Schlechte Nachricht für Ostern Warum Schokolade deutlich teurer wird

Düsseldorf · Der Kakaopreis ist in den vergangenen sieben Wochen um mehr als 60 Prozent gestiegen. Woran das liegt und warum der deutliche Preisanstieg auch für Ostern eine große Rolle spielen dürfte.

Fröhliche Osterhasen aus Schokolade. (Archiv, Symbol)

Fröhliche Osterhasen aus Schokolade. (Archiv, Symbol)

Foto: dpa/Patrick Pleul

Im Durchschnitt isst jede(r) Deutsche pro Jahr mehr als neun Kilogramm Schokolade. Rechnet man das auf die gängige 100-Gramm-Tafel um, ist also alle vier Tage eine Tafel fällig. Im Schnitt wohlgemerkt. Wobei Schokolade auch in vielen anderen Produkten wie Pralinen, Schokoladenaufstrich und Nuss-Nougat-Cremes steckt. Da kommt einiges zusammen: Angeblich verzehrt mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland mindestens einmal pro Woche Schokolade, und damit ist ihr Anteil noch größer als der von Gummibärchen-Freunden (40 Prozent) und Lakritz-Konsumenten (20 Prozent). Das Süße bleibt die größte Versuchung.

Ob solche Verzehrgewohnheiten unter anderen Vorzeichen so erhalten bleiben, ist fraglich. Denn Schokolade wird in nächster Zeit vermutlich deutlich teurer – und da dürften auch manche Verbraucherinnen und Verbraucher angesichts des zu erwartenden Preisanstiegs noch mal kurz innehalten, ehe sie Schokolade kaufen.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Ein Grund für die deutliche Teuerung ist der Rohstoff: Schokoladenhersteller zahlen für Kakao fast doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Allein in den vergangenen sieben Wochen ist der Preis für eine Tonne auf dem Weltmarkt um mehr als 60 Prozent auf rund 6500 US-Dollar, umgerechnet 5990 Euro, gestiegen. Und der ist nun mal maßgeblich für die Schokolade. Denn als solche gilt nur ein Produkt, das auf einen Kakaoanteil von mindestens 35 Prozent kommt.

Was das für den konkreten Ladenpreis heißt, darüber schweigen sich Hersteller und Händler noch aus. Ein Indiz: „Ein Kilo Kakao ist knapp drei Euro teurer als noch vor einem Jahr. Was das für die Herstellungskosten einer 100-Gramm-Schokoladentafel bedeutet, die zwischen 35 und 70 Prozent Kakao enthält, kann sich jeder selbst ausrechnen“, sagte ein Sprecher des Schokoladenherstellers Ritter Sport der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Ernteausfälle spielen eine große Rolle für den Preisanstieg bei Kakao. Dadurch wird das Angebot immer knapper. Wie an anderen Stellen wirkt sich der Klimawandel auch auf die Ernte aus. Immer häufiger werden große Lieferantenländer wie die Elfenbeinküste, Ghana, Ecuador oder Indonesien von Ex­tremwetter getroffen, extreme Dürre wechselt sich ab mit Starkregen und Überflutungen. Das schadet nicht nur der Qualität des Rohstoffs, sondern vernichtet ganze Ernten.

Der aktuelle Preisanstieg folgt dem aus dem vergangenen Jahr, in dem nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) auch schon vieles teurer geworden ist – EU-Zucker um 72 Prozent, Kakaobutter um 52, Kakao auch schon um 43 Prozent. Für Konsumenten heißt das: mehr zahlen. Und wer an Schokolade denkt, denkt fünf Wochen vor Ostern vermutlich auch schon an Schokohasen, auch wenn in manchen Märkten noch die letzten Süßigkeiten vom zurückliegenden Weihnachtsfest angeboten werden. Auch die Hasen könnten zu deutlich höheren Preisen im Supermarkt-Regal stehen. Die Preispalette reicht aktuell von 60 Cent für einen Schokohasen als Werbegeschenk bis zu sieben Euro für Schokohasen der Markenhersteller. Solche Preise (die Hasen sind oft 20 Prozent teurer als die Schokolade desselben Anbieters in Tafelform) hängt aber auch damit zusammen, dass die Nachfrage nach Schokolade in Hasengestalt vor Ostern traditionell höher ist. Etwa 230 Millionen Stück gingen beispielsweise 2023 in den Verkauf. Ob die Preise da 2024 nicht noch weiter steigen, ist offen. Der Nestlé-Konzern beispielsweise hat jüngst angekündigt, dass die Kostensteigerungen bisher nur zu einem kleinen Teil weitergegeben worden seien.

Andererseits ist nicht jeder Schokohase für Deutschland bestimmt. Laut dem Süßwarenverband wurde 2023 nur knapp die Hälfte (108 Millionen Stück) in Deutschland verkauft. Der überwiegende Anteil ging demzufolge ins Ausland, laut BDSI vor allem an europäische Handelspartner, in die USA, nach Kanada, Australien und Südafrika. Gleichzeitig enthielten immer mehr süße Osterprodukte zertifizierten Kakao, erklärt der Verband. 2022 habe der Anteil an nach Nachhaltigkeitskriterien erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren bei 81,2 Prozent gelegen, zwei Prozentpunkte höher als im Jahr davor.

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