 Stück abgesetzt.

Was wird sich ändern?

Quelle Unsere Produkte bleiben gleich. Was sich ändern wird, ist der globale Footprint. Wir haben im Unternehmen bisher drei Vertriebsleute. Einer ist für das Geschäft mit dem Bund zuständig, einer kümmert sich um das internationale Geschäft, und einer ist Vertriebsleiter. Wir bekommen die ganzen Anfragen aus der Welt gar nicht, und wir könnten sie auch nicht bearbeiten. Wir sind einfach zu klein, um die Technologie aus Deutschland raus in die Welt zu tragen. Das wird sich jetzt ändern.

Was wollen Sie erreichen?

Quelle Dass jeder Präsident, jede Regierung der Welt unser Telefon trägt. Blackberry hat den globalen Zugriff bei allen Regierungen und bei allen großen Konzernen. Alle unsere derzeitigen Produkte arbeiten hervorragend zusammen: Die Regierungsprodukte gehen in alle Welt, das "Secure Call" mit Vodafone soll an alle Unternehmen dieser Welt gehen können, und wir werden auch den Blackberry-Messenger verschlüsseln, mit dem man auch telefonieren kann oder Videokonferenzen abhalten kann. Diesen sicheren Messenger kann dann künftig jeder auch auf seinem iPhone oder seinem Android-Telefon nutzen. Die Zusammenarbeit mit Blackberry ist kein Ausverkauf deutscher Technologie. Es zeigt die Wertigkeit deutscher Technologie.

  • Fotos : Neues aus der Smartphone-Welt
  • Düsseldorf : Secusmart erwartet Verkaufs-Erlaubnis
  • Sie hat zwei Modelle zur Auswahl : Die abhörsicheren Smartphones der Kanzlerin

Kritiker werfen Ihnen vor, Sie verkaufen die Sicherheit deutscher Staatsinteressen nach Kanada. Das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben genaue Beobachtungen angekündigt.

Quelle Die Sicherheit unserer Regierung wird nicht verkauft. Alles, was die deutschen Regierungsgeheimnisse schützt, steckt in der Micro-SD-Karte. Die ist aber nie in Kanada, sondern wird in Berlin beim BSI programmiert. Diese Geheimnisse kennen wir nicht, die kennt auch Blackberry nicht.

Wie garantieren Sie der Bundesregierung diese Sicherheit?

Quelle Es ist nicht so, dass die Sicherheit der Bundesregierung auf Vertrauen in die Secusmart-Mitarbeiter, sondern allein auf Kontrolle beruht. Das BSI kann ständig den Source Code des Telefons kontrollieren. Bei jedem Update wird das BSI informiert. Das BSI schaut sich also schon immer ganz genau die Vorgänge an, nicht erst jetzt durch den Verkauf.

Auch wenn der Verkauf nicht verboten werden sollte: Haben Sie Sorge, dass der Bund den Rahmenvertrag mit Ihnen nicht verlängern könnte?

Quelle Ich habe keinerlei Anrecht auf Verträge mit der Bundesrepublik Deutschland. Die Rahmenverträge mit uns über SecuSuite und mit der Telekom über Simko besagen, dass der Bund beide Produkte kaufen darf. Wobei gut für uns ist, dass Simko als unser Konkurrenzprodukt noch nicht fertig ist. Aber es gibt keine Mindestabnahmemenge. Wir wissen also nicht, wie viel wir noch an den Bund verkaufen werden. Der Vertrag läuft noch bis 2017.

Hat sich die Entwicklung für Sie denn schon gelohnt?

Quelle Wir haben den Breakeven noch lange nicht erreicht. Die Planzahlen waren von 5000 Stück pro Los ausgegangen. Und damit haben wir schon gerechnet.

Wer hat das sicherste Smartphone weltweit?

Quelle Die deutsche Regierung, bei weitem. Die Kombination aus unserer Micro-SD-Karte mit der Verschlüsselungstechnologie vom BSI und dem sicheren Blackberry-Betriebssystem ist unschlagbar.

Was macht Sie so sicher, dass auch die NSA nie Ihren Code knacken kann?

Quelle Wir verwenden zur Verschlüsselung den Advanced Encryption Standard (AES). Über die Güte einer Verschlüsselung entscheidet einerseits die Schlüssellänge, bei uns sind das 128 Bit. Und andererseits ist entscheidend, wie gut die Implementierung ist und damit die Güte des Zufalls. Und das kommt von den weltweit renommierten Experten des BSI. Wenn man das knacken will, bräuchte man ungefähr 149 Billionen Jahre.

Kann es denn die absolute Sicherheit in der mobilen Kommunikation geben?

Quelle Nein. Wenn jemand irgendwo spricht, dann kann er auch mit einem Richtmikrofon belauscht werden. Das ist das grundsätzliche Problem einer mobilen Lösung. Wir versichern nur, dass es unterwegs von Smartphone zu Smartphone keinen illegalen Zugriff geben kann.

An welchen Innovationen arbeiten Sie derzeit?

Quelle Die Verschlüsselung ist gut, da tut sich nichts. Woran wir arbeiten ist die Usability, also daran, Verschlüsselungen handbar zu machen. Das sicherste Telefon ist nämlich so sicher, dass es so kompliziert ist, dass es gar nicht mehr eingesetzt wird. Sicherheit darf nicht stören. Warum legen wir heute im Auto den Sicherheitsgurt an? Weil er nicht mehr stört. Der erste Sicherheitsgurt war so starr, dass man gar nicht mehr das Radio bedienen konnte.

Andreas Gruhn führte das Gespräch.

(RP)