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Brüssel: Schluss mit Roaming

Brüssel : Schluss mit Roaming

Ab morgen können Verbraucher im EU-Ausland ohne Zusatzkosten telefonieren. Trotzdem sollte man einige Dinge beachten.

Es war ein langer, zäher Kampf, doch nun ist es geschafft. Ab morgen fallen in der EU die Auslandsaufschläge für Mobilfunkanrufe, SMS und das Checken von Mails auf dem Smartphone weg. Jedes Gespräch, jede SMS und jeder Download wird dann auf Reisen im EU-Ausland genauso abgerechnet wie im Inland. Die Roaming-Gebühren - also die Entgelte, die der Anbieter dem ausländischen Betreiber für die Benutzung von dessen Netzwerk zahlt - werden weitestgehend abgeschafft.

Profitieren werden davon 500 Millionen Verbraucher, die in der Vergangenheit für die mobile Kommunikation bei Trips ins EU-Ausland kräftig zur Kasse gebeten wurden. Vorausgegangen sind jahrelange Verhandlungen der EU mit den mächtigen Telekommunikationskonzernen. Die Brüsseler Behörde hatte vor zehn Jahren das Verbraucher-Ärgernis Roaming-Gebühren identifiziert und ist dagegen angegangen. Sie hat nicht davor gescheut, zu einem Instrument zu greifen, das in der Marktwirtschaft eigentlich verpönt ist, nämlich massiv in die Preisgestaltung der Anbieter einzugreifen und Preis-Obergrenzen festzulegen. Zwischen 2007 und 2016 hat die EU so Senkungen der Endkundenpreise für Anrufe um 92 Prozent durchgesetzt, eine SMS kostete 2007 bis zu 24 Cent (plus Steuern), 2016 durfte sie nur noch 0,0114 Cent kosten. Zwischen 2008 und 2015 ist der Roaming-Datenverkehr um mehr als das Hundertfache gestiegen. 2009 lagen die Roaming-Gebühren noch bei maximal ein Euro je Megabyte, 2016 durften dafür im Großkundengeschäft nur noch 0,05 Cent berechnet werden.

Der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) hatte im vergangenen Jahr noch in seiner Funktion als Digitalkommissar zunächst vorgeschlagen, die Roaming-Freiheit nur auf 90 Tage im Jahr zu begrenzen. Er wollte verhindern, dass Kunden im Heimatland dauerhaft mit preiswerteren Verträgen eines anderen Mitgliedslandes telefonieren können. Dies wäre ein Vorteil für die Telekommunikationskonzerne gewesen. Daraufhin gab es Widerstand aus dem EU-Parlament - und man einigte sich letztlich auf die Regelungen, die nun endgültig in Kraft treten.

Zwischen den 28 EU-Staaten fallen damit auch im Telekommunikationsbereich die nationalen Grenzen - bis mindestens März 2019 gelten die Regelungen damit auch noch in Großbritannien. Das Roaming zu Inlandspreisen ("Roam like at Home") soll auch in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) - Island, Liechtenstein und Norwegen - eingeführt werden.

Achtung: Die Preise für Anrufe aus Deutschland etwa bei der Freundin, die in Spanien lebt und dort einen spanischen Mobilfunkvertrag abgeschlossen hat, sinken nicht. Daran ändert sich gar nichts.

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Auch bei den Daten-Flatrates kann es Einschränkungen geben. Im EU-Ausland kann der Anbieter das Datenvolumen begrenzen. Der Anbieter muss die Kunden darüber allerdings vorab informieren und anschließend mitteilen, wenn sich der Kunde dieser Grenze nähert. Falls die Grenze überschritten wird, darf dies je Gigabyte derzeit 7,70 Euro plus Mehrwertsteuer kosten. Bis 2020 sinkt dieser Betrag schrittweise auf 2,50 Euro ab.

Die Roaming-Gebühren sollen nur für die Verbraucher wegfallen, wenn sie sich auf einer Reise ins EU-Ausland befinden. Wer umzieht und sich dauerhaft im EU-Ausland niederlässt, kann diese Variante nicht in Anspruch nehmen.

(RP)