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Düsseldorf: Schmolz + Bickenbach will verkaufen

Düsseldorf : Schmolz + Bickenbach will verkaufen

In Düsseldorf wären vom Verkauf des Stahlhandels 450 Mitarbeiter betroffen.

Der unter einem massiven Streit der Eigentümer leidende Schmolz+Bickenbach-Konzern stellt voraussichtlich seinen Stahlhandel zum Verkauf. "Es gibt im Wesentlichen zwei Optionen: Verkauf oder tiefgreifende Restrukturierung", sagte gestern Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha, "wir haben eine Präferenz für den Verkauf." Davon betroffen wären am ehemaligen Hauptsitz in Düsseldorf 450 Mitarbeiter. Weltweit beschäftigt Schmolz+Bickenbach 2370 Mitarbeiter an 80 Distributions-Standorten, rund 960 davon in Deutschland. Die Sparte setzte zuletzt 700 Millionen Euro um.

Das 1912 in Düsseldorf gegründete Unternehmen hat sich bei einer Serie von Übernahmen verhoben und ist aktuell mit 930 Millionen Euro verschuldet. Der Düsseldorfer Unternehmer Michael Storm (62), der das Unternehmen damals in vierter Generation führte, legte Schmolz+Bickenbach vor zehn Jahren mit der börsennotierten Swiss Steel zusammen. Der Storm-Clan, in dem Michael Storm bis heute die Strippen zieht, kontrolliert über die Düsseldorfer Schmolz+Bickenbach KG heute aber nur noch 40 Prozent der deutsch-schweizerischen Schmolz+Bickenbach AG, die über ihre Zukäufe zwischenzeitlich unter anderem Weltmarktführer bei Werkzeugstählen war. Die Börse feierte das Unternehmen als ungewöhnliches Beispiel für einen Händler, der den Sprung zum Hersteller geschafft hat.

Der Börsenjubel ist längst vorbei. Im vergangenen Jahr lag der Jahresverlust bei 158 Millionen Euro. Seit Februar wird das Unternehmen vom ehemaligen Salzgitter-Vorstand Johannes Nonn geführt, der nun ein drastisches Sparprogramm umsetzt. Zusätzlich plant die AG eine Kapitalerhöhung.

Der von eidgenössischen Aktionären dominierte Verwaltungsrat schlägt eine Kapitalerhöhung von brutto 330 Millionen Franken (267 Mio. Euro) vor. Hauptaktionär Storm, der den russischen Oligarchen Viktor Vekselberg ins Boot holen will, fordert aber eine Erhöhung um gut 430 Millionen Franken (347 Millionen Euro), was der Verwaltungsrat als unbotmäßige Benachteiligung der übrigen Aktionäre ablehnt. Zudem hat das Unternehmen Storm auf rund zehn Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Er soll Firmengelder veruntreut haben.

(RP)